Zehn Jahre Care-Teams in Ob- und Nidwalden: Sie stützen die Retter in der Not

2010 haben die Kantone Nid- und Obwalden die Care-Teams von der
Zentralschweizer Organisation übernommen. Die neuen Strukturen haben sich bewährt.

Matthias Piazza
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Das Care-Team kommt auch bei einem Verkehrsunfall zum Einsatz. Auf dem Bild eine Übung im Kirchenwaldtunnel zwischen Stansstad und Hergiswil.

Das Care-Team kommt auch bei einem Verkehrsunfall zum Einsatz. Auf dem Bild eine Übung im Kirchenwaldtunnel zwischen Stansstad und Hergiswil.

Bild: Boris Bürgisser (18. September 2008)

Der Schock sass auch Tage später noch tief bei den rund 400 Mitarbeitern der Titlisbahnen. Sie trauerten um ihren Arbeitskollegen, der am 5. Juni des vergangenen Jahres bei Revisionsarbeiten des Titlis Xpress sein Leben lassen musste. Das Drama, bei dem zwei weitere Titlis-Mitarbeiter schwer, drei leicht und ein Mitarbeiter einer externen Firma mittelschwer verletzt wurden, beschäftigte auch das Care-Team Nidwalden/Engelberg.

Rund ein Dutzend Mal pro Jahr werden die Care-Givers von der Polizei für solche und ähnliche Fälle aufgeboten, wenngleich die Dramen sich meistens unter Ausschluss der Öffentlichkeit abspielen.

«Einige weinen, andere schweigen»

Menschen würden unterschiedlich auf traumatische Ereignisse reagieren. «Einige weinen oder schreien, andere schweigen, wenn die Bilder wieder hochkommen», erzählt Marino Bosoppi-Langenauer, der als Seelsorger tätig ist und zusammen mit Monika Hug das 17-köpfige Team leitet. «Unsere Aufgabe ist es, den Betroffenen zuzuhören, für sie da zu sein, sie zu begleiten und ihnen dadurch wieder auf die Beine zu helfen, sodass ihr Leben weitergehen kann.» In der Regel endet der Einsatz nach kurzer Zeit. «Wir sind keine Therapeuten», stellt er klar. In Nidwalden bietet die Polizei das Care-Team auf.

In jedem Kanton der Zentralschweiz gibt es eine Care-Organisation. Auslöser für deren Gründung war das Attentat im Zuger Kantonsparlament im September 2001, bei dem 14 Politiker ums Leben kamen.

Vor zehn Jahren wurde die Organisation neu aufgestellt und der Verein Care-Team Zentralschweiz aufgelöst. In Nidwalden ist das Care-Team seither dem Kanton, konkret der Gesundheits- und Sozialdirektion unterstellt. Marino Bosoppi-Langenauer, der damals schon dabei war, zieht eine positive Bilanz zur Dezentralisierung und der neuen Trägerschaft.

«Wir haben kurze Anfahrtswege, kennen viele Polizisten, Rettungssanitäter und sonstige Mitglieder von Blaulichtorganisationen, mit denen wir eng zusammenarbeiten, gut.»

Als weiteren Vorteil hebt er die Finanzierung hervor. «Wir müssen nicht mehr dem Geld nachrennen wie zu Zeiten des Vereins Care-Team Zentralschweiz, als wir uns über Mitgliederbeiträge und Sponsoring finanzierten. Nun bekommen wir vom Kanton einen fixen Betrag.» Leisteten die Care-Givers früher unentgeltlich die belastenden Dienste, werden sie nun für ihre Einsätze finanziell entschädigt. Auch Material und Ausbildung seien nun via Budget sichergestellt, sagt Bosoppi-Langenauer. So werden die 17 teils langjährigen Mitglieder, die zwischen 34 und 70 Jahre alt sind und von unterschiedlichen Berufen herkommen, in einem fünftägigen Kurs auf ihre Arbeit vorbereitet und bilden sich regelmässig weiter.

