Sie hat für Stans eine Umweltvision

Julia Häberli fragt sich in ihrer Maturaarbeit, wie realistisch eine 2000-Watt-Gesellschaft für Stans ist.

Kurt Liembd
Hören
Drucken
Teilen
Julia Häberli (17) über dem Sportplatz des Kollegium St. Fidelis in Stans.

Julia Häberli (17) über dem Sportplatz des Kollegium St. Fidelis in Stans.

Bild: Kurt Liembd (Stans, 20. Dezember 2019)

Das Thema der Maturaarbeit von Julia Häberli ist zurzeit aktueller denn je und passt zeitlich in die aktuelle politische Diskussion. Die 17-jährige Stanserin befasst sich mit dem Modell einer 2000-Watt-Gesellschaft und damit mit verschiedenen Bereichen wie Mobilität, Energieversorgung, Konsum, Umwelt, Siedlung und Gebäude.

Dabei hat sich Julia Häberli konkret auf die Gemeinde Stans fokussiert und die Frage gestellt, welche Massnahmen im Hinblick auf eine 2000-Watt-Gesellschaft im Hauptort gefördert werden könnten. Nach intensivem Recherchieren und Gesprächen mit Fachleuten war sie erstaunt, wie viel Stans schon heute für die Umwelt macht, gleichzeitig jedoch noch weit von einer 2000-Watt-Gesellschaft entfernt ist.

Es braucht die ganze Bevölkerung

An der Präsentation ihrer Maturaarbeit erklärte Julia Häberli: «Stans hat bereits sehr viele Massnahmen getätigt, ist aber noch lange nicht am Ziel. Für eine 2000-Watt-Gesellschaft braucht es nicht nur im politischen Bereich einen Wandel, sondern bei der Einstellung und dem Verhalten von Privatpersonen, denn diese machen die Gesellschaft aus».

Ihre Feststellung: Die Gemeinde Stans ist schon seit Jahren energiepolitisch engagiert und führt eine nachhaltige Energiepolitik. So setze sie sich nebst erneuerbaren Energien auch für den Klimaschutz und für eine umweltverträgliche Mobilität ein. Wichtige Ziele sind eine Stabilisierung des Stromverbrauchs, ein sinkender Einsatz von Öl und Gas sowie die vermehrte Nutzung von erneuerbaren Energien wie Sonne, Holz und Wind. Im Jahre 2003 wurde die Gemeinde dafür mit dem Label «Energiestadt» ausgezeichnet. 2017 wurde Stans zur «Energiestadt Gold».

Julia Häberli ging der Energiepolitik auf den Grund, indem sie Fachliteratur studierte sowie mit Fachleuten und politischen Exponenten sprach. So auch mit dem Stanser Gemeinderat Lukas Arnold, der Präsident der Kommission Energiestadt ist. Im Interview mit der Maturandin machte Arnold interessante Aussagen. «Unser Traum wäre, dass sich Stans mit Energie weitgehend selbst versorgen könnte. Ich fände eine autarke Gemeinde Stans spannend.» Das Ziel einer 2000-Watt-Gesellschaft sei jedoch im Energieleitbild von Stans nicht enthalten, so Arnold. Er wolle dies aber bei der Überarbeitung Leitbildes dem Gemeinderat vorschlagen.

Interessante Aussagen gegenüber der Maturandin machte auch Claudia Luethi, Energiestadtberaterin von Stans. «Ich finde, in Stans ist in den letzten 15 Jahren sehr viel Positives passiert im Energiebereich». Die ganze Mobilität zum Beispiel sei eine riesige Herausforderung im Hinblick auf eine 2000-Watt-Gesellschaft, denn die Elektrifizierung schreite nicht in dem Tempo voran, wie man es gerne hätte. Ausserdem sprach Julia Häberli ausführlich mit Nora Herbst von der Fachstelle 2000-Watt-Gesellschaft und fand dabei heraus, dass der «Einflussbereich der öffentlichen Hand auf den Energieverbrauch sehr beschränkt ist».

All dies hat Julia Häberli zur Einsicht und Überzeugung gebracht, dass die Gemeinde Stans im Umweltbereich zwar schon viele Massnahmen umgesetzt hat, aber noch sehr weit von der 2000-Watt-Gesllschaft entfernt ist. Die Dauerleistung liegt heute bei über 5000 Watt pro Person und die Treibhausgasemissionen betragen rund 5,3 Tonnen pro Person und Jahr.

Energiepolitik nicht bei allen an oberster Stelle

Die Maturandin zeigt sich aber auch realistisch: «Energie- und klimapolitische Ziele stehen nicht bei allen Leuten an oberster Stelle.» Eine 2000-Watt-Gesellschaft könne nur erreicht werden, wenn sie von der Mehrheit der Leute auch erreicht werden wolle, so Häberli. Dazu hat sie drei Ansätze gefunden: Suffizienz, Effizienz und Substitution. Suffizienz heisst, nur soviel Energie zu verbrauchen, wie man wirklich braucht, sodass man zum Beispiel Ferien in der Nähe geniesst statt in der Südsee. Auch mit Effizienz lässt sich Energie sparen bei Immobilien oder mit effizienten Geräten. Substitution wiederum bedeutet den Ersatz eines Energieträgers durch einen anderen, der vorteilhaftere Eigenschaften hat, zum Beispiel Ersatz einer Ölheizung durch eine Wärmepumpe.

Julia Häberlis Erkenntnis und Fazit: «Stans kann nur zur einer 2000-Watt-Gesellschaft werden, wenn dies von einer grossen Mehrheit der Bevölkerung erwünscht ist und diese bereit ist, ihren derzeitigen Lebensstil zu hinterfragen und diesen in energie- und klimapolitischer Sicht zu verändern.»