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SNOWBOARD: Zurück aus einer tränenreichen Zeit

Ein Schleudertrauma kostet Jessica Keiser ein ganzes Sportjahr. Jetzt ist die 19-Jährige aus Oberdorf zurück und greift wieder voll an. Das nächste Mal an der Universiade in Trentino.
Hofft, in dieser Saison wieder grosse sportliche Sprünge machen zu können: Snowboarderin Jessica Keiser (19) aus Oberdorf in der Schweizer Delegationskleidung für die Universiade. (Bild Kurt Grüter)

Hofft, in dieser Saison wieder grosse sportliche Sprünge machen zu können: Snowboarderin Jessica Keiser (19) aus Oberdorf in der Schweizer Delegationskleidung für die Universiade. (Bild Kurt Grüter)

Bei Jessica Keiser (19) muss man nur das Wort Snowboard erwähnen, dann beginnt ein Vulkan zu sprudeln. Dann wird innert Sekunden klar, wofür ihr Herz schlägt, welches ihre ganz grosse Passion ist. «Snowboarden ist für mich einfach das Grösste. Kein Lauf ist gleich wie der andere, keine Kurve ist wie die vorherige. Man steht bei jedem Schwung vor einer neuen Herausforderung.» Dazu kommt in den Rennen mit dem attraktiven K.-o.-System der direkte Kampf mit der Gegnerin auf der Parallelpiste. «Diese Duelle sind ein zusätzlicher Kick. Wenn man sich aus dem Starttor katapultiert, hat man immer eine Siegeschance – sogar gegen stärkere Fahrerinnen. Auch sie müssen den Lauf zuerst sicher ins Ziel bringen.» Wenn die Oberdorferin dabei wählen kann, bevorzugt sie den Slalom gegenüber dem Riesenslalom. «Er ist technisch anspruchsvoller und deshalb reizvoller.»

Dass Snowboard nicht nur reizvoll, sondern auch gefährlich sein kann, musste Jessica Keiser im September 2012 schmerzlich erfahren. Sie stürzte in der Schneehalle im niederländischen Landgraaf im Training in einer Kurve kopfüber aufs Eis. «Ein Sturz, wie er halt passieren kann.» Sie schenkte ihm keine grosse Aufmerksamkeit und trainierte im ersten Moment weiter. Erst einsetzende starke Kopfschmerzen zeigten ihr, dass sie sich ernsthafter verletzt haben musste. Als später auch noch Konzentrationsstörungen dazukamen, liess sie sich genau untersuchen. Dabei wurde ein Schleudertrauma diagnostiziert, das sie die ganze letzte Saison ausser Gefecht setzte. «Es war eine tränenreiche Zeit», erinnert sie sich. «Ich hoffte immer wieder, dass eine schnelle Rückkehr auf die Pisten möglich sein würde, musste mich jedoch immer wieder eines anderen belehren lassen.» Erst eine lange Regenerationspause mit viel Ruhe und Schlaf brachte die erhoffte Besserung.

Mental stark gemacht

Im Sommer folgte ein vorsichtiger Neuaufbau mit qualifizierten Fitness- und Konditionstrainern des One-Trainingscenters in Stans, die mit ihren Ernährungs- und Trainingsplänen einen wichtigen Beitrag leisteten. «Sie haben mich konditionell den ganzen Herbst aufgebaut, wobei uns immer klar war, dass wir das verpasste Jahr nicht in drei Monaten würden nachholen können.» Auch die ersten Schneetrainings ging sie vorsichtig an, machte aber technisch schnell wieder Fortschritte. «Ich lasse mich nach der einjährigen Verletzungspause nicht unter Druck setzen. Wenn die Gesundheit aber so mitmacht wie jetzt, werde ich im Winter wieder Vollgas geben können», verspricht sie. Und eines ist ihr klar: «Die Verletzung hat mich zwar sportlich zurückgeworfen. Auf mentalem Gebiet hat sie mich dafür extrem stark gemacht.»

