Kolumne

Schon wieder Freitag, der 13.

Karl Tschopp schreibt in seinem «Ich meinti» über Traditionen und Aberglauben.

Karl Tschopp
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Auch das noch! Dieses Thema habe ich bereits am 13. Mai 2005 behandelt. Aber da es schon etwas lange her ist, darf man es nochmals etwas beleuchten. Diesmal liegt der «schwarze» Tag mitten im Advent. Den abergläubischen Menschen ist das sicher egal, denn Aberglaube kennt kein Hindernis, nicht einmal die Adventszeit. Sie kennen das sicher: Die schwarze Katze von links, dann droht Ärger; wer mit dem linken Fuss aufsteht, dem droht Unheil; wer Salz verschüttet, holt Streit ins Haus; wer unter einer Leiter hindurchgeht, fordert das Schicksal heraus und Freitag, der 13. ist ein Unglückstag, weil die Zahl 13 eben eine Unglückszahl ist.

Der Dezember ist von persönlichen Ritualen geprägt. Wir pflegen Traditionen, sei es, indem wir jeden Tag ein Fensterchen im Adventskalender öffnen, jede Woche eine weitere Adventskerze anzünden, oder den Christbaum vorbereiten, damit er bald prächtig strahlt und alle Kinderherzen erfreut. Was uns selber aus eigener Kindheit in Erinnerung geblieben ist, geben und pflegen wir weiter. Es ist die Zeit, die Anlass gibt, Geschenke vorzubereiten, Weihnachtsguetsli zu backen, Vorsätze zu formulieren, Freunde zu sehen oder mit alten Bekannten noch im alten Jahr in Kontakt zu treten. Die Vorfreude auf Weihnachten steigt also täglich.

Traditionen und Aberglauben um die Weihnachtszeit liegen hingegen nicht weit auseinander. Gar nicht besinnlich und schön fanden vor langer Zeit die Menschen auf dem Lande die Adventszeit. Sie erlebten diese Zeit eher als unheimlich und furchterregend. Die Raunächte standen nämlich bevor, die Nächte also mit bösen Geistern und Dämonen, die Mensch und Tier Unheil brachten. Diese uralten Ängste waren und sind heute noch geprägt vom Aberglauben. Aberglaube sei Unsinn, total unlogisch und unbegründet, so die eine Seite, die andere Seite räuchert lieber Stall und Haus aus, man weiss ja nie. Der Aberglaube ist umso stärker, je weniger die Menschen das Gefühl haben, dass sie ihr Schicksal selbst beeinflussen können.

Ich meinti, so kurz vor Weihnachten interessiert in diesem Zusammenhang doch noch eine Frage: Bringt es Unglück, wenn man die Kerzen am Adventskranz zu früh anzündet? Die Antworten darauf sind sehr unterschiedlich. Das sei alles Quatsch, purer Aberglaube, der aber schon seit Generationen anhält. Es werde halt einfach anders gemacht, indem man jeden Adventssonntag eine neue Kerze anzündet, bis alle vier brennen. Andere sagen klar, es bringe Unglück; wir feiern doch mit dem Advent die Vorfreude auf Jesu Geburt, und der habe uns schliesslich vom Aberglauben frei gemacht. Von locker bis streng gläubig also die Meinungen dazu.

Wichtig ist heute einzig, dass wir keine Gabel fallen lassen, denn dann bekommt man ungebetenen Besuch: Vielleicht die Schwiegermutter?