«Seeklang» in Hergiswil
Ein Livekonzert wie ein Befreiungsschlag

Die jeweils 50 Plätze für die Seeklang-Konzerte vom Samstag und Sonntag in der Hergiswiler Aula Grossmatt waren im Vorfeld schnell vergeben gewesen. Und das Onyx-Trio begeisterte die Besucher denn auch vollends.

Gerda Neunhoeffer
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Das Onyx-Trio verzauberte die Zuhörerinnen und Zuhörer der Seeklang-Konzerte in Hergiswil am Samstag und Sonntag.

Das Onyx-Trio verzauberte die Zuhörerinnen und Zuhörer der Seeklang-Konzerte in Hergiswil am Samstag und Sonntag.

Bild: PD

Die fünfte Saison «Seeklang» konnte nach einigen pandemiebedingten Verschiebungen endlich eröffnet werden. Christoph Heeb von der Kulturkommission Hergiswil schilderte zu Beginn, wie schwierig die Situation für freischaffende Künstler in den letzten Monaten war. Ohne Verdienstmöglichkeiten, ohne Auftritte, ohne Perspektive. Nur durch grosszügige Spenden konnte die Situation für junge Musiker gut überwunden werden. Dafür dankte er herzlich.

Der Geiger Jesper Gasseling, der in Hergiswil aufgewachsen ist und kürzlich sein Solistenexamen (Artist Diploma) in London mit Auszeichnung abgeschlossen hat, initiierte die Seeklang-Konzerte vor einigen Jahren. Unter dem Motto «Jesper Gesseling & Friends» gestaltete er jedes Jahr Konzerte, die immer grossen Anklang fanden. Und Gasseling gründete letztes Jahr zusätzlich das mehrtägige Seeklang-Festival. Nun endlich wieder «back on stage», nach langem Üben nur im stillen Kämmerlein, war es wie ein Befreiungsschlag, wieder vor Publikum spielen zu dürfen.

Das Onyx-Trio mit Jesper Gasseling, der Cellistin Elodie Théry und Marija Bokor am Klavier war letzten Dezember im Orchesterhaus des Luzerner Sinfonieorchesters zu hören gewesen und hatte überzeugt. Kurz danach wurden landesweit alle Konzerte abgesagt. Verbot, Stille, Musik im Winterschlaf. Und nun: Wie Phönix aus der Asche erhoben sich die ersten Töne der «Trois Nocturnes» von Ernest Bloch aus dem langen Schlummer. Langsames Schreiten im Klavier, klagende, suchende Melodien der Streicher, düster, fast bedrohlich. Dann lichte Klangfarben, tröstlich, sich immer mehr steigernd. Die drei jungen Musiker geben sich ganz der lieblichen Stimmung hin, um dann im dritten «Nocturne» wild durch die heftigen Synkopen zu stürmen.

«Bleiben Sie zu Hause und komponieren Sie!»

Wolfgang Amadeus Mozart hat sich einmal in einen selbst gewählten Lockdown begeben, um ungestört zu arbeiten. In dieser Zeit entstand auch das Klaviertrio C-Dur KV 548. Dazu sagt Jesper Gasseling: «Bleiben Sie zu Hause und komponieren Sie – wenn Sie Mozart sind!» Dann wird man in die Klangwelt Mozarts hineingenommen. Wie Opernfiguren agieren die drei Instrumente, spielen sich zärtliche Melodien zu, korrespondieren in schwelgenden Kantilenen. Man lauscht den samtenen Tönen in Geige und Cello, lässt sich durch klare Klaviertriller und gestochen scharfe Läufe verzaubern.

Johannes Brahms hat sein erstes Klaviertrio Nr. 1 H-Dur op. 8 nach vielen Jahren total umgearbeitet, es wird meist in der späteren Fassung aufgeführt. So auch vom Onyx-Trio. Mit süffigem Ton und leidenschaftlichem Ausdruck interpretieren Gasseling und Théry die tiefgründigen Themen. Marija Bokor spielt den orchestralen Klavierpart so durchsichtig, dass sie immer auf die Streicher hören kann. Wie dann Geige und Cello von dunklen, fast gläsern wirkenden Klangfarben in spielerisch hingetupfte Staccatotöne wechseln, das ist meisterhaft. Durch das Scherzo scheinen flirrende Geister aus Mendelssohns Sommernachtstraum zu taumeln. Sie bereiten den Weg zu den romantischen Elegien im Adagio. Da spielen die Streicher mit unglaublicher Dichte, sie kosten jeden Ton sinnlich aus. Die Pianistin legt einen farbig schimmernden Klangteppich unter die Melodien. Sie malen zu dritt ein traumhaftes Gemälde, das sich im Finale nochmals verdichtet. Das Publikum ist hingerissen.