Sterbebegleitung für Haustiere: Sie hilft bei Trauer um Fido

Daniela Lüscher begleitet Tierhalter vor und nach dem Tod ihres geliebten Vierbeiners. Die Beckenriederin rät, sich für die Trauer Zeit zu lassen, auch wenn das Umfeld kein Verständnis zeigt.

Franziska Herger
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Daniela Lüscher aus Beckenried ist dplomierte Trauer- und Sterbebegleiterin beim Tod von Tieren. Bild: PD

Daniela Lüscher aus Beckenried ist dplomierte Trauer- und Sterbebegleiterin beim Tod von Tieren. Bild: PD

Daniela Lüscher ist diplomierte Trauer- und Sterbebegleiterin. Die Beckenriederin unterstützt Menschen bei der Vorbereitung auf einen grossen Verlust und bei der Verarbeitung. Doch statt einen geliebten Menschen haben ihre Kunden einen geliebten «Fido» oder ein «Schnurrli» verloren. «Ich begleite vor allem die Halter von Hunden und Katzen», sagt Daniela Lüscher. «Doch auch Menschen mit anderen Tierarten wie Pferden, Nagern oder Vögeln sind bei mir willkommen.»

Was manchem als blosser Modetrend erscheinen mag, wird schnell real, wenn Daniela Lüscher erzählt: «Gerade kürzlich begleitete ich eine Frau zum Tierarzt, wo ihr Therapiehund eingeschläfert werden musste. Ich ging mit, damit sie in diesem schweren Moment nicht alleine war.» Die Trauerbegleiterin bezeichnet ihre Arbeit als ein Auffangen. «Es braucht meist gar nicht viel, ich lasse die Leute erzählen, bin respektvoll dabei.»

Daniela Lüscher ist mit ihrem Angebot eine der wenigen in der Schweiz. Die Nachfrage sei «noch eher vereinzelt», sagt sie, «viele Leute wissen gar nicht, dass es das gibt». Dabei wäre ein verständnisvolles Ohr oft nötig, meint die 44-Jährige.

Nicht selten heisst es: «Es ist doch nur ein Hund.»

«Viele Tierfreunde machen die Erfahrung, dass sie in ihrem Umfeld nicht viel Verständnis erhalten für ihre Trauer.» Aussagen wie «Es ist doch nur ein Hund» oder «Hol dir halt eine neue Katze» seien nicht selten. «Das kann sehr verletzend sein und das Gefühl geben, dass man um ein Tier nicht trauern darf. Dabei ist es absolut ein tiefer Einschnitt, wenn etwa eine alleinstehende Person nach 15 Jahren ihr Hündchen verliert.»

Die Aargauerin, die seit sechs Jahren in Beckenried wohnt, hat 2015 ihre Diplomarbeit zum Thema Tod und Tiere geschrieben. Zur Spezialisierung inspirierte sie ihre eigene Erfahrung. «Vor Jahren musste mein Kater eingeschläfert werden. Ich war so froh, mit meiner Mutter darüber reden zu können. Das wollte ich für andere Tierhalter auch bieten.»

Daniela Lüschers Begleitung kostet 100 Franken pro Stunde, ihre Kunden kommen vor allem aus der Zentral- und Nordwestschweiz. Vom Angebot leben kann sie noch nicht; die gelernte Polygrafin betreibt ein eigenes Grafikatelier und hält auch Seminare zum Thema Tod und Tiere. Die nächsten finden im Aargau statt, und sie plant, in die Zentralschweiz zu expandieren. In den Kursen können sich Tierhalter für 150 Franken pro Tag auf den Tod ihres Vierbeiners vorbereiten – und es damit auch dem Tier einfacher machen. Lüscher rät, genau zu beobachten, was das Tier braucht, und auch mal die eigenen Bedürfnisse zurückzustellen.

Diesen Rat musste sie selber befolgen, als letztes Jahr ihre Katze Roxy verstarb. «Sie wollte auf ihrer letzten Meile nicht ständig von mir umsorgt sein. Ich habe ihr dann ein T-Shirt von mir ins Körbchen gelegt.» Tiere spürten, wenn man sie nicht loslassen wolle, sagt Lüscher. «Man sollte die eigene Angst und Trauer möglichst nicht auf sie übertragen.»

Tiere sollen nicht vermenschlicht werden

Daniela Lüscher ist überzeugt: Tiere haben eine Seele. Eine Meinung, die sich verbreite. «Wir haben heute eine viel nähere Beziehung zu Tieren. Die Leute verstehen, dass jedes einen eigenen Charakter hat und nicht einfach eine Ware ist.» Ihr sei aber auch klar, dass manch einer zu extrem finde, wie Vierbeiner heute gehätschelt werden. «Ich will Tiere nicht vermenschlichen. Unsere Beziehung zu ihnen ist auch ei­- ne Wohlstandserscheinung. Erst wenn man selber genug zu essen hat, kann man darüber nachdenken, ein weiteres Familienmitglied durchzufüttern.»

Und doch: «Tiere lieben bedingungslos, egal wie wir uns gerade fühlen. Entsprechend gross ist der Verlust, wenn sie sterben», betont Lüscher. Sie rät, sich Zeit und Raum zu nehmen für die Trauer. «Man soll sich die grosse Lücke eingestehen, die das Tier im Leben hinterlässt, und man darf traurig sein. Auch wenn es andere nicht verstehen.»

Hinweis: Weitere Informationen finden Sie unter www.trauer-um-tiere.ch