Sportplatz Grossmatt soll Kunstrasen erhalten

Eine emotionale Diskussion gab es an der Hergiswiler Gemeindeversammlung über die Sanierung des Sportplatzes Grossmatt.

Kurt Liembd
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Soll der Sportplatz Grossmatt einen Natur- oder einen Kunstrasen erhalten? Der Entscheid fiel an der Gemeindeversammlung zu Gunsten eines Kunstrasens.

Soll der Sportplatz Grossmatt einen Natur- oder einen Kunstrasen erhalten? Der Entscheid fiel an der Gemeindeversammlung zu Gunsten eines Kunstrasens.

Kurt Liembd (Hergiswil, 19. November 2019)

Kunstrasen oder Naturrasen? An dieser Frage scheiden sich die Geister. Und zwar schon lange vor der Gemeindeversammlung, die am Dienstag mit rund 200 Bürgern im Loppersaal stattfand. Bereits im Herbst 2019 hatten die Stimmbürger einen Kredit über 1,86 Millionen Franken für die Sanierung des Sportplatzes Grossmatt zurückgewiesen, weil das Projekt nur einen Kunstrasen ohne Alternative vorsah. Danach ging der Gemeinderat nochmals über die Bücher. Nun präsentierte er eine Auswahl zwischen Kunstrasen und Naturrasen. Dies erzeugte eine lange Diskussion und wurde fast zu einer Glaubensfrage. Thomas Bucher, Präsident des FC Hergiswil, setzte sich schon im Vorfeld der Gemeindeversammlung vehement für einen Kunstrasen ein und mobilisierte mit einem vorgängigen Schreiben den ganzen Fussballklub. Am Dienstag strich er nochmals die wichtigsten Argumente hervor und sagte: «Der Einbau des Kunstrasens ist für den FC ein wichtiger Schritt zur Sicherung der Juniorenabteilung und daher wegweisend für unseren Verein.»

Auch Ex-FCL-Präsident meldet sich zu Wort

Ganz anders sah dies Philipp Niederberger. «Ich mache mir Sorgen, ob wir mit einem Kunstrasen auf das richtige Pferd setzen.» Niederberger machte ökologische Gründe geltend und sagte, dass ein Kunstrasen aus Mikroplastik «höchst umstritten und fragwürdig» sei. Er wurde unterstützt von Peter Müller, der zudem das Vorgehen des Gemeinderates harsch kritisierte. «Wenn wir keine Kollateralschäden anrichten wollen, gibt es nur einen Naturrasen», so Müllers Botschaft. Für Nachhaltigkeit, mehr Natur und damit für einen Naturrasen plädierte Landwirt und Gärtner Markus Blättler, der sogar Mitglied des FC Hergiswil ist. Ganz anders sah dies Ex-FCL-Präsident Walter Stierli, der einzig die Interessen des Fussballklubs in den Vordergrund stellte und für einen Plastikrasen votierte. Dies erstaunte einige, war es doch genau Walter Stierli, der sich beim Bau der Swisspor-Arena für einen Naturrasen ausgesprochen hatte – und diesen auch realisierte.

Reto Blättler, Präsident der Schwingersektion Hergiswil, gab zu bedenken, dass auf einem Kunstrasen kaum mehr andere Anlässe durchgeführt werden könnten wie etwa Schwingfeste oder Veranstaltungen von weiteren Vereinen, da ein solcher sensibler sei als ein Naturrasen. Reiner Christen wiederum zeigte sich «befremdet» über die Diskussion, weil es hier um eine Fachfrage gehe, bei der die meisten Stimmbürger überfordert seien. Aus fachlicher Sicht komme nur ein Kunstrasen in Frage, so Christen. Bei der Abstimmung sprachen sich 111 Stimmbürger für einen Kunstrasen aus, 77 für einen Naturrasen, das waren 59 Prozent für Kunstrasen und 41 Prozent für Naturrasen. Damit kann der Kunstrasen aber noch nicht erstellt werden. Die Abstimmung über den entsprechenden Kredit findet erst im Frühling 2021 statt.

