SKI ALPIN: Co-Präsident der Europacup-Rennen: «Es gibt populärere Anlässe»

Martin Ming ist Co-Präsident der Europacup-Rennen auf Melchsee-Frutt. Ein Gespräch über ausbleibende Top-Cracks, fehlendes Rampenlicht und sich zurückziehende Sponsoren.

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Co-Präsident Martin Ming: «Die grösste Motivation ist, den jungen Frauen eine Plattform zu bieten.» (Bild: Boris Bürgisser (Melchsee-Frutt, 19. Januar 2017))

Co-Präsident Martin Ming: «Die grösste Motivation ist, den jungen Frauen eine Plattform zu bieten.» (Bild: Boris Bürgisser (Melchsee-Frutt, 19. Januar 2017))

Claudio Zanini

claudio.zanini@luzernerzeitung.ch

Martin Ming, im vergangenen Jahr hatten Sie zu wenig Schnee. Heuer fehlen die Schweizer Topfahrerinnen. Was finden Sie mühsamer?

Zu wenig Schnee natürlich. Dann sind nicht einmal die Voraussetzungen gegeben, um ein Rennen durchzuführen. Dass unsere Topathletinnen fehlen, ist einfach schade. Aber das können wir nicht beeinflussen. In den anwesenden ausländischen Kadern hat es zwar Topathletinnen, die schon mehrfach im Weltcup dabei waren. Klar wäre es aber schön gewesen, wenn die Schweizer Weltcup-Athletinnen dabei gewesen wären.

Was sind die Gründe für das Ausbleiben der ersten Garde?

Ich kann es nicht sagen, weil ich nicht weiss, was da für eine Strategie verfolgt wird.

Aber gehen Sie im Vorfeld der Rennen als OK auch aktiv auf diese Fahrerinnen oder auf Swiss-Ski zu?

Wir haben das einmal gemacht. Das kam aber beim Verband nicht so gut an. Es ist ja nicht so, dass wir zum ersten Mal in der jetzigen Situation sind.

Das heisst?

Da will man sich nicht dreinreden lassen. Der Verband und die verantwortlichen Trainer treffen diese Entscheide und haben auch ihre Gründe – das ist sicher richtig so. Ausserdem kann ich nicht beurteilen, wie etwa das Programm einer Wendy Holdener im Detail aussieht. Es wäre natürlich optimal für uns, wenn eine solche Fahrerin hierher käme. Vom Rennkalender her gesehen sollte es eigentlich möglich sein. Aber da gibt es Erholungsphasen oder Ähnliches, was mitspielt.

Wir sprechen ja von einem Rennen der zweithöchsten Stufe. Die grossen Stars haben Sie nicht hier, den Publikumsaufmarsch ebenso nicht. Woher nehmen Sie die Motivation?

Zuerst: Wir haben immer wieder Frauen hier gehabt, die ihren Weg im Weltcup gemacht haben. Denken Sie an Veronika Velez-Zuzulova, Sarka Strachova oder Nina Loeseth und Frida Hansdotter. Die grösste Motivation ist, diesen jungen Frauen eine Plattform zu bieten, auf der sie sich für den Weltcup empfehlen können. Der Werbeeffekt für das Skigebiet spielt sicher auch mit – den darf man aber nicht überschätzen.

Wie wichtig ist es für die Zentralschweiz, ein Europacup-Rennen in der Region zu haben?

Meinen Sie auf einer Skala von 1 bis 10? (lacht)

Gerne.

Ich sage es mal so: Es gibt sicher populärere oder wirksamere Anlässe als unserer. Schauen Sie sich mal um. Es ist ein perfekter Schneetag, die Sonne scheint. Aber wir haben ungefähr 50 Zuschauer am Pistenrand. Beim Nachtslalom wird es wohl besser sein. Es gibt unterschiedliche Meinungen betreffend der Bedeutung des Anlasses. Ich persönlich finde ihn natürlich wichtig.

Aber haben Sie keine Mühe, immer noch genügend Sponsoren zu finden?

Wir müssen Sponsorengelder in der Höhe von 75 000 Franken aufbringen. Es gab Zeiten, da hatten wir sechs Hauptsponsoren, die den Grossteil des Geldes aufbrachten. Heute sind wir bei deren vier. Tendenziell ziehen sich die Sponsoren zurück oder unterstützen eine andere Sportart. Aber es gibt auch solche, die seit neun Jahren dabei sind – und nicht mit kleinen Beträgen. In diesem Jahr funktioniert das System jedenfalls noch, im nächsten auch. Danach werden wir sehen.

Die Fahrerinnen können hier gratis teilnehmen. Besteht auch die Idee, Startgeld zu verlangen?

Nein, im Gegenteil. Wir zahlen den Fahrerinnen Unterkunft und Verpflegung.

Das ist erstaunlich, bei gut 80 Fahrerinnen.

Ja, natürlich. Aber auch da gibt es Grenzen. Es ist eine Frage des Punktestandes der Athletin. Ab einem gewissen Renommee der Athletin übernehmen wir Kost und Logis nicht mehr.

Auf Melchsee-Frutt sind pro Tag 100 Helfer im Einsatz. Der Aufwand für zwei Slaloms ist riesig. Stimmt der Ertrag auch?

Der Ertrag ist nicht messbar. Für mich stimmt er aber. Wir haben einen sehr schönen Anlass aus meiner Sicht. Aber es braucht hier einfach Enthusiasmus. Und der ist hier reichlich vorhanden.

Hinweis

Heute findet der Nachtslalom (17.30/20.00) auf Melchsee-Frutt statt. Eintritt inklusive Bratwurst: 15 Franken.