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SCHULE: Wanderausstellung gegen sexuelle Gewalt macht Halt in Stans

Nidwaldner Schüler nähern sich an einer Wanderausstellung auf spielerische Art einem heiklen Thema. Sie lernen etwa, dass sie Nein sagen können, wenn ihnen Berührungen oder Gefühle unangenehm sind.
Matthias Piazza
Schulpsychologe Niklaus Oberholzer behandelt mit Schülern das Thema sexuelle Gewalt am interaktiven Parcours «Mein Körper gehört mir». Bild: Matthias Piazza (Stans, 28. März 2017)

Schulpsychologe Niklaus Oberholzer behandelt mit Schülern das Thema sexuelle Gewalt am interaktiven Parcours «Mein Körper gehört mir». Bild: Matthias Piazza (Stans, 28. März 2017)

Matthias Piazza

matthias.piazza@nidwaldnerzeitung.ch

Auf der orangen Wand in der Schul- und Gemeindebibliothek Stans ist die Silhouette eines Knaben abgebildet. Im Halbkreis sitzen ein Dutzend Buben einer Wolfenschiesser Primarschule davor. Zusammen mit dem Schulpsychologen Niklaus Oberholzer benennen sie Körperteile, indem sie die beschrifteten Täfelchen an der richtigen Stelle auf der Zeichnung platzieren. Dabei werden auch die Geschlechtsteile nicht ausgelassen, sondern eben beim Namen benannt. Niklaus Oberholzer diskutiert mit den Schülern, wo und von wem sie gerne beziehungsweise nicht gerne berührt werden. «Niemand hat das Recht, dich zu berühren, wenn du das nicht willst – nicht am Kopf, nicht an den Beinen, nicht an den Geschlechtsteilen», betont er.

An der richtigen Stelle Grenzen zu ziehen, darum geht es auch an den übrigen Posten. Beim Öffnen von Klappen offenbaren sich verschiedene Situationen im Haus, mit der Aufforderung: «Entscheide, welche Situationen dir gefallen und welche nicht.» Als der Bruder von seiner Schwester verlangt, ein Stück zur Seite zu rutschen, damit er sich zu ihr ins Bett legen kann, quittiert die Runde die Situation mit einem Symbol in Form eines weinenden Gesichts.

Einig ist man sich auch bei der nächsten Situation. «Geh raus, du störst», fordert der Junge auf der Illustration seine Mutter auf, die gerade das Bad betreten will, während er duscht. Er hat richtig reagiert, bestärkt Niklaus Oberholzer die Kinder in ihrer Vermutung. Doch es bleibt nicht nur beim Lesen und Schauen. Auch über das Berühren von versteckten Gegenständen nimmt man sich dem Thema an. Unangenehme und komische Berührungen sagen einem, dass etwas nicht stimmt. An einem weiteren Posten stellen die Schüler den Schalter – je nach Antwort – auf Ja oder Nein. Bejaht werden etwa Aussagen wie «Du darfst Nein sagen, wenn du eine Berührung nicht magst» oder «Deine Eltern müssen wissen, wo du dich aufhältst». Es geht auch um Geheimnisse – um gute und um schlechte.

«Mein Körper gehört nur mir allein»

Von einem sehr lehrreichen Vormittag spricht Schüler Jann Amstutz (10). «Ich bin froh, dass es diesen Parcours gibt.» Seine wichtigste Erkenntnis: «Mein Körper gehört nur mir allein.» Und Ivan Zumbühl ergänzt: «Ich darf ‹Stopp› sagen, wenn mir etwas nicht passt.» Sämtliche 44 Klassen der dritten und vierten Primarstufe in Nidwalden sowie die Oberstufenklassen der Heilpädagogischen Schule besuchen noch bis am 7. April die Wanderausstellung «Mein Körper gehört mir», die durch 19 Kantone tourt und zum Ziel hat, die sexuelle Gewalt zu enttabuisieren.

Niklaus Oberholzer zieht eine positive Zwischenbilanz: «Den Kindern macht es Spass, sie können ihre Gefühle gut einschätzen.» Grenzen zu ziehen und sich bei Bedarf zu melden und Hilfe zu holen: Dies erachtet der Kinder- und Jugendpsychologe als zentralen Punkt des interaktiven Parcours der Stiftung Kinderschutz Schweiz. «Täter kommen bei Kindern dieses Alters häufig aus dem familiären Umfeld und versuchen, das junge Opfer einzuschüchtern, damit es den Übergriff für sich behält. Dem versuchen wir vorzubeugen.»

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