Sie macht Ferien in Gartikon

Josy Käppelis grösstes Hobby ist ihr Garten. In ihm finden sich viele Blumen – und kein einziges Unkraut.

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«Am Anfang war hier eine Wildnis», sagt Josy Käppeli. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue NZ)

«Am Anfang war hier eine Wildnis», sagt Josy Käppeli. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue NZ)

Silbergraue Locken, wache Augen, ein freundliches Gesicht: Das ist Josy Käppeli. Sie ist bald 86, und ihr grösstes Hobby ist ihr Garten. Ihn pflegt sie mit Hingabe, das ganze Jahr hindurch. Weit und breit ist kein Unkräutchen auszumachen.

«Es gehört einfach zu mir», sagt sie. «Es», das heisst die Liebe zu den Blumen, zur Natur, zu ihrem Garten. Er ist nicht riesig, zieht sich um das ganze Haus herum mit bunten Blumen an den Rändern und Rasen in der Mitte. Vor dem Hauseingang auf Strassenseite stehen auf einem Mäuerchen mehrere Blumenkisten mit dunkelroten Geranien.«Im Frühling sind sie nicht gut gewachsen», erklärt Josy Käppeli. Die Blütenknospen seien gelb geworden. Schuld war ein Eisenmangel. Jetzt bekommen die Geranien eine Art Medizin dagegen. «Wie bei uns Menschen», sagt Josy Käppeli. «Sie haben doch auch ein Leben.»

Mit lauwarmem Wasser

Ein paar Schritte weiter um die Ecke stehen ein paar feuerrote grosse Cannas. «Wie viele Knöpfe wieder geschossen sind!», staunt Josy Käppeli. Dann erzählt sie, wie sie die Knollen jeden Herbst ausgräbt und im Winter immer wieder mit etwas lauwarmem Wasser begiesst. Sonst gibt es in der kalten Jahreszeit nicht viel mehr zu tun im Garten. Kein Problem für Josy Käppeli. «Ich stricke viel», sagt sie und spricht von ihrer grossen Familie, den vier Töchtern mit Familie, ihren Enkeln und dem kleinen Urenkel.

Seit rund 60 Jahren wohnt sie in Hergiswil, zuerst mit ihrem Mann, der vor 17 Jahren verstorben ist, jetzt allein. Vor 44 Jahren ist die Familie in die jetzige Wohnung mit Garten gezogen. «Am Anfang war hier eine Wildnis», sagt Josy Käppeli. Sie hat sie gerodet, und nach und nach ist der gepflegte Garten entstanden.
Staunen als Lohn

Josy Käppeli geht ein paar Schritte weiter, zu den Mittagsblumen, erzählt vom Frühling, wenn die Tulpen und Osterglocken blühen. Wer mäht den Rasen? «Früher ich, heute der Hausmeister.» Sie lächelt und erwähnt, dass sie für das «Herausscherlen» zuständig sei. Viele Leute blieben beim Garten stehen und bestaunen die Blumen, erzählt Josy Käppeli etwas später. «Das ist mein Lohn», sagt sie bescheiden. So- lange sie kann, wird sie ihr kleines Paradies hegen und pflegen, jeden Tag voller Dankbarkeit für ihre Gesundheit. Auslandferien müssten nicht sein, denn «ich mache Ferien in Gartikon». Sie hat eine kleine verwelkte Blüte in einem Kistchen entdeckt. Schwups, ist sie weg – und alles wieder perfekt.

Rosemarie Bugmann