So erlebten die neuen Regierungsräte in Ob- und Nidwalden ihre ersten 111 Tage

Michèle Blöchliger, Joe Christen, Christian Schäli und Daniel Wyler sind seit Anfang Juli Regierungsräte. Sie erzählen, wie sie sich in ihrem neuen Amt zurechtfinden und wie sich ihr Leben verändert hat.

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Michèle Blöchliger, SVP, Nidwalden

Michèle Blöchliger. (Bild: Corinne Glanzmann (Stans, 09. Oktober 2018))

Michèle Blöchliger. (Bild: Corinne Glanzmann (Stans, 09. Oktober 2018))

Seit dem 1. Juli ist Michèle Blöchligers Arbeitsplatz ein helles Eckbüro an der Engelbergstrasse 34 in Stans. Schlicht eingerichtet, die Möbel ihrer Vorgängerin Yvonne von Deschwanden etwas neu angeordnet, an den Wänden zwei Bilder von Nidwaldner Künstlern aus dem Kulturgüterschutz des Nidwaldner Museums als Farbtupfer. «Ich bin sehr gut aufgenommen worden», berichtet die Gesundheits- und Sozialdirektorin. «Ich habe ein tolles und motiviertes Team angetroffen, das schon lange zusammenarbeitet.» Den ersten Monat bis zu ihren Ferien habe sie genutzt, um sich in die verschiedenen Themen ihrer Direktion einzulesen. «Ich denke, mittlerweile habe ich eine gute Flughöhe bei den Dossiers», sagt sie. «Ich arbeite sehr gerne im Team.»

Vielleicht hätten sich ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auch ein wenig an ihre Arbeitsweise gewöhnen müssen: «Ich mache die Dinge gerne selber.» So verfasse sie Grussworte oder Präsentationen wenn möglich selber. «Das Fachtechnische lasse ich mir vorbereiten.» Zum Einarbeiten habe sie mit allen Amtsleitern Gespräche geführt und sei auch bei allen Ämtern vorbeigegangen. Bis Ende Jahr will sie alle Sozialvorsteher in den Gemeinden besucht haben sowie auch sämtliche Alters- und Pflegeheime des Kantons. Und schon vor dem 1. Juli hat sie während zweier Tage das Kantonsspital Nidwalden besucht. «Da habe ich mich über jede Abteilung informieren lassen und mit den Mitarbeitern gesprochen.

Ihre neue Aufgabe sei kaum vergleichbar mit ihren früheren Tätigkeiten als Anwältin, bei einer Bank oder als Geschäftsführerin eines kleinen KMU. Am wenigsten geändert habe sich beim Familienleben. «Seit wir Kinder haben, habe ich immer zu 60 bis 100 Prozent gearbeitet». Früher hätte die Familie eine Kinderbetreuerin gehabt. Jetzt seien ihre drei Kinder in der Oberstufe. «Da geht es etwa vor allem darum, die Transporte zu den diversen Hobbys zu organisieren», sagt sie.

Sie habe eine sehr gut aufgestellte Direktion übernehmen dürfen, hält sie fest. «Ich habe mich schon vor dem Amtsantritt mit den Themen auseinandergesetzt», sagt Michèle Blöchliger. Die wichtigsten seien die Weiterentwicklung der Spitalzusammenarbeit Lunis, das Altersleitbild inklusive Pflegebetten-Planung sowie die Neuerung im Asylwesen. (mu)

Joe Christen, FDP, Nidwalden

Joe Christen. (Bild: Corinne Glanzmann (Stans, 09. Oktober 2018))

Joe Christen. (Bild: Corinne Glanzmann (Stans, 09. Oktober 2018))

«Ich bin sehr gut aufgenommen worden», sagt Landwirtschafts- und Umweltdirektor Joe Christen (FDP) zu seinem Start im Regierungsamt. Und räumt ein: «Ich bin jetzt den vierten Monat hier und mache mir nicht die Illusion, ich verstünde schon alles.» Er sei schon mit einigen Themen konfrontiert worden. «Bereits an meinem ersten Tag habe ich einen Workshop zum Energieleitbild moderiert», erzählt er beim Gespräch. Der sei von Vorgänger Ueli Amstad und den Mitarbeitern sehr gut vorbereitet worden.

