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SCHWYZ / NIDWALDEN: Mick Baumgartner ist Kapitän der Fähre zwischen Gersau und Beckenried

Mick Baumgartner ist seit über einem Jahrzehnt der «Fährimaa» auf dem Vierwaldstättersee und pachtet ab 24. März die Fähre auch. Der 58-Jährige erzählt, warum er sich noch ein eigenes Schiff geleistet hat.
Roger Rüegger
«2004 spontan gekauft»: Mick Baumgartner vor seinem Ausflugsschiff Aurora. (Bild: Pius Amrein (Hertenstein, 15. Februar 2018))

«2004 spontan gekauft»: Mick Baumgartner vor seinem Ausflugsschiff Aurora. (Bild: Pius Amrein (Hertenstein, 15. Februar 2018))

Mick Baumgartner, Sie sind Kapitän der Fähre auf dem Vierwaldstättersee. Ich ge­stehe, dass ich noch nie auf der «Tellsprung» mitgefahren bin. Ich hatte sie nicht einmal auf dem Radar, wenn ich ehrlich bin. Eine Schande, nicht?

Gar nicht. Es ist erstaunlich, wie viele Luzerner die Fähre nicht kennen.

Haben Sie von dieser Autofähre vor Ihrer Zeit als «Fährimaa» gewusst?

Natürlich wusste ich von der Fähre. Ich glaube, dass nicht viele den See so gut kennen wie ich.

Lehnen Sie sich da nicht etwas weit über die Reling?

Mit meinem Vater war ich jede freie Minute auf dem See. Das sind 60 Jahre.

Sie sind 58.

Eben, fast 60 Jahre.

Wollte schon der kleine Mick Kapitän werden?

Tatsächlich träumte ich schon als Bub davon.

Als der Traum real wurde, waren Sie bereits 41. Was ist dazwischengekommen?

Wenn Sie so wollen, eine Familie. Wir hatten früh Kinder. Inzwischen sind es vier und ein Grosskind. Als junger Familienvater denkt man nicht als Erstes daran, ein Schiff zu kaufen und Fahrten auf dem See anzubieten.

Wieso kaufen? Die Fähre haben Sie doch gepachtet?

Die Fähre schon. Die «Aurora», ein Passagierboot für 60 Personen, habe ich aber 2004 spon­- tan gekauft – als meine Kinder draussen waren. Das Ausflugsschiff betreibe ich das ganze Jahr. Ausser wenn ich zum Fährdienst eingeteilt bin.

Sie sind der Besitzer des Bootes, auf dem wir uns jetzt befinden. Was ist denn nun Ihre Haupttätigkeit? Mit der Fähre überzusetzen oder Gesellschaften auf der «Aurora» zu transportieren?

Schifflifahren.

Beneidenswert. Obwohl Sie als Pächter der Fähre und in diesem Fall auch als Besitzer der «Aurora» ein finanzielles Risiko eingehen, da beide Betriebe wetterabhängig sind.

Der Vierwaldstättersee ist einer der schönsten Seen der Welt, darüber müssen wir nicht diskutieren. Ein Arbeitsplatz auf diesem zu haben, ist Teil des Gewinns. Mich fragen viele Leute: «Was machst du eigentlich?» Die kommen auf mein Schiff, bezahlen mich und fragen, was ich arbeite.

Bevor Sie Kapitän auf dem See wurden, haben Sie Ihre Familie als selbstständiger Lastwagenfahrer unterhalten.

Ja, ich konnte mit einigen Kolleginnen und Kollegen einen Betrieb aufbauen, der 22 Jahre Bestand hatte.

Dabei sind Sie ausgebildeter Lehrer. Ein nicht ganz gewöhnlicher Lebenslauf.

Das Lehrerseminar habe ich abgeschlossen, aber ich fühlte mich damals für das Unterrichten noch zu wenig reif. Viel lieber wollte ich mir beim Arbeiten die Hände schmutzig machen, weshalb ich noch eine Lehre als Automechaniker absolvierte. Als Lehrer unterrichtete ich erst viel später, jedoch nur für sechs Monate. Und auch als Automechaniker war ich kaum tätig.

Waren diese Ausbildungen also ein Schuss ins Nichts?

Auf keinen Fall. Die haben mir viel später zur Schifffahrt ver­holfen. Dazu kam ich durch ein Sozialprojekt mit Schulklassen und Stellenlosen auf dem Gastschiff Yellow auf dem Zugersee. Als Lehrer und Automechaniker und dem Abschluss als Sozialarbeiter, den ich im Jahr 2000 auch noch machte, brachte ich ideale Voraussetzungen dafür mit. Diese Form von Zusammenarbeit mit Menschen und technisches Verständnis für die Maschine waren genau mein Ding.

Die Technik interessiert Sie offenbar sehr. Sie sagen, dass die «Aurora» das erste Hybrid-Schiff der Schweiz ist. Ist Ihnen das wichtig?

Schon. Am liebsten wäre mir ein Elektroantrieb mit Sonnenenergie. Aber die Kapazitäten der Batterien sind dafür zu gering.

Am 24. März gehen Sie in die erste Saison als selbstständiger «Fährimaa». Sie sagen, dass viele Leute nicht wissen, dass eine Fähre auf dem See betrieben wird. Wer lässt sich denn übersetzen?

Hauptsächlich Ausflügler wie Motorradfahrer, die nicht durch den Seelisbergtunnel fahren mögen. Auch Oldtimer, Velofahrer oder Autofahrer, die ganz bewusst diese Strecke wählen.

Ausflügler? Dann behaupte ich etwas provokativ, dass es die Fähre gar nicht braucht!

Der See braucht tatsächlich keine Schiffe. Die Menschen sind aber sehr wohl auf Schiffe und Fähren angewiesen, wenn sie Gewässer überqueren wollen. In Gersau und Beckenried besonders.

Erzählen Sie diese Geschichte dem «Fährimaa».

Der musste ja kommen. Aber der Spruch gefällt mir. Dem «Fährimaa» wird in der Tat viel erzählt.

Was hat es auf sich damit?

Vermutlich haben die Reisenden dem Fährmann früher all ihre Geschichten erzählt. Er musste zuhören, denn er konnte ja nicht weg. Vielleicht war diese Form der Newsübertragung Ursprung der Zeitungen. Fährschiffe und News sind praktisch untrennbar.

Und wie gefällt Ihnen der Song «Don’t pay the Ferryman» von Chris de Burgh?

Gut, aber schreiben Sie das ja nicht, sonst kommen die Leute noch auf die Idee, uns nicht mehr zu bezahlen.

Interview: Roger Rüegger

roger.rueegger@luzernerzeitung.ch

Hinweis

Infos über Mick Baumgartners Schifffahrten finden Sie unter www.autofaehre.ch und www.schulschiff.ch.

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