Sarner Kantischüler wollen weitere Taten folgen lassen

Die Kantonsschule Obwalden geht mit gutem Beispiel voran. Am traditionellen Frühjahrsevent diskutierten am Mittwoch 370 Schüler und ihre Lehrer über Massnahmen, um den CO2-Ausstoss zu senken.

Marion Wannemacher
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Saskia Küchler aus der Klasse 5b schreibt für ihre Gruppe einen Slogan an die Tafel. (Bild: Dominik Wunderli, Sarnen, 20. März 2019)

Saskia Küchler aus der Klasse 5b schreibt für ihre Gruppe einen Slogan an die Tafel. (Bild: Dominik Wunderli, Sarnen, 20. März 2019)

«Wir haben die Chance, heute mit einem guten Beispiel voranzugehen. Man kann auch im Kleinen etwas bewirken», sagt Rektor Patrick Meile. Aus aktuellem Anlass hat er den traditionellen Frühjahrsevent dem Thema Klimawandel gewidmet und die Stiftung «Myclimate» eingeladen. Eindrücklich führen Lara Kubli und Franziska Steinberger ins Thema ein.

Dass Schüler während des Unterrichts für Klimastreiks auf die Strasse gingen, müsse er zwar als Rektor sanktionieren, findet Meile, räumt jedoch ein: «Ich bin aber auch gefordert, andere Möglichkeiten zu finden, um dem Thema Platz zu schaffen.» Nele Zehne aus der Klasse 5a gehört zu den Klimastreikern. Sie ging zum ersten Mal am 18. Januar auf die Strasse. An einem Freitag, während des Unterrichts. «Ich kam in der Tagesschau und war auf einem Bild der Luzerner Zeitung.»

Statt mit dem Flugzeug mit dem Zug nach Budapest

Der Rektor suchte mit ihr das Gespräch. Beide einigten sich darauf, dass sie für ihre Absenz bei der Organisation des Frühjahrsevents helfen würde. Und nicht nur das: Der Rektor bestand ausserdem darauf, dass ihre Klasse die Pläne für die Maturareise überdenken solle. «Wir werden nun nicht mit dem Flugzeug nach Budapest fliegen, sondern fahren mit dem Zug», erzählt die Fünftklässlerin. Sie selbst habe sich durch das Vorbild der 16-jährigen Greta Thunberg berührt gefühlt, erzählt sie. Allein am vergangenen Freitag seien in Luzern 1500 Leute auf die Strasse gegangen. Sie selbst habe eine Rede gehalten, alle seien so motiviert. «Ich bin mega stolz auf uns und alle Leute. Das war bis jetzt die beste Erfahrung, die ich gemacht habe», sagt sie. Die Ziele der jungen Umweltaktivisten formuliert Nele so: «Die Politik muss etwas unternehmen. Es muss attraktiv werden, klimagünstig zu handlen, klimaschädigendes Handeln dagegen muss teuer werden. Staaten und Banken müssen Rechenschaft darüber ablegen, wie sie von der Klimaschädigung profitiert haben», postuliert sie.

Die beiden Stiftungsmitarbeiterinnen zeigen anhand von Diagrammen und plastischen Beispielen, dass es später als fünf vor zwölf ist, dass es gilt, die weltweite Klimaerwärmung um 1,5 Grad nicht zu überschreiten, um dramatische Folgen zu verhindern.

Wie viel von der Thematik bereits in den Köpfen der Schüler verankert ist, zeigt ein Quiz, an dem sie live übers Smartphone mitmachen. Balkendiagramme zeigen die von den Gymnasiasten ausgewählten Antworten am Beamer. Wie viel mal weiter kommt man mit einer Tonne CO2 mit dem Zug als mit dem Auto? Die richtige Antwort lautet 25 Mal. 68 Prozent wissen es.

Die anschliessenden Workshops werden von Sechstklässlern geleitet. Myrta Ettlin fragt in ihrer Gruppe nach schädigendem Konsumverhalten. Schnell landet man beim Thema Internetbestellungen aus dem Ausland, Ramsch-Kleiderproduktionen in Drittweltländern und Masslosigkeit. Myrta ist überzeugt, dass der Event etwas bringen wird: «Es ist schön zu sehen, dass die Forderungen der Jugendlichen Gehör finden in der eigenen Schule.» Ein paar Räume weiter brütet Enrique Abächerlis Gruppe über einen Slogan für das eigene Projekt: «If we continue flying, nature will be dying», lautet der gemeinsame Konsens.

Fleischfreie Tage und Verzicht auf PET-Flaschen

Und die Lehrer? Auch sie reden sich die Köpfe heiss. Sarah Käser, Leiterin der einen Gruppe, hängt gerade die Wandzeitung ihres Teams auf. «Wir schlagen fleischfreie Tage in der Mensa und den Verzicht auf PET-Flaschen vor. Am meisten Auswirkungen hätten allerdings die Maturareisen, findet sie. Das sei allerdings auch eine Frage der zur Verfügung stehenden Beträge. «Man muss dann einfach überlegen, welche Ziele man anfahren kann.» Ihre Gruppe hat sich vorgenommen, mit den Schülern und der Schulleitung im Gespräch zu bleiben. Patrick Meile hat bereits vor den Workshops versprochen: «Wir werden an den Themen dran bleiben, zumindest an denen, die sich realistisch umsetzen lassen.»