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So hat sich das Psychomotorik-Angebot in den 30 Jahren entwickelt

Vor 30 Jahren wurde in Nidwalden die erste Psychomotorik-Therapeutin angestellt. Heute ist das Angebot kantonal verankert und wird von rund 140 Kindern jährlich beansprucht.
Matthias Piazza
Teamleiterin Alice Schürmann im Therapiezimmer. (Bild: Matthias Piazza (Stans, 13. September 2018))

Teamleiterin Alice Schürmann im Therapiezimmer. (Bild: Matthias Piazza (Stans, 13. September 2018))

Auf den ersten Blick wähnt man sich in einem Gymnastikraum: eine Sprossenwand, verschiedene Arten von Bällen, Matten. Um Sport im eigentlichen Sinne geht es hier, im ersten Stock des Schulzentrums Turmatt in Stans, aber nicht. Die zwei Kinder sind zwar im Sporttenue, sitzen aber an einem Tisch, über ihre Blätter gebeugt. Mit Schreibübungen trainieren sie ihre handschriftlichen Fähigkeiten als Teil ihrer Psychomotoriktherapie.

«Wenn ein Kind unsicher, ängstlich ist, bewegt es sich anders, als wenn es glücklich ist. Kann es mit den anderen in seinen Bewegungen nicht mithalten, kann sein Selbstwertgefühl leiden. Zwischen der Gefühlswelt und dem Bewegungsverhalten gibt es eine Wechselwirkung. Mit diesem Hintergrund arbeiten wir mit den Kindern», umschreibt Alice Schürmann das Angebot. Die 53-Jährige steht einem vierköpfigen Team vor, das sich 210 Stellenprozente teilt und im Schuljahr rund 140 Kinder aus allen Nidwaldner Gemeinden unterstützt.

Es begann 1988 mit einer Therapeutin

Die Institution, die normalerweise kaum von der Öffentlichkeit wahrgenommen wird, feiert dieses Jahr ihr 30-Jahr-Jubiläum. 1988 stellte der damalige Stanser Schulrat eine Psychomotorik-Therapeutin an, als erste in einer Nidwaldner Volksschule. 1994, mit der Gründung des Gemeindeverbandes für sonderpädagogische Massnahmen, war die Psychomotorik Schülern aller Nidwaldner Gemeinden zugänglich. Seit 2005 ist der Kanton für die sonderpädagogischen Massnahmen zuständig. Zwei Jahre später durfte der Dienst in die optimal eingerichteten Räume des neuen Schulzentrum Turmatt zügeln.

Auf spielerische Art versuchen die Therapeutinnen die Bewegungen des Körpers, die ­Gefühlswelt und das Denken in Einklang zu bringen. Wahrnehmungsschwierigkeiten, Probleme mit der Handschrift oder im Sportunterricht könnten alles Anzeichen sein, dass eine Psychomotoriktherapie angezeigt sei. «Oft fehlt den Kindern auch die Körperspannung. Das zeigt sich darin, dass sie beim Fussball spielen nicht stoppen können, wenn sie rennen und dieses Defizit überspielen, indem sie sich cool auf den Boden fallen lassen», nennt Alice Schürmann ein Beispiel. Zu einer Therapie komme es nur, wenn beim Kind ein Leidensdruck besteht.

Eltern können – meistens in Absprache mit den Lehrern oder dem Arzt – eine Anmeldung bei der Psychomotoriktherapie vornehmen. Dies hat auch eine Mutter gemacht, die im Jubiläumsfilm vorkommt. «Ich stellte fest, dass mein Sohn Probleme mit der Bewegung hat. Sein zweieinhalb Jahre jüngerer Bruder überholte ihn diesbezüglich gar», erzählt sie. Dank der Therapie habe ihr Sohn erfreuliche Fortschritte gemacht. Von nachhaltigen Erfahrungen mit der Therapie spricht auch Lukas, der mit einer Bewegungsstörung auf die Welt kam und als junger Mann Feuerwehrdienst leistet.

Digitale Medien verleiten zum «Nichtstun»

Die Nachfrage nach der Therapie ist gross, es gibt eine Warteliste. Auch gesellschaftliche Entwicklungen würden zum Bedarf beitragen. «Mit den digitalen Medien können sich die Kinder stundenlang beschäftigen, ohne dass sie sich bewegen müssen.»

In der Regel dauert die Therapie zwei Jahre und findet wöchentlich statt. Die Zusammenarbeit mit den Eltern ist neben der Therapiearbeit mit den Schülern, eine zentrale Aufgabe. «Es ist wichtig, dass die Eltern unsere Anregungen aufnehmen können, wenn wir ihnen empfehlen, zum Beispiel mit ihrem Kind auf den Spielplatz zu gehen», so Alice Schürmann. Das setzt eine Vertrauensbasis zwischen Eltern und Therapeutin voraus. Zudem sei der Austausch mit den Lehrpersonen und weiteren beteiligten Fachpersonen unabdingbar für den Erfolg der Psychomotoriktherapie.

Sie möchte auch präventiv arbeiten

Das therapeutische Angebot könne viel bewirken, besonders wenn die Therapie schon im Kindergarten beginnen kann. «Die Kinder gehen gestärkt und mit mehr Selbstvertrauen durchs Leben», weiss sie aus ihrer 20-jährigen Tätigkeit als Psychomotoriktherapeutin. Sie erinnert sich an einen ehemaligen Schützling, der eine schwierige Phase durchlebt habe. Jahre später begegnete sie einer jungen Persönlichkeit, die ihren Weg gefunden hatte.

Trotz optimaler Infrastruktur im Schulzentrum Turmatt und der Anerkennung des Angebots durch den Kanton sei noch ein Wunsch offen: nämlich auch präventiv arbeiten zu können.

Den Film über die Psychomotorik finden Sie auf www.nw.ch/psmot

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