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Selbstbewusste Innerschweizer Literaten feiern in Stans Jubiläum

Innerschweizer Schriftsteller blickten im Literaturhaus Lit.z in Stans auf 75 Jahre Geschichte zurück. Neben Mario Andreotti und vier Präsidenten beleuchteten zahlreiche Mitglieder Mentalitäten der heimischen Literatur.
Romano Cuonz
Ein wohl eher seltenes Aufeinandertreffen. Der aktuelle ISSV-Präsident Daniel Annen (von rechts) im Gespräch mit gleich drei seiner Vorgänger: Andreas Iten, Dominik Brun und Franz Felix Züsli. (Bild: Romano Cuonz (Stans, 16. November 2018))

Ein wohl eher seltenes Aufeinandertreffen. Der aktuelle ISSV-Präsident Daniel Annen (von rechts) im Gespräch mit gleich drei seiner Vorgänger: Andreas Iten, Dominik Brun und Franz Felix Züsli. (Bild: Romano Cuonz (Stans, 16. November 2018))

«Die Literaturlandschaft der Innerschweiz ist von der Geschichtsschreibung über Jahrhunderte kaum zur Kenntnis genommen worden», postulierte Germanist Mario Andreotti in seinem Impulsreferat zur Jubiläumstagung des Innerschweizer Schriftstellerinnen- und Schriftstellervereins (ISSV) in Stans. Diese Ignoranz habe einen Zusammenhang mit zwei sich ergänzenden Phänomenen der Innerschweizer Literatur gehabt: mit einem ausgeprägten konservativen Trend und mit der ebenso starken katholisch-kirchlichen Ausrichtung der allermeisten Innerschweizer Autoren. Die hätte sich schon 1943 bei der Gründung des Vereins gezeigt – und sei bis gegen Ende der Siebzigerjahre auch so geblieben.

Dann aber sei erstmals frischer Wind aufgekommen: Weg vom konfessionell konservativen Trend hin zu kritischen progressiveren Stimmen. Andreotti wörtlich: «Federführend war dabei der weit über die Innerschweiz hinaus bekannte Obwaldner Radiomann und Poet Julian Dillier, der fraglos zu den besten Schweizer Mundartautoren seiner Zeit gehörte.» Auch die Prosaromane «Bewerbung eines Igels» von Martin Stadler und «Notlandung im Entlebuch» von Dominik Brun, so betonte Andreotti, seien Initialzündungen für die neuen Tendenzen in der Innerschweizer Erzählprosa gewesen. «Mit ihnen und einer Reihe anderer Werke hat die Literatur der Innerschweiz den Anschluss an die literarische Moderne geschafft», attestierte Andreotti.

Kritische Stimmen wurden überhört

Etwas sorgte an der Jubiläumstagung im Literaturhaus Lit.z für Erstaunen: Neben dem aktuellen Präsidenten Daniel Annen kamen gleich alle weiteren noch lebenden Ex-Vereinspräsidenten zu persönlichen Rückblicken. Der Engelberger Dominik Brun zeigte auf, wie ein Lexikon 1977 – entstanden unter dem Priester Bruno Stefan Scherer – noch recht einseitig auf den geistlichen Stand ausgerichtet gewesen war. Wie man kritische Stimmen – etwa von Hans Küng oder Kuno Räber – geflissentlich überhörte. Dies, so Brun, habe sich dann aber von Anthologie zu Anthologie, von Lexikon zu Lexikon mehr und mehr geändert. Immer öfter sei nun offen über eigene und fremde Texte und stets auch Qualität gesprochen worden.

Franz Felix Züsli zeigte auf, wie der ISSV in den Achtzigerjahren innerhalb und ausserhalb der Zentralschweiz Lesungen organisierte: unvergesslich etwa die «Reise um den Napf!». Andreas Iten wies darauf hin, wie während seiner Präsidialjahre – nun schon am Anfang des 21. Jahrhunderts – Netzwerkarbeit geleistet wurde. Etwa mit Kulturabteilungen der Kantone. Oder wie – um nur zwei Beispiele von vielen zu nennen – die für die Literatur so wichtigen und erfolgreichen Literaturtage zuerst in Willisau und später auf der Rigi initiiert wurden. Auf Itens Initiative hin erschien auch das bis heute gültige Standardwerk «Literarische Innerschweiz» mit Porträts und Leseproben, herausgegeben von der Albert Koechlin Stiftung.

Pirmin Meyer öffnete Schatzkiste

Daniel Annen hatte für die Tagung ein ambitiöses Ziel gesetzt: Er liess gleich zehn weitere Referentinnen und Referenten zu Wort kommen. Damit wurde ein ganzes Feuerwerk an Diskussionsthemen gezündet. Von den «ISSV-68er-Spuren» (Bruno Bolliger) über das allgegenwärtige Spoken Word (André Schürmann) bis zu Mund-Art-Wellen (Dominik Riedo) oder sehr interessanten neuen Sichten auf ­Bundesrat Philipp Etters geistige Landesverteidigung (Thomas Zaugg), um nur einige zu nennen.

Osy Zimmermann erntete für seine Darbietung viel Applaus. (Bild: Romano Cuonz (Stans, 16. November 2018))

Osy Zimmermann erntete für seine Darbietung viel Applaus. (Bild: Romano Cuonz (Stans, 16. November 2018))

Eigentliche Glanzpunkte aber setzten Kabarettist Osy Zimmermann mit einer «Gender-Diskussion» zum Volkslied «Es wot es Froueli z Märit ga»; oder Pirmin Meyer, der aus seiner literarischen Schatzkiste so einzigartige «Goldstücke» wie etwa Xaver Herzogs «Wie Babeli zu einem Mantel kommt» oder Josef Maria Camenzinds Flüchtlingsgeschichte «Marcel und Michael» hervorholte.

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