«Sie sind gestandene Frauen, die viel auf die Reihe bekommen»

Wiedereinsteigerinnen sind bei der Spitex Nidwalden sehr geschätzte Arbeitskräfte. Und das hat seinen Grund.

Marion Wannemacher
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Wer als Frau nach Jahren wieder in seinem gelernten Pflegeberuf tätig sein möchte, macht sich meist selbst das Leben schwer: Wiedereinsteigerinnen haben Hemmungen, mit der EDV zurechtzukommen und machen sich Sorgen, ob sie den heutigen Berufsanforderungen standhalten. Dabei werden Wiedereinsteigerinnen bei der Spitex Nidwalden laut Esther Christen von der Bereichsleitung Pflege der Spitex Nidwalden sehr geschätzt.

Esther Christen, Bereichsleitung Pflege Spitex Nidwalden.

Esther Christen, Bereichsleitung Pflege Spitex Nidwalden.

Bild: PD

«Der grösste Teil von ihnen hat aufgrund von Familie und Mutterschaft eine Auszeit genommen und in dieser Familienarbeit geleistet. Sie sind gestandene Frauen, und bekommen viel auf die Reihe vom Morgen bis in die Nacht», schätzt sie ein. Manche seien gar noch freiwillig engagiert im Geschäft ihres Mannes oder in dem der Schwiegereltern. Ihr Hintergrund bewähre sich auch in der Pflege: «Sie bringen Erfahrung mit und Qualitäten vom Management und vom Organisieren. Sie meistern unvorhergesehene Situationen», so Christen.

Arbeit bedeutet für sie Auszeit von der Familie

Seit 2015 haben bei der Spitex Nidwalden 28 Frauen den Weg zurück in ihren Beruf gefunden. In Spitzenjahren wie 2015 waren es 11, 2017 keine einzige. Dieses Jahr stiegen bislang vier Frauen wieder in ihren Beruf ein.

«Für uns sind Wiedereinsteigerinnen sehr wertvoll. Wir können mit ihnen Stellen besetzen, die schwierig zu besetzen sind», weiss die Expertin aus Erfahrung. Entgegen der landläufigen Meinung seien Familienfrauen auf eine andere Art flexibel. Sie könnten vielleicht verlässlich an einem Abend in der Woche arbeiten oder am Wochenende, wenn sich der Mann um die Kinder kümmere. «Sie kommen hoch motiviert zur Arbeit, für sie als Fachfrauen ist das eine Auszeit von der Familie.»

Sie setzen sich häufig selbst zu sehr unter Druck

Bruchlandungen habe sie mit Wiedereinsteigerinnen noch nie erlebt, sagt die Bereichsleiterin, auch als Folge sorgfältiger Einstellungsgespräche. Vielleicht seien Anatomiekenntnisse aufzufrischen oder Know-how über das heutige Material anzueignen. «Die Grundpflege verlernt man nicht», weiss Esther Christen aus Erfahrung. «Ihr grösstes Problem ist, dass sie denken, sie müssten von Anfang an alles schon wissen. Und dabei helfen Gespräche.»

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