Späterer Schuleintritt kommt im Kanton Nidwalden gut an

Rund ein Drittel der Nidwaldner Kinder könnte künftig ein Jahr später als bisher in die Schule gehen. Dieses Vorhaben der Regierung wird in der Vernehmlassung begrüsst. Es gibt aber auch Kritik – sogar verwaltungsintern.

Christian Glaus
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Themenbilder / Symbolbilder SekundarschuleFotografiert am 27. März 2018 in der Sekundarschule in Willisau. Schüler Lehrer Unterricht Schulzimmer KlasseLZ Boris Bürgisser

Themenbilder / Symbolbilder Sekundarschule
Fotografiert am 27. März 2018 in der Sekundarschule in Willisau. Schüler Lehrer Unterricht Schulzimmer Klasse

LZ Boris Bürgisser

Sechs Jahre und anderthalb Monate: Dieses Alter haben die jüngsten Kinder, wenn sie im Kanton Nidwalden eingeschult werden. Künftig sollen die Jüngsten beim Schuleintritt knapp sechseinhalb Jahre alt sein. Die Regierung will den Stichtag von aktuell Ende Juni auf Ende Februar verschieben (wir berichteten). Dadurch würde künftig rund ein Drittel aller Kinder ein Jahr später eingeschult.

Diesen Vorschlag hat der Regierungsrat Anfang Jahr in die Vernehmlassung geschickt. Die Reaktionen seien mehrheitlich positiv, schreibt die Regierung nun nach Auswertung der Vernehmlassungsantworten. 26 Stellungnahmen wurden abgegeben. Drei Viertel hätten der Vorlage zugestimmt, heisst es im Bericht.

Deshalb legt die Regierung die Teilrevision des Volksschulgesetzes ohne weitere Änderungen dem Landrat vor. Das Parlament wird im Herbst darüber beraten. Damit würden die Nidwaldner Kinder beim Schuleintritt künftig schweizweit zu den ältesten gehören. In Zug ist der Stichtag ebenfalls Ende Februar, in Graubünden Ende Januar. Die meisten anderen Kantone haben aufgrund der Harmonisierung des Schulsystems (Harmos) den 31. Juli gewählt.

Linke sind skeptisch

Der Nidwaldner Bildungsdirektor Res Schmid ist «positiv überrascht» von der deutlichen Zustimmung in der Vernehmlassung. «Eine Korrektur des Eintrittsalters wird von breiteren Kreisen gewünscht als erwartet.» Bei den Parteien zeige sich ein klares Bild. «Links-Grün steht den Änderungen am Skeptischsten gegenüber. Die bürgerlichen Parteien unterstützen den Vorschlag.» Somit ist auch klar: Schmid hat die Mehrheiten im Landrat auf seiner Seite. Von der Erhöhung des Schuleintrittsalters erhofft er sich mehrere Vorteile, die von verschiedenen Studien belegt werden:

  • Die Kinder können den Übergang vom Kindergarten in die Schule besser bewältigen.
  • Die negativen Effekte des Altersunterschieds in den Jahrgangsklassen können etwas gedämpft werden.
  • Der Anteil der Jugendlichen, die den Berufswahlprozess erfolgreich durchlaufen, kann erhöht werden.

Res Schmid ist überzeugt: «Wir tun den Jungen einen Gefallen.» Gerade die Jüngsten hätten Mühe, in der Schule still zu sitzen und dem Unterricht zu folgen. Zudem werden sie gemäss Studien häufiger gemobbt als ältere. Darunter würden viele auch nach der offiziellen Schulzeit leiden. Schmid glaubt deshalb, dass es beim Stichtag zu einer Trendwende kommt. Wurde dieser mit Harmos Richtung Sommer verschoben, würden nun mehrere Kantone über eine Vorverlegung Richtung Winter nachdenken. Eine solche Änderung plant derzeit auch Schwyz.

Schmid: Frühförderung ist Sache der Eltern

Allerdings werden in der Vernehmlassung auch gewichtige Bedenken geäussert. Im Fokus steht die Förderung der Schwächsten. Jener Kinder, die etwa nicht gut Deutsch sprechen, oder von ihren Eltern zuwenig in der Entwicklung unterstützt werden. Diese Kinder werden unter Umständen erst ein Jahr später als heute vom Kindergarten aufgefangen, was die Chancengleichheit schwächt. Schmid entgegnet, individuelle Förderung sei bereits vor dem Kindergarten möglich.

«Es liegt in der Verantwortung der Eltern, diese Angebote in Anspruch zu nehmen.»

Die Volkswirtschaftsdirektion weist in der internen Vernehmlassung zudem darauf hin, dass Eltern nach dem Eintritt ihres Kindes in den Kindergarten oftmals ihr Arbeitspensum erhöhen. Mit der vorgesehenen Änderung verschiebe sich dieser Zeitpunkt, was «volkswirtschaftlich wenig förderlich sei». Die Direktion regt an, dass Gesuche um frühere oder spätere Einschulung grosszügig bewilligt werden sollen. Das lehnt Schmid dezidiert ab: «Das würde dazu führen, dass wir jedes Jahr zahlreiche Ausnahmen bewilligen müssten, das System würde unterlaufen.»

Stimmt der Landrat der Teilrevision des Volksschulgesetzes zu, würden die Änderungen ab Sommer 2020 eingeführt. Der Stichtag würde – verteilt über mehrere Jahre – auf Ende Februar vorverschoben.

Nidwaldner Kinder sollen bei Schuleintritt älter sein

Die Bildungsdirektion Nidwalden will das Schuleintrittsalter um vier Monate heraufsetzen. Sie reagiert damit auf Rückmeldungen der Lehrerschaft und der Berufsbildung. Jetzt wird eine Gesetzesänderung angestossen.
Martin Uebelhart