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Ennetmooserin will in zwei Berufen hoch hinaus

Nach zehn Jahren als Flugbegleiterin wollte Nadine Mühlemann noch mehr als die Welt sehen. Nun zeigt sie daneben als Triebwagenführerin der Pilatus-Bahn den Gästen ihre schöne Region.
Franziska Herger
Nadine Mühlemann in einem Triebwagen der Pilatus-Bahnen, für einmal in ihrer Flugbegleiterinnen-Uniform. (Bild: PD)

Nadine Mühlemann in einem Triebwagen der Pilatus-Bahnen, für einmal in ihrer Flugbegleiterinnen-Uniform. (Bild: PD)

Für Nadine Mühlemann kann es nicht hoch genug sein. Nach zehn Jahren als Flugbegleiterin für Edelweiss fährt sie nun in ihrem Zweitjob als Triebwagenführerin bei den Pilatus-Bahnen fast täglich von Alpnachstad aus die steilste Zahnradbahn der Welt. Und auch an ihrem freien Tag sitzt sie auf ihrem Balkon in Ennetmoos und blinzelt in der Herbstsonne Richtung Berge. «Ich kann stundenlang über Wanderkarten brüten und planen, wo es als Nächstes hingehen soll», erzählt sie.

Seit sie ihren Beruf als Flugbegleiterin reduziert hat und zu rund 70 Prozent für die Pilatus-Bahnen arbeitet, hat die 34-Jährige dafür auch wieder etwas mehr Zeit. «Nicht mehr ständig den Koffer packen und auspacken, nicht mehr so oft nach Zürich pendeln, weniger Jetlag – das ist schon angenehm», sagt Nadine Mühlemann.

Gleiche Anforderungen, anderes Transportmittel

Vor sechs Jahren zog die gebürtige Weggiserin mit ihrem Mann, einem Stansstader, nach Nidwalden. «Schon vor etwa zwei Jahren dachte ich dann, dass ich noch etwas anderes machen möchte, in der Region», meint Mühlemann. Da kam die Stellenanzeige der Pilatus-Bahnen, die eine Triebwagenführerin suchten, gerade richtig. «Das Anforderungsprofil entsprach dem, was ich auch als Flugbegleiterin können muss, nur in einem anderen Transportmittel», schmunzelt Mühlemann. Freude am Umgang mit internationalen Gästen, mehrsprachig, gewöhnt an unregelmässige Arbeitszeiten und den Höhenunterschied: Nadine Mühlemann ist wie gemacht für den Job. Nur das eigentliche Triebwagenfahren, das musste sie noch lernen.

Zehn Tage Begleitung durch einen Fahrlehrer später, gefolgt von einer schriftlichen, mündlichen und praktischen Prüfung im Fahren und Rangieren, und Nadine Mühlemann begann im Mai als Triebwagenführerin der Pilatus-Bahnen. «Wichtig ist, die Gleise im Auge zu behalten», betont sie. «Ich habe auch schon Gästen ein paar Steingeissen zeigen wollen und merkte dann, dass vor mir auf dem Gleis auch eine steht.» Mit etwas Respekt sieht sie dem Fahren bei vereisten Fahrleitungen im Herbst und Frühling entgegen. «Das wird sicher eine Herausforderung.»

Wenn die Pilatus-Bahn im Winter geschlossen ist, hofft Nadine Mühlemann wieder für mehr Flüge eingeteilt zu werden. Schon im Oktober geht es für 24 Stunden nach Kapstadt. «Das schätze ich jetzt mehr, als ich es noch vor einem Jahr getan hätte», sagt die Ennetmooserin.

Als Flugbegleiterin erstaunt einen nichts mehr

Für das Fliegen setzte Mühlemann nach ihrer Lehre zur Podologin alles auf eine Karte. Das ständige Sitzen, drinnen und in immer der gleichen Position, sagte ihr nicht mehr zu. «Nachdem ich drei Jahre hintereinander mit Interrail Europa bereist hatte, wollte ich noch mehr von der Welt sehen», sagt sie. Daher habe sie sich bei Edelweiss beworben. «Zum Glück hat es geklappt. Ich hatte keinen Plan B.»

Die zehn Jahre in der Luft seien eine ausgezeichnete Lebensschule gewesen, erzählt die junge Frau. «Man lernt, sich auf neue Leute und Situationen einzustellen. Danach erstaunt einen nichts mehr.» Neben dem einen oder anderen alkoholisierten Fluggast stört Nadine Mühlemann denn auch besonders die mangelnde Akzeptanz des Berufs.

Das habe sich mit der zweiten Stelle als Triebwagenführerin nicht verbessert. «In meinem privaten Umfeld meinten einige, das sei doch auch wieder kein richtiger Job.» Und gerade kürzlich habe eine ältere Dame in der Pilatus-Bahn ihr gesagt, diese Arbeit mache sie dann aber sicher nicht ein Leben lang. «Ich dachte nur: ‹Hier auch noch!›», ist Nadine Mühlemann aufgebracht. «Wichtig ist doch, dass man eine Arbeit macht, für die man jeden Morgen gerne aufsteht.»

«Sobald die Gäste vor mir stehen, ist alles ok»

Für sie heisst das vor allem eines: Mit Leuten arbeiten. «Wer freundlich, offen und warmherzig ist, bekommt auch viel mehr von den Gästen zurück», sagt die Ennetmooserin. Gerne erinnert sie sich an einen Fluggast, der ihr sagte, bei ihr fühle er sich wie zu Hause in der Stube. «Man lernt bald, dass man es mit allen gut haben kann», sagt Mühlemann. «Leute lassen sich nicht schubladisieren.» Schlechte Tage kenne sie nicht, weder in der Luft noch in der Zahnradbahn. «Egal wie es mir geht, sobald die Gäste vor mir stehen, ist alles ok. Als wäre ein Schalter umgelegt worden», erzählt Nadine Mühlemann.

Und was wünscht sie sich von den Fahr- und Fluggästen? «Es ist toll, wenn die Anweisungen des Personals befolgt werden, etwa dass in der Zahnradbahn nicht der Kopf aus dem Fenster gestreckt oder im Flugzeug kein Handgepäck vor dem Notausgang deponiert werden darf», meint die junge Frau nach einigem Überlegen. «Wir sagen das nicht als persönliche Schikane, sondern zur Sicherheit der Gäste.»

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