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SEEROSE: Schurter ist selber überrascht

Die Rede von SGV-Verwaltungsratspräsident Hans-Rudolf Schurter hatte es in sich. Er löste bei einigen Gästen erboste Reaktionen aus. Alles nur eine Frage der Perspektive?
Hans-Rudolf Schurter bei seiner Rede auf der Seerose. (Bild: Oliver Mattmann / Neue NZ)

Hans-Rudolf Schurter bei seiner Rede auf der Seerose. (Bild: Oliver Mattmann / Neue NZ)

Oliver Mattmann

«200 Jahre Gastfreundschaft aus Sicht der Schifffahrtsgesellschaft Vierwaldstättersee»: Unter diesem Titel hatten Volkswirtschaftsdirektion und Wirtschaftsförderung beim offiziellen Empfang auf der Gästival-Seerose in Stansstad die Rede von SGV-Verwaltungsratspräsident Hans-Rudolf Schurter angekündigt. Doch nach dessen Ausführungen konnte man in den Reihen der geladenen Behördenvertreter, Sponsoren und Gäste in manch verdutztes Gesicht blicken (Ausgabe vom Samstag). Schurter hatte sich mit mehreren Aussagen über Nidwalden ziemlich weit aus dem Fenster gelehnt (siehe Kasten rechts). Der Buochser SVP-Landrat Albert Frank erzählte hinterher unserer Zeitung: «Mein Sitznachbar, ein grosser Sponsor, zeigte mir die Einladung und sagte: ‹Ich verstehe unter Gastfreundschaft etwas ganz anderes›.»

Ausführungen waren «deplatziert»

Nicht nur sie hatten Mühe mit Schurters Auftritt. Dessen Rede war hinterher beim Apéro das Gesprächsthema. «Ich sprach mit vielen anderen Zuhörern», so Frank. «Sie bestätigten mein Empfinden.» Wenn man vor so vielen Nidwaldner Volksvertretern spreche, sei eine Abreibung gegenüber den Politikern, Sponsoren und Gästen fehl am Platz.

Sein Fett weg bekam auch das im Bau befindliche Bürgenstock-Resort. FDP-Vizepräsident German Grüniger, seines Zeichens Verwaltungsrat der Bürgenstock Hotels AG, liess dies nicht auf sich sitzen und knöpfte sich Hans-Rudolf Schurter nach Ende des offiziellen Teils vor. «Ich habe ihn mit der Frage konfrontiert, wie er zu diesen Aussagen kommt. Eine Antwort habe ich keine erhalten», erzählt Grüniger gegenüber unserer Zeitung. Schurters Ausführungen zum Resort seien deplatziert gewesen, enerviert er sich. «Sie zeugen von wenig Kenntnis über die tatsächlichen Gegebenheiten.» Für Grüniger ist die Sache noch nicht vom Tisch. Er werde die SGV-Verantwortlichen bei der nächsten Verhandlung über eine mögliche Erschliessung des Resorts via See darauf ansprechen.

Wer austeilt, muss auch einstecken

Der frühere Nidwaldner Regierungsrat Gerhard Odermatt bestätigt ebenfalls, dass viele Zuhörer nach der Rede aufgebracht gewesen sind. Auch er widerspricht den Aussagen Schurters, wonach er die Leute an der damaligen Sitzung zum Schiffsfahrplan (siehe Kasten) nach Hause geschickt habe. «Ich habe die Sitzung nicht abgebrochen. Das würde ich nie machen.» Ebenso habe er während seiner Aktivzeit als Regierungsrat nichts davon mitbekommen, dass das Verhältnis der SGV zu Nidwalden offenbar schwieriger sei als zu anderen Kantonen, wie Schurter ebenfalls erwähnte.

Überrascht über die vielen kritischen Worte zu Nidwalden zeigte sich auch Gastgeberin Diana Hartz, Leiterin der Wirtschaftsförderung. Sie habe nach dem Vorgespräch mit Schurter einen etwas anderen Inhalt seiner Rede erwartet. «Aber selbstverständlich darf er sagen, was er will.» Doch so, wie man in den Wald rufe, schalle es auch wieder heraus. «Dies musste er am eigenen Leib erfahren», spielte sie auf die teils erbosten Reaktionen aus dem Publikum an. Sie geht aber davon aus, dass der SGV-Verwaltungsratspräsident das Ganze sportlich genommen hat. Wer austeile, müsse auch einstecken können.

«Habe niemanden beleidigt»

Dies könne er zweifellos, bestätigt Hans-Rudolf Schurter auf Anfrage unserer Zeitung. «Dennoch haben mich die Reaktionen beschäftigt. Sie sind stärker ausgefallen, als ich erwartet habe.» Vielleicht habe er gewisse Befindlichkeiten, die in Nidwalden vorherrschen, unterschätzt. «Ich habe aber niemanden persönlich beleidigt.» Handkehrum fühle er sich teils auch missverstanden. Er sei überhaupt nicht gegen den Bürgenstock. Im Gegenteil: Die SGV begrüsse die Aktivitäten für das Resort. Dies habe er in seiner Rede betont. Auch habe er erwähnt, dass sich punkto Verhältnis zu Nidwalden «die Situation in den vergangenen zwei Jahren entschärft hat». Auch weil die Schiffsgäste gemerkt hätten, dass Beckenried mit dem Taktfahrplan besser eingebunden ist als vorher, selbst wenn die Ennetbürger und Buochser dafür öfters zuerst das Postauto nehmen müssen. «Reklamationen deswegen gibt es heute praktisch keine mehr.»

Seine Rede auf der Seerose dürfte ihm trotzdem unfreiwillig in spezieller Erinnerung bleiben. Schurter sagt aber auch: «Nicht alle haben meine Worte so dramatisch aufgefasst.» Er habe sich hinterher mit erfahrenen Politikern unterhalten. «Sie sagten mir: ‹Mach dir deswegen keine Gedanken›.»

Auszüge aus der Rede von Schurter

Mit solchen und anderen Aussagen konfrontierte Hans-Rudolf Schurter die Zuhörer:
-«Das Bild, das die Nidwaldner von der SGV erhalten, ist in letzter Zeit leider geprägt von Leserbriefen und Artikeln, die sich nicht gerade streng an die Fakten halten.»
-«Im Zuge der Einführung des Taktfahrplans erhielten wir vom Regierungsrat ein Aufgebot zu einem Gespräch. Nach einem Einführungsreferat unseres Präsidenten zeigte sich, dass die Beckenrieder total begeistert und die Buochser abgrundtief enttäuscht waren. Die Diskussionen zwischen Buochs und Beckenried wurden immer emotionaler, wir kamen nicht mehr zu Wort, und der Regierungsrat verfügte deshalb den Abbruch der Diskussion.»
-«Die Verkehrs-Infrastruktur bei der Landestelle Buochs ist im besten Fall suboptimal.»
-«Beim Projekt für das Bürgenstock-Resort ist es bereits zu vielen Verzögerungen gekommen. Weitere dürfte es nicht mehr geben. Dies würde eine erfolgreiche Zukunft des Resorts aufs Spiel setzen.»

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