So feiern junge Migranten aus Nid- und Obwalden Weihnachten

Die meisten von ihnen sind aus ihrer Heimat geflüchtet und haben in Nidwalden oder Obwalden ein neues Zuhause gefunden. Vier Migranten, die in Stans ein schulisches Brückenangebot absolvieren, erzählen von ihren Plänen für die Festtage.

Nadja Häcki
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Javad Ghazi (21), Afghanistan/Iran

Javad Ghazi. (Bild: Corinne Glanzmann (Stans, 18. Dezember 2018))

Javad Ghazi. (Bild: Corinne Glanzmann (Stans, 18. Dezember 2018))

«Früher kannte ich Weihnachten nicht. Ich wusste nicht, warum die Christen dieses Fest feiern,» erklärt Javad. Seit der 21-Jährige in der Schweiz ist, interessiert sich der engagierte junge Mann aber für das Christentum und hat schon viel darüber gelesen. «Ich habe eine Bibel zu Hause, eine Seite ist auf Persisch und die andere Seite ist auf Deutsch.» Für Weihnachten hat er viele Pläne: So hilft er mit, wenn der Christliche Treffpunkt Stans in diesen Tagen eine interkulturelle Weihnacht feiert. «Ich habe auch andere afghanische Leute, die ich kenne, dazu eingeladen.» Dort würden sie Lieder auf Persisch, Kurdisch usw. singen. Am 23. Dezember sei dann eine Feier des Treffpunkts, wo die Christen zusammen beten würden.

Mit der Familie im Iran telefoniert er in dieser Zeit häufig. «Sie feiert Weihnachten aber nicht. Sie haben am 21. Dezember eine islamische Feier, ein anderes Fest.» Zum Schluss sagt Javad: «Weihnachten bedeutet für mich Friede und Freude im Herzen.» Ob er am 24. Dezember selber irgendwo feiert, weiss er noch nicht. Er schaue spontan. Für das neue Jahr hat er bereits einige Pläne: Zuerst möchte er eine Praktikumsstelle finden, zum Beispiel als Parkettleger, gleichzeitig beginnt er ab Januar einen Kurs, damit er Leiter im Christlichen Treffpunkt sein darf.

Nazret Simon (25), Eritrea

Nazret Simon. (Bild: Corinne Glanzmann (Stans, 18. Dezember 2018))

Nazret Simon. (Bild: Corinne Glanzmann (Stans, 18. Dezember 2018))

Nazret feierte früher am 7. Januar Weihnachten. An diesem Tag sei für die Eritreer Jesus geboren, daher der terminliche Unterschied zu uns. Spezielles eritreisches Essen ist zum Beispiel Zigni, ein sehr scharfes Gericht aus Rindfleisch, Zwiebeln, Knoblauch etc. In der Schweiz möchte die Schülerin mit ihrem Bruder feiern, der in Glarus wohnt. Er ist der einzige Verwandte von ihr in ihrer neuen Heimat. Da er aber im Moment eine Lehre als Kellner absolviert, wisse sie nicht, ob er Zeit hat am 24. oder 25. Dezember. Gefeiert wird Weihnachten auch in der Kirche: «Wir singen und beten die ganze Nacht, machen dünne Kerzen und alle tragen weisse Kleider.» Die 25-Jährige mag auch, dass man sich zu diesem Fest gegenseitig Geschenke macht. Was sie anderen in diesem Jahr schenkt, will sie uns nicht verraten. Für das nächste Jahr wünscht sich die Afrikanerin, dass sie ein Praktikum im Gesundheitsbereich findet und dann ins Kombinierte Brückenangebot in Stans wechseln kann.

Saba Meer (17), Portugal/Pakistan

Saba Meer. (Bild: Corinne Glanzmann (Stans, 18. Dezember 2018))

Saba Meer. (Bild: Corinne Glanzmann (Stans, 18. Dezember 2018))

«Er ist unser jüngster Prophet, deshalb feiere ich als Muslimin auch Weihnachten», erzählt Saba voller Begeisterung. Als Muslimin glaube sie auch an die Heilige Maria. Dadurch sei Weihnachten nicht das grösste Fest in ihrem Glauben, aber trotzdem wichtig. «Ich mag diese Weihnachtszeit sehr, am meisten ‹Santa Clause›.» Das dem wirklich so ist, beweist die 17-Jährige dann auch gleich mit haufenweise Geschenken, die sie Mitschülerinnen und -schülern mitbringt und auch die Lehrpersonen erhalten ein persönliches und von Herzen kommendes Geschenk. Die Frohnatur ist in Pakistan aufgewachsen und 2014 mit ihrer Familie nach Portugal umgezogen. Inzwischen ist dieses Jahr ihr zweites Weihnachtsfest in der Schweiz. Sie und ihre Geschwister haben für daheim eine Krippe gebastelt. Ihr Zimmer hat Saba mit selbstgemalten Bildern verziert. «Ich liebe das Malen», sagt sie. Kontakt zu anderen Angehörigen hat die Schülerin in dieser Zeit nicht. «Wir sind sehr viele Leute, das macht es schwierig. Wir sind auch überall auf der Welt verstreut», erzählt sie lachend. «In meiner Kultur sind die Familien sehr gross.»

Khalid Cabdirahman (18), Somalia

Khalid Cabdirahman. Bild: Corinne Glanzmann (Stans, 18. Dezember 2018)

Khalid Cabdirahman. Bild: Corinne Glanzmann (Stans, 18. Dezember 2018)

Weihnachten hat Khalid noch nie gefeiert. Als Muslime feiere man dieses Fest nicht. Er ist aber im Vorjahr an Heiligabend mit einem Kollegen nach Luzern gegangen und hat die Stimmung genossen. Dort hat er aber auch etwas beobachtet, das ihm missfällt. «Ich mag nicht, dass die Leute Alkohol trinken. In meinem Glauben darf man das nicht. Sehr schön finde ich aber, dass die Häuser und die Strassen so toll geschmückt sind.» Der 18-Jährige hat selber keinen Lichterschmuck zu Hause.

Im Islam sind zwei Feste sehr wichtig: das Fest des Fastenbrechens (Eid al-Fitr) nach dem einmonatigen Ramadan und das Islamische Opferfest (Eid al-Adha) zur Wallfahrt nach Mekka. Dieses Jahr will Khalid auch wieder nach Luzern gehen an Weihnachten. «Mich interessiert vor allem, ob die Leute spezielle Kleider tragen für das Fest. In Somalia haben wir dafür immer traditionelle, schöne Kleider getragen.»