11,6 Millionen Franken für den Finanzausgleich

Allen andern Geschäften wurde im Sinne des Gemeinderates zugestimmt. So wurden zehn Personen eingebürgert, davon acht deutsche und zwei dänische Staatsangehörige. Bemerkenswert: Unter den zehn Eingebürgerten ist auch Diana Hartz (53), Leiterin der Wirtschaftsförderung Nidwalden und Kirchenrätin der Reformierten Kirche Nidwalden. Ja sagten die Stimmbürger auch zum Budget 2021 und zu einem unveränderten Steuerfuss von 1,49 Einheiten. Das Budget weist bei einem Aufwand von 39,8 Millionen und Erträgen von 39,6 Millionen Franken ein Minus von 200'000 Franken auf. Pikant dabei: Für den Finanzausgleich sind 11,6 Millionen Franken budgetiert.

Ja sagten die Stimmbürger diskussionslos auch zu einer privaten Umzonung von 88 Quadratmetern, zu einem Planungskredit für die Wasserversorgung (250'000 Franken), zu einem Zusatzkredit (210'000 Franken) im Bereich Abwasser und zu einer Teilrevision des Parkplatzreglementes. Neu gibt es ein Park+Ride-Angebot im Parkhaus Dorf und auf dem Parkplatz Acheri.

Pumptrack-Anlage kann gebaut werden

Zudem beschlossen die Hergiswiler, beim Spielplatz Matt für 350'000 Franken eine Pumptrack-Anlage zu bauen. Ein Verwerfungsantrag von David Legrand, der verschiedene Schwachstellen aufzeigte, blieb chancenlos und erhielt nur 4 Stimmen gegen 186 Ja-Stimmen. Einstimmig wurde ein Kredit von 6 Millionen Franken genehmigt für die Sanierung der Sonnenberg- und Hirsernstrasse (im Bereich von Autobahnausfahrt Hergiswil Nord bis zur Althauserbrücke, rund 1 Kilometer lang). Ausser ein paar kritischen Bemerkungen zu Signalisation, Lärmschutz und Tempo 30 gab es keine Einwendungen und keinen Verwerfungsantrag. An der folgenden Kirchgemeindeversammlung wurden alle Traktanden genehmigt, so die Rechnung 2019, das Budget 2021 und eine Änderung der Gemeindeordnung. Neu werden Kirchenräte nicht mehr an der Urne, sondern an der Kirchgemeindeversammlung gewählt. Die vorgesehene Pfarrwahl wurde abtraktandiert (wir berichteten), weil aufgrund einer Unterschriftensammlung besorgter Bürger die Pfarrerwahl an die Urne verwiesen wurde. Dieser Urnengang soll gemäss Aussagen von Kirchenratspräsident Martin Dudle in den nächsten drei Monaten stattfinden.

Anerkennungspreis 2020

Die Gemeinde Hergiswil fördert und würdigt durch die Ausrichtung eines Anerkennungspreises besondere Verdienste und Erfolge in Bereichen wie Kunst, Kultur, Soziales, Sport und Wirtschaft. Nachdem verschiedene Nominationen eingegangen waren, hat der Gemeinderat beschlossen, den Anerkennungspreis 2020 Pfarrer Ulrich Winkler zu verleihen.

Ulrich Winkler ist seit April 1989 Pfarrer der evangelisch-reformierten Kirche in Hergiswil. Im Zentrum seiner Tätigkeit als Pfarrer stehen immer der Mensch und der umsichtige, rücksichtsvolle Umgang miteinander. Er ist in der Gemeinde sehr beliebt und als Seelsorger ein verlässlicher und vertrauensvoller Gesprächspartner. Wichtige Aspekte seines Schaffens sind die Förderung des Zusammenhaltes in der Gemeinde, der Austausch über die Konfessionen hinaus sowie das Vorleben und Aufzeigen von Werten in der Gesellschaft. Die Gemeinde Hergiswil dankt Ulrich Winkler für seine sehr wertvolle Arbeit.

Absage des Neujahrsapéros

Der traditionelle Neujahrsapéro, an dem der Anerkennungspreis jeweils überreicht wird, musste abgesagt werden. Der Anerkennungspreis wird Pfarrer Ulrich Winkler im kleinen Rahmen übergeben. (sez)