Spitex-Angebot in Ob- und Nidwalden wird vielfältiger

Nebst den beiden kantonalen Spitex-Organisationen versuchen vermehrt Private in der Branche Fuss zu fassen.

Sandra Peter
Drucken
Teilen
Maria Christen von der Spitex Nidwalden pflegt eine Patientin.                                                                                                              Stefan Kaiser (Neue LZ)

Maria Christen von der Spitex Nidwalden pflegt eine Patientin.

Stefan Kaiser (Neue LZ)

Morgen Samstag ist nationaler Spitex-Tag. Er steht unter dem Motto «Hören und Zuhören». Die Spitex Nidwalden hat deswegen Lesungen mit dem Luzerner Schriftsteller Christoph Schwyzer organisiert. Denn den Texten von Schwyzer müsse man aufmerksam zuhören, auch wenn sie unterhaltsam seien, sagt Nicole Hermann, Leiterin Marketing und Kommunikation der Spitex.

Wie steht es um das Zuhören im Spitex-Alltag? «Um einfach so über Gott und die Welt zu plaudern, bleibt keine Zeit. Aber Zuhören ist ein wichtiger Teil der Arbeit», erklärt Nicole Hermann. Dabei gehe es darum, herauszufinden, was Klienten wollen oder wie es Ihnen geht und wo sie noch Unterstützung nötig hätten. «Manchmal muss man da auch ein bisschen zwischen den Zeilen lesen», weiss Hermann.

Nach und nach mischen auch private Anbieter im Pflegebereich mit. In Nidwalden sind sieben Unternehmen angemeldet und rund 40 Personen als Freiberufliche. Davon seien viele im Bereich der Kinder- und Mütterbetreuung tätig, so die Spitex Nidwalden, welche 160 Personen beschäftigt. «Das tangiert uns bisher wenig», sagt Hermann. «Wir haben in Nidwalden nach wie vor einen deckenden Marktanteil und sind weiterhin am Ausbauen. Wir suchen ständig neue Mitarbeiter, da die Zahl der Klienten steigt.»

Freiberufler organisieren sich als Netzwerk

Bei der Spitex Obwalden arbeiten 90 Personen. Acht private Organisationen haben eine Bewilligung, um Pflegedienste anzubieten. Als einzelne Freiberufler sind dreizehn Personen gemeldet. Eine von ihnen ist die Alpnacherin Verena Mattmann. Die diplomierte Pflegefachfrau HF hat sich mit fünf weiteren Freiberuflern als Netzwerk organisiert. Untereinander lösen sie sich bei Abwesenheiten ab oder vermitteln einander je nach Spezialisierung auch entsprechende Aufträge.

Pflegefachfrau Mattman sieht Vorteile in der privaten Betreuung: «Wir sind näher am Patienten dran. Bei uns kommt jedes Mal die gleiche Person für die Pflege, höchstens mal eine andere für die Ferienvertretung. Wir können so ein intensiveres Vertrauensverhältnis aufbauen». Das könnte durchaus möglich sein, sagt Patrick Csomor, Leiter Gesundheitsamt des Kantons Obwalden. «Private Organisationen können längere Aufträge mit unterschiedlichen Dienstleistungsinhalten annehmen, wodurch oft ein intensiver Kontakt entsteht». Die öffentliche Spitex setze bei ihren Aufträgen ihre Fachpersonen möglichst kompetenzgerecht ein, erklärt Csomor. Das könne dazu führen, dass unterschiedliche Fachpersonen in einer Situation involviert seien.

Private Anbieter können Aufträge ablehnen

Die Freiberuflerin will mit einem Klischee aufräumen: «Oft denken die Leute, sie könnten sich keine private Spitex leisten. Wir rechnen die Leistungen aber genauso ab, wie die kantonale Spitex, wir sind krankenkassen-anerkannt». Sie fügt an: «Unter dem Strich sind wir wohl günstiger. Wir benötigen weniger Pflegezeit, weil wir den Patienten und die Umgebung schon gut kennen».  Dabei spielen aber noch andere Faktoren mit. Die Tarife für die pflegerischen Leistungen sind vom Bund für alle Spitexorganisationen vorgegeben. «Grundsätzlich ist es so, dass die öffentliche Spitex eine Versorgungspflicht hat und diese mit den vorgegebenen Tarifen sicherstellen muss. Ein privater Anbieter hingegen kann eine Auftrag auch ablehnen», erklärt Patrick Csomor. Für die Restkosten wiederum seien die Einwohnergemeinden zuständig. Sie würden diese mit jeder Spitex einzeln festlegen. «Da gibt es unter anderem aufgrund der Versorgungspflicht Unterschiede zwischen privaten und öffentlichen Organisationen». Auch Hermann von der Spitex Nidwalden sagt: «Wir nehmen jeden Auftrag an, auch wenn der Klient im hintersten Krachen wohnt und es eigentlich nicht rentabel wäre. Es braucht Organisationen, die solche Aufträge abdecken.»

www.spitexnw.ch, www.spitexow.chwww.pflegeprivatdaheim.ch