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Schwerer Fall – Nidwaldner Gericht will Opfer schützen

Am Dienstag wird vor Gericht ein besonders tragischer Fall verhandelt – unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Der mutmassliche Täter wird mit massiven Vorwürfen belastet: Vergewaltigung, versuchte vorsätzliche Tötung, Hausfriedensbruch und vieles mehr.
Oliver Mattmann
Ein Gerichtssaal im Rathaus Stans. (Bild: Markus von Rotz)

Ein Gerichtssaal im Rathaus Stans. (Bild: Markus von Rotz)

Es ist ein happiger Fall, der am Dienstag vor Kantonsgericht verhandelt wird. Und ein Delikt, das in Nidwalden – zum Glück – sehr selten vorkommen dürfte. Allein der Antrag der Staatsanwaltschaft gegen den mutmasslichen Täter weist auf die aussergewöhnliche Dimension hin: zehn Jahre Gefängnis ohne Bewährung. Er habe sich der versuchten vorsätzlichen Tötung, des versuchten strafbaren Schwangerschaftsabbruchs, der qualifizierten Vergewaltigung, der Freiheitsberaubung, der mehrfachen Drohung, des mehrfachen Hausfriedensbruch sowie der Tätlichkeiten schuldig gemacht, steht im Antrag.

Staatsanwältin Carmen Lingg hat «vorgesorgt», sollte das Gericht den Sachverhalt grundsätzlich anerkennen, diesen rechtlich aber anders qualifizieren. Dann klagt sie statt der versuchten vorsätzlichen Tötung sowie des versuchten strafbaren Schwangerschaftsabbruchs auf Gefährdung des Lebens. Das von ihr beantragte Strafmass für dieses Szenario: sieben Jahre Freiheitsentzug. Mehr ist zu diesem Fall nicht bekannt – und wird es vorderhand auch nicht, denn die Gerichtsverhandlung findet unter Ausschluss von Publikum und Medien statt. Und mit Ausnahme der im Internet aufgeschalteten Anträge der Staatsanwaltschaft, in denen auch zu lesen ist, dass der Beschuldigte 202 Tage in Untersuchungshaft gesessen hat, gibt das Kantonsgericht auf Anfrage keine weiteren Informationen preis.

Hürde für «geheime» Verhandlung ist hoch

Nicht öffentliche Verhandlungen sind eher eine Seltenheit, wie Kantonsgerichtspräsident und Verfahrensleiter Marcus Schenker generell gegenüber unserer Zeitung sagt. Im Gegensatz zu früher, als das Opferhilfegesetz in bestimmten Fällen zwingend den Ausschluss der Öffentlichkeit vorsah, gelten heute grundsätzlich alle Gerichtsverhandlungen als öffentlich. Auf Antrag prüfe das Gericht indes, ob schutzwürdige Interessen einer beteiligten Person, insbesondere des Opfers, vorliegen und diese höher zu gewichten sind als die Interessen der Öffentlichkeit, so Schenker. Diese Hürde sei gemäss diversen Bundesgerichtsurteilen zu diesem Thema relativ hoch.

«Dem Opferschutz ist vor allem dann Vorrang einzuräumen, wenn vor Gericht schwergewichtig besonders intime Details thematisiert werden, deren Bekanntgabe an die Öffentlichkeit für die Betroffenen äusserst belastend und potenziell traumatisierend sein könnte», ergänzt der Kantonsgerichtspräsident, ohne auf den konkreten Fall einzugehen. Aufgrund der mutmasslichen Tatbestände ist aber davon auszugehen, dass genau das an der heutigen Verhandlung eintrifft und das Opfer ein Gesuch eingereicht hat, die Öffentlichkeit davon auszuschliessen.

Tatschwerpunkt liegt in Nidwalden

In welchem Jahr sich der Fall zugetragen hat, über welche Zeitspanne und in welcher Beziehung die mutmasslichen Opfer und Täter standen, bleibt also vorerst unterm Deckel. Marcus Schenker hat aber angekündigt, dass das Urteil öffentlich zugänglich sein wird. Ausgehend davon, dass zumindest eine Partei ein schriftlich begründetes Urteil verlangen wird, dürfte auch mehr zu den vorhin erwähnten Fragen in Erfahrung gebracht werden.

Ausserdem ist sehr naheliegend, dass sich die vermeintliche Tragödie vorwiegend in Nidwalden abgespielt hat. Denn grundsätzlich sind gemäss Strafprozessordnung für die Verfolgung und Beurteilung einer Straftat die Behörden und Gerichte des Ortes zuständig, an dem die Tat verübt wurde. Dies schliesse indes nicht aus, dass ein Teil der Taten anderswo begangen wurde, sagt Marcus Schenker auf Nachfrage.

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