Vorliebe für die Niederlande

Wenn man sich auf der Homepage von Jessica Keiser ein bisschen umsieht, merkt man schnell, dass sie eine spezielle Beziehung zu den Niederlanden hat. Sie trainiert mit ihrem Fist-Privatteam jeden Herbst mindestens eine Woche dort und hat sich im Selbststudium auch Niederländisch beigebracht. Woher aber kommt die Liebe zu diesem für eine Snowboarderin nicht gerade idealen Flachland? Sie lacht. «Irgendwie bin ich von klein auf immer wieder auf Niederländer gestossen – war es in den Ferien oder sonst wo. So ist die Sympathie für dieses Volk entstanden.» Inzwischen spricht sie so gut niederländisch, dass sie, wenn möglich, Filme in dieser Sprache anschaut und sich mit ihren beiden niederländischen Teamkollegen im Fist-Team in deren Muttersprache unterhält. Und dieses Land hat noch eine Überraschung bereit: «In Landgraaf und Zoetermeer stehen Schneehallen, die das ganze Jahr täglich von 7 bis 23 Uhr geöffnet haben. In Landgraaf bestritt Jessica Keiser vor kurzem auch die ersten Rennen in diesem Winter. Mit zwei FIS-Rennen und den Rängen 14 und 15 gab sie nach der einjährigen Verletzungspause ihr Wettkampf-Comeback. «Es ist ein grossartiges Gefühl, sich wieder aus den Startblöcken zu katapultieren und sich mit der Konkurrenz messen zu können» erzählt die Nidwaldnerin mit einem strahlenden Lachen im Gesicht.

Erstes Saisonziel erreicht

Neben dem Sport ist Jessica Keiser, die ihre Passion selber berappen muss und deshalb immer auf der Suche nach Sponsoren ist, auch eine berufliche Ausbildung wichtig. Und das nicht erst seit ihrem Sturz, der aufgezeigt hat, wie schnell ihre sportliche Karriere zu Ende sein könnte. In den vergangenen zwei Jahren besuchte sie am Hochalpinen Institut Ftan in Graubünden die Swiss Olympic Sport School und schloss die Matura mit Bravour ab. Seit August ist sie Studentin an der Schweizer Fernfachhochschule. Ihr Ziel ist der Erwerb des Bachelor of Science in Betriebsökonomie. «Mit der Fernhochschule habe ich ein Institut gefunden, das mich beim nicht immer einfachen Spagat zwischen Training, Wettkämpfen und Ausbildung unterstützt und mir ein Studium mit Verlängerung auf neun Semester anbietet.» So hat sie genügend Zeit, dem Rennsport nachzugehen.

Zwei spezielle Ziele

Nach der Aufnahme ins B-Kader von Swiss Snowboard bestreitet sie in diesem Winter die Europa-Cup-Tour und als Ergänzung einige FIS-Rennen. Als Ziele gibt sie die Teilnahme an der Weltmeisterschaft der Junioren Ende März in Valmalenco (It) sowie der Universiade Mitte Dezember in Trentino (It) an. Das zweite Ziel hat sie bereits erreicht. «Ich freue mich, dort dabei sein zu können. Ich sehe es als Belohnung für meinen Aufwand, neben dem Sport noch einem Studium nachzugehen.»

Da sie das Teilnehmerfeld in Trentino nicht kennt, ist es für sie schwierig, ihre Erwartungen zu formulieren. Sie freut sich in erster Linie mit Patrizia Kummer, der Gesamtweltcupsiegerin der beiden letzten Winter, für die Schweiz starten und ihr Bestes geben zu können. Auch in Trentino gilt für sie eine einfache Devise: «Ich komme nach einer Verletzung aus dem Nichts zurück. Wunder darf man noch keine erwarten. Wenn meine Gesundheit mitmacht, traue ich mir gute Resultate zu.» Zu gönnen wäre es der zielstrebigen und sympathisch aufgestellten Nidwaldnerin.

2500 Aktive kämpfen um 480 Medaillen

In Predazzo, Lago di Tesero, Monte Bondone, Pozza di Fasso und Trento findet vom 11. bis 21. Dezember 2013 die 26. Winter-Universiade statt. Erwartet werden rund 2500 Wintersportler und Wintersportlerinnen aus knapp 60 Nationen. In 79 Schnee- und Eissportarten werden dabei 480 Medaillen vergeben.

Der Schweizer Hochschulsport-Verband (SHSV) hat 58 Athleten aus den Sportarten Curling, Eiskunstlauf, Nordische Kombination, Ski alpin, Freestyle Skiing, Ski nordisch, Skispringen und Snowboarden selektioniert.

Aus der Zentralschweiz sind sechs Athleten mit dabei. Curling: Rainer Kobler (Meggen/Uni St. Gallen), Stefan Meienberg (Steinhausen/HS Luzern). – Ski alpin: Simona Candrian (Unterägeri/Uni Fribourg), Andrea Ellenberger (Hergiswil NW/EHS Magglingen). – Ski nordisch: Carmen Emmenegger (Flühli/Uni Bern). – Snowboard: Jessica Keiser (Oberdorf NW/Fernfachhochschule Schweiz)
Infos unter: www.shsv.ch

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