Sein Büro hat er neu eingerichtet. Die ursprünglichen Möbel seien schon beim Amtsantritt von Ueli Amstad Occasion gewesen. Platz für einen Besprechungstisch hat es nicht, ein kleines Stehtischchen muss reichen. An die Wände hat er vier Vergrösserungen von Fotos aus seiner Zeit im kanadischen Calgary vor über 30 Jahren gehängt. Zwei davon hat er selber geschossen.

Im Stanser Gemeinderat habe er schon 12 Jahre üben können, wie Exekutivarbeit funktioniert, meint er. «Diese Erfahrung hilft mir, denn die Abläufe, wie ein Geschäft vorbereitet und präsentiert wird, sind im Regierungsrat ganz ähnlich.» Auch seine frühere Tätigkeit in der Verwaltung – er hat sich um den Landerwerb für kantonale Infrastrukturprojekte gekümmert – nütze ihm jetzt. Geändert habe sich der Tagesrhythmus: «Ich bin zwar mein eigener Chef, aber doch sehr stark fremdgesteuert». Neben internen Terminen gebe es auch noch die Arbeit in verschiedenen Fachkonferenzen, wie etwa jener der Kantonalen Landwirtschafts- oder Umweltdirektoren. Die Begegnungen mit den Nidwaldnerinnen und Nidwaldnern machten ihm sehr viel Spass: «Am vergangenen Wochenende war ich an der Grossviehschau, das Wochenende zuvor an der Kleinviehschau. Die Leute schätzen das, wenn wir Regierungsräte beim Volk sind.»

In seinen Bereichen wartet der eine oder andere Brocken auf ihn. «Dieses Jahr möchten wir noch das kantonale Energieleitbild verabschieden und im kommenden Jahr das kantonale Energiegesetz in die Vernehmlassung geben.» Und dann stehe vor den Sommerferien der Rahmenkredit für die Landwirtschaft an. Das Waldgesetz, die Schutzwaldprojekte und die Agrarpolitik des Bundes beschäftigten ihn ebenfalls. (mu)

Christian Schäli, CSP, Obwalden

Christian Schäli. (Bild: Corinne Glanzmann (Sarnen, 10. Oktober 2018))

Christian Schäli. (Bild: Corinne Glanzmann (Sarnen, 10. Oktober 2018))

«Mir ist es sehr wohl, eine derartige Vielfalt bei der Arbeit habe ich so nicht erwartet», stellt Christian Schäli (CSP), der neue Leiter des Obwaldner Bildungs- und Kulturdepartements, nach den ersten Wochen im Amt zufrieden fest. Die Ablehnung des Finanzpakets in der Volksabstimmung vom 23. September habe ihm den Einstieg zwar nicht erleichtert. «Die Finanzen stehen halt über allem und spielen überall rein.» Im Moment werde die Situation von der Regierung analysiert. Ein Abstimmungsentscheid wie dieser braucht laut Christian Schäli eine etwas distanzierte Sicht. Das Volk habe einen politischen Auftrag erteilt, was ohne Wenn und Aber zu akzeptieren sei. «Wir müssen nun den Weg suchen, wie wir diesen umsetzen.» Aufgefallen ist Christian Schäli das vermehrte Interesse der Öffentlichkeit. Er fühle sich zwar nicht beobachtet und es störe ihn auch nicht, vermehrt im Fokus zu stehen, «aber man ist halt rund um die Uhr Regierungsrat, also auch, wenn man privat unterwegs ist». Wichtig sei, dass man authentisch bleibe und sich nicht verbiege.

