SARNEN/STANS: Zauberhafte Prozession auf dem Wasser

Barbara Gut beschäftigt sich als Künstlerin mit dem Thema «Lebensfluss». Das inszeniert sie an Aller­heiligen mit einer «Flussfahrt» .

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Die Nidwaldner Künstlerin Barbara Gut bereitet eines von vielen Booten vor für die poetisch bebilderte Flussfahrt am Abend des 1. Novembers auf der Sarneraa. (Bild Romano Cuonz)

Die Nidwaldner Künstlerin Barbara Gut bereitet eines von vielen Booten vor für die poetisch bebilderte Flussfahrt am Abend des 1. Novembers auf der Sarneraa. (Bild Romano Cuonz)

Romano Cuonz

Ein seltsames, fast ein bisschen erschreckendes Bild in einer Schiffhütte nahe der Sarneraa: Die Stanser Künstlerin Barbara Gut, ganz in Schwarz gekleidet, kauert in einem Nussschalenboot. Darin ist auf einem Brett eine blasse Frauenfigur. Aufgebahrt! Um sie herum farbige Blumen, in den Himmel ragende «Besenstauden» ... und Raben. Die Künstlerin biegt da noch etwas zurecht, richtet dort etwas. Über den Fluss fällt herbstlich goldenes Sonnenlicht auf das seltsame Bild aus dieser und doch wieder einer ganz anderen Welt. Die Nidwaldner Künstlerin bekennt: «Das Boot wird auf der Sarneraa schwimmen, zu diesem Fluss habe ich eine besonders starke Beziehung.» Ja, bei ihren Spaziergängen zur Galerie Hofmatt verweile sie oft staunend auf der Brücke, die über diesen Fluss führt. Schon drei Mal (2002, 2005 und 2009) durfte Barbara Gut in der Sarner Galerie ausstellen.

Prozession auf dem Wasser

Nun ist es der ruhig und träge dahingleitende Fluss, der sie auf eine ganz besondere – für die Obwaldner Kunstszene völlig neue – Idee gebracht hat. «Ich möchte an Allerheiligen auf der Sarneraa, von ihrem Ausfluss aus dem See bis hin zur Rathausbrücke, eine Art Prozession auf dem Wasser inszenieren», verrät Barbara Gut. Von der Vergänglichkeit des Lebens wolle sie erzählen. Mit beleuchteten, geschmückten Booten und Flossen, die sie mit symbolischen Figuren bestückt. Oder mit Alltagsobjekten wie Spiegel, Blumen, Briefen, Büchern, Weltkarten, die im Umkreis der Boote frei auf dem Wasser treiben. Etwas betont die eher bedächtige Frau, die mehr Angst vor dem Leben als vor dem Tod hat, ganz besonders: «Es soll kein lautes Spektakel werden, sondern ein sanftes Innehalten, eine Art Zauber, ein Traum, der die Menschen in der Abenddämmerung des 1. Novembers feierlich berührt.»

Sanftmut und Bedrohlichkeit

Drei Jahre beschäftigt sich Barbara Gut nun schon mit diesem Grossprojekt, das sie mit den Worten «Im Spiegel der Nacht – Flussfahrt auf der Sarneraa» betitelt. Neben dem ganzen Team der Galerie Hofmatt begleiten und unterstützen sie dabei noch zahlreiche weitere Helferinnen und Helfer. «Ich habe viel nachgedacht, bevor ich mit dem Skizzieren und Gestalten der einzelnen Figuren begann», erzählt die Nidwaldnerin. Der Fluss, der unaufhörlich fliesse, sogar wenn Menschen schliefen, sei ein Symbol für die Zeit. «Wenn ich auf der Brücke stehe, erkenne ich die zurückgelassene und die dahinfliessende Zeit», sagt Barbara Gut und sinniert: «So, wie sich der Fluss durch die Landschaft schlängelt, durchströmen uns die Gefühle, einmal sanft und einmal wild, einmal glitzernd und einmal bedrohlich dunkel und in der Tiefe entschwindend.» Jedoch: Auch wenn sie sich bei ihrer Arbeit oft auch mit dem Tod beschäftige, werde ihr mit jedem Tag, den sie noch habe, mehr und mehr bewusst, wie wunderbar und kostbar es sei, gesund zu sein und zu leben. «Vielleicht lacht der Tod, weil wir Menschen uns so wichtig nehmen, obwohl wir doch nur ein Staubkörnchen in den Dimensionen des Alls und der Zeit sind.»

Sanfte Stimme und ein Akkordeon

Die Prozession der Boote und Flosse im Dämmerlicht hat sich Barbara Gut in Gedanken noch und noch vorgestellt. Nun ist es bald so weit: Zuvorderst sollen die Buchstaben des Titels «Im Spiegel der Nacht» schwimmen und vom Strudel wie in einem Anagramm durchmischt werden. Dann folgt der Kanufahrer Silvio Rohrer, maskiert als Himmelswesen «Geiggel», begleitet aber von einem schwarzen Höllenhund. In den beiden neun Meter langen Pontons tummeln sich skurrile, kostümierte und geschminkte Gestalten: Die Sängerin Leslie Leon am Anfang und die als Tod verkleidete Akkordeonistin Katrin Wüthrich in einem Kreuzgarten mit Lichtern am Schluss. Sie lassen die nächtliche Fahrt mit wundersamen Lauten auch musikalisch zu einem Erlebnis werden. Seltsam die Bootsschalen des Schwanenvaters: beladen mit 12 Schwänen. Oder das Floss des Chinesen mit den drei Kormoranen. Neben den Booten gibt es auch noch zahlreiche weitere Objekte, die frei den Fluss hinuntertreiben: Eine Gesichter-Landschaft mit Blumen und Kerzen, ein Reh, eine Uhr, Fische ... lauter Dinge aus dem Fundus der Künstlerin. Das Ereignis selber ist vergänglich. Doch Barbara Gut weiss: «Ein kleiner Katalog und ein Film werden an die Prozession auf der Sarneraa erinnern.»

HINWEIS

Barbara Gut: «Im Spiegel der Nacht». Flussfahrt auf der Sarneraa vom Ausfluss bis zum Rathaus, Allerheiligen, 17 Uhr. Veranstalter: Galerie Hofmatt, Sarnen.