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SKI ALPIN: Niederberger verlädt seine Ski ein letztes Mal

Bernhard Niederberger (24) beendet seine Karriere, nachdem er wiederholt mit Rückenproblemen zu kämpfen hatte. Während seine früheren Weggefährten bei Olympia starten, arbeitet der Nidwaldner als Sanitär.
Bernhard Niederberger packt seine Ski in den Kofferraum – das Material muss zurück zum Hersteller. (Bild: Dominik Wunderli (Beckenried, 23. Januar 2018))

Bernhard Niederberger packt seine Ski in den Kofferraum – das Material muss zurück zum Hersteller. (Bild: Dominik Wunderli (Beckenried, 23. Januar 2018))

Claudio Zanini

claudio.zanini@luzernerzeitung.ch

Es ist das Haus der beendeten Ski-Karrieren, wenn man so will. Hinter der Kirche in Beckenried steht es. Im ersten Stock wohnt Bernhard Niederberger, der jüngst einen Schlussstrich unter sein Spitzensportler-Leben zog, eine Etage höher ist Markus ­Vogel zu Hause, er hat bereits vor zwei Jahren aufgehört. Niederberger und Vogel sind durchaus vergleichbar. Beide waren Slalom-Spezialisten, beide stammen vom Skiklub Beckenried-Klewenalp, beide galten als talentierte Techniker, keinem der beiden ­gelang der Durchbruch. Vogel fuhr, bis er 32 war, Niederberger hat als 24-Jähriger genug.

Seinen Rücktritt teilte Niederberger in den sozialen Medien mit. Grund sind die Rückenbeschwerden, die schon bei Trainingsbedingungen unausstehlich wurden. Jetzt, da die Belastungen der Slalom-Läufe aus seinem Leben verschwunden sind, stoppten die Schmerzen umgehend. Nun arbeitet er im Vollzeitpensum als Sanitär, ohne körperliche Probleme.

Jubeln für Daniel Yule

Ein bisschen Schwermut schwingt mit, wenn Niederberger an sein 18-jähriges Ich denkt. So richtig durchstarten wollte er damals. «Diese Ziele, die ich hatte … WM-Medaille, Olympiasieger, all das», sagt er. «Aber dann ­kamen immer wieder diese Dämpfer.» Verletzungen plagten ihn öfters. Nicht immer war es der Rücken, vor zwei Jahren musste er die Saison frühzeitig wegen eines Daumenbruchs ­abbrechen.

Die schönen Momente gab es aber auch, etwa das Weltcup-­Debüt mit 19 Jahren am Chuenisbärgli. Bei den Klassikern von Wengen, Kitzbühel und Schladming stand er mehrmals am Start. Als Höhepunkt pflückt er die Saison 2014/15 heraus, wo er in Zagreb zum ersten und einzigen Mal in die Punkteränge fuhr und auch im Europacup ganz vorne dabei war. Zu jener Zeit hätte wohl kaum einer gedacht, dass Niederbergers Weg 2018 ein Ende findet. Er gehörte zu der­jenigen Slalom-Gruppe, die ­momentan im Weltcup Erfolge feiert. Er teilte sich Trainingspisten und Hotelzimmer mit Daniel Yule, Luca Aerni oder auch Reto Schmidiger. Mit ihnen fiebert er nach wie vor mit, fast wie ein Teammitglied. So auch am letzten Sonntag, als Yule in Kitzbühel Dritter wurde. «Solche Erfolge freuen mich riesig, da juble ich zu Hause vor dem Fernseher.» Dass er zuschauen muss, wenn einige seiner ehemaligen Weggefährten nun bei Olympia antreten, scheint ihm nichts aus­zumachen. «Damit tue ich mich nicht schwer. Ich werde auch dann mitfiebern.» Und vielleicht offenbart diese Aussage eines der Hauptprobleme in Bernhard Niederbergers Karriere. Vielfach dachte er zuerst an die andern, wollte es möglichst allen recht machen. Er sagt: «Es kann sein, dass ich zu wenig arrogant war. Oder zu wenig egoistisch.»

Jetzt war es aber Niederberger ganz alleine, der sich zum Rücktritt entschied. Einbezogen hat er niemanden beim Abwägen von Pro und Kontra. Weder Familie, noch Freunde, noch Swiss-Ski. «Zwischen Oktober und Dezember trug ich dieses Thema mit mir herum. Manchmal habe ich nicht gut geschlafen.» Die immer noch unerfüllten Träume auf den berühmtesten Slalom-Hängen waren hartnäckig im Hinterkopf, doch auf der anderen Seite musste er sich eingestehen, dass der Rücken Leistungen am Limit nicht mehr zuliess.

Stöcke «für eine halbe Armee»

Als die Entscheidung gereift war, informierte Niederberger Familie, Sponsoren und Verband. «Das war hart. Aber nur bis ich den Rücktritt ausgesprochen hatte. Ab dann war alles anders. Der ganze Druck fiel ab.» Kurze Zeit später nahm er die Arbeit in einem Sanitär-Geschäft auf, wo er nach den Sommerferien auch eine Lehre machen wird.

Es ist ein abrupter Wechsel, ein Kaltstart ins neue Leben. Noch im August bereitete er sich mit voller Entschlossenheit auf die neue Saison vor, jetzt geht er einem handwerklichen Beruf nach. Der Spitzensport ist noch präsent im Haus hinter der Kirche in Beckenried. Doch eigentlich nur wegen der acht Ski-Paare und der Stöcke «für eine halbe Armee» (Niederberger), die im Keller stehen, aber eigentlich nicht mehr ihm gehören. Für unseren Fotografen verlädt er die Ski schon mal in sein Auto. In den nächsten Tagen wird er das Material dem Hersteller zurückbringen müssen. Der definitive Schlusspunkt hinter der Karriere.

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