Für den Einstieg ins Amt war auch Christian Schäli nicht allzu viel Zeit gegönnt, zweieinhalb Monate nach der Wahl ging es bereits los. Er sei jetzt noch daran, sich in Geschäfte einzulesen. Im Bereich der Bildung habe er glücklicherweise durch die detaillierte Auslegeordnung im Zusammenhang mit der BIG-Motion im Kantonsrat bereits viel Wissen. «Und vieles in diesem Job entsteht auch durch ‹Learning by Doing›.» Er sei sehr wohlwollend aufgenommen worden. «Es war gar nicht nötig, irgendwo zuerst das Eis zu brechen. Was ich bis jetzt gesehen habe, verfügen wir im Departement über sehr motivierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die einen guten Job machen.»

Sehr erfreut ist Christian Schäli auch, dass – zumindest bis anhin – genug Zeit für seine Familie geblieben ist. Es habe sich einfach etwas verschoben. Im Gegensatz zu vorher fahre er jetzt falls möglich am Mittag zum Essen nach Kerns nach Hause. «Ich habe mir wegen meiner neuen Arbeit extra ein Elektrovelo angeschafft.» (unp)

Daniel Wyler, SVP, Obwalden

Daniel Wyler. (Bild: Corinne Glanzmann (Sarnen, 17. Oktober 2018))

Daniel Wyler. (Bild: Corinne Glanzmann (Sarnen, 17. Oktober 2018))

Daniel Wyler (SVP) lacht. «Das sind schon 111 Tage, seit ich im Amt bin?» Es ist nicht erstaunlich, dass die Zeit für den neuen Regierungsrat wie im Flug vergangen ist. Er betont, dass es enorm Spass mache, weil das Volkswirtschaftsdepartement ein riesiges Gebiet umfasse und extrem abwechslungsreich sei.

Allerdings hat sich in Daniel Wylers Leben doch einiges verändert. «Es ist nicht mehr so gut strukturiert oder planbar, es gibt viele Überraschungen und Repräsentationspflichten, insbesondere am Abend.» Er sei bereits am Planen der zweiten Jahreshälfte 2019. Es gebe halt immer wieder Terminkollisionen, wo man dann abwägen müsse. Die Erwartungshaltung, dass viele den «Neuen» kennen lernen wollen, sei ja schön, «aber manchmal ist es schon schwierig, alles unter einen Hut zu bringen.» Mit seiner Familie hat Daniel Wyler deshalb eine Abmachung, jedes Wochenende bleibt ein Tag unverplant und frei für die Familie.

Er habe sich aber bestens eingelebt. «Die Übergabe von Niklaus Bleiker an mich war sehr gut vorbereitet, das habe ich sehr geschätzt.» Daniel Wyler liess sich auf allen Ebenen von den Teams informieren. «Es ist nicht meine Aufgabe, ihren Job zu machen, aber ich muss die Zusammenhänge kennen. Mittlerweile habe ich einigermassen den Überblick, jetzt folgen die Details.» Das werde sicher noch bis Mitte nächstes Jahr in Anspruch nehmen. Überrascht habe ihn, wie komplex viele Abläufe seien, insbesondere bei der Zusammenarbeit mit dem Bund.

Sehr gefreut hat Daniel Wyler, dass er im Departement motivierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter habe, die ihn unterstützten. Im Regierungsrat seien natürlich nicht immer alle gleicher Meinung, aber «es herrscht eine gute Diskussionskultur, wo der Respekt nie verloren geht». Man suche gemeinsam Lösungen und ziehe nach der Entscheidung am gleichen Strick.

Dass kurz nach seinem Amtsantritt das Finanzpaket abgelehnt wurde, hat auch Daniel Wyler den Einstieg nicht gerade erleichtert. Es sei zwar schon viel gespart worden, nun sei die Frage, was noch möglich sei. Das werde nicht spurlos an der Bevölkerung vorbeigehen, was man klar aufzeigen müsse. «Es braucht sicher Kompromisse von allen Seiten. Wir kommen sicher nicht an den drei Punkten Sparen, Abschreibungen und Steuererhöhungen vorbei.» (unp)