Trotzdem gehen solche Einsätze nicht spurlos an einem vorbei. «Aber man lernt, damit umzugehen», weiss Marino Bosoppi. Dabei würden auch regelmässige Besprechungen nach Einsätzen und Weiterbildungen helfen. «Für die Mitmenschen da zu sein, ist unsere Motivation.»

Obwalden: Care-Team leistet 2019 sechs Einsätze

Auch das zehnköpfige Obwaldner Care-Team funktioniert seit 2010 eigenständig, mit demselben Auftrag wie in Nidwalden. Allerdings ist das Obwaldner Team dem Zivilschutz angegliedert. Auch Leiterin Janine Tettamanti ist damit zufrieden – nicht nur in organisatorischer Hinsicht: «Wir sind wie ein Zivilschutzangehöriger versichert, werden auf Stundenbasis entlöhnt. Und der Arbeitgeber erhält für die Zeit, in der wir am Arbeitsplatz fehlen, eine Erwerbsausfall-Entschädigung.» Das Obwaldner Care-Team leistete im vergangenen Jahr sechs und 2018 insgesamt 13 Einsätze.

Auch das machte im Januar 2010 Schlagzeilen

Der damalige EU-Botschafter Michael Reiterer kommt nach Stans. Mit der Ob- und Nidwaldner Regierung redet er über Personenfreizügigkeit, Flat-Rate-Tax, Landsgemeinde und ähnliche Themen. Danach besucht er unsere Redaktion in Stans, lässt sich die Produktion der Zeitung und die Zusammenarbeit mit Luzern erklären. Regionalzeitungen seien für ihn als Botschafter ein sehr guter Gradmesser, um herauszufinden, wo dem Volk der Schuh drücke. Sie seien auch wichtig für seine Kommunikation mit der Bevölkerung. Seine Stimme werde so in den Regionen besser wahrgenommen als in den nationalen Medien.

Die Obwaldner Kriminalpolizei hat die mutmasslichen Täter zweier Banküberfälle ermittelt. Die zwei Männer und die eine Frau haben am 8. Juli und am 9. Oktober 2009 in der Obwaldner Kantonalbank (OKB) in Alpnach Angestellte mit einer Faustfeuerwaffe bedroht und mehrere tausend Franken erbeutet. Neben der OKB wurde 2009 auch die Raiffeisenbank in Alpnach zweimal – im Januar und im Dezember – überfallen. Auch hier konnte die Polizei den mutmasslichen Täter ermitteln.

In Buochs müssen Christbäume nun im Kehricht entsorgt werden, wie in anderen Nidwaldner Gemeinden auch. In Obwalden fallen sie dem Grüngut zu. Die Christbaum-«Verbrennetä» beim Buochser Aawasseregg findet nicht mehr statt. Die neue Luftreinhalteverordnung verbietet dies. Fünf Jahre hintereinander kamen Leute am Freitag nach Dreikönigstag zusammen, um den ausgedienten Christbaum in Rauch und Flammen aufgehen zu lassen – und über dem Feuer eine Wurst zu bräteln. Dazu schenkten die Organisatorinnen von der Frauengemeinschaft Glühwein und Punsch aus. In der letzten Ausgabe 2009 segnete so 50 Christbäume das Zeitliche. Anfänglich waren es deren 25.

Die Kantonspolizei Nidwalden gibt in einem rund 20-minütigen Film Einblick in ihren Alltag. Planbare Einsätze wie Verkehrskontrollen wurden live gedreht, Notfalleinsätze sozusagen nach Drehbuch gespielt. Der neue Film «Kantonspolizei Nidwalden» wird vor allem bei den jährlich 50 bis 80 Führungen gezeigt. Die Produktion dieses Films dauerte ein halbes Jahr und kostete rund 40000 Franken.