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Pflegende Angehörige erhalten Hilfe von SRK Unterwalden – zwei Betroffene erzählen

Die Hemmschwelle, den Entlastungsdienst des Roten Kreuzes Unterwalden zu beanspruchen, ist häufig gross. Dabei ist dieser für pflegende Angehörige - deren Tag diesen Dienstag begangen wird - so wichtig. Zwei Beispiele aus Ob- und Nidwalden zeigen, warum.
Marion Wannemacher
Andrea Zumstein und ihre Mutter (Ursi) im Hintergrund sind sehr froh um den Entlastungsdienst. (Bild: Corinne Glanzmann (Sarnen, 17. Oktober 2018))

Andrea Zumstein und ihre Mutter (Ursi) im Hintergrund sind sehr froh um den Entlastungsdienst. (Bild: Corinne Glanzmann (Sarnen, 17. Oktober 2018))

«Die meisten, die sich an uns wenden, wollen, dass der Entlastungsdienst besser gestern als heute kommt», erzählt Andrea Michel, Leiterin des Entlastungsdienstes vom Schweizer Roten Kreuz Unterwalden. Sobald sie sich dann durchgerungen hätten, fremde Hilfe anzufordern, pressiere es sehr. Diesen Dienstag ist Tag der pflegenden Angehörigen. Andrea Michel nutzt diese Gelegenheit, um auf die Brisanz der Thematik hinzuweisen. Nach der demografischen Entwicklung werden Betreuungsdienste rund um Pflege und Betreuung immer wichtiger.

Hemmschwelle für externe Hilfe ist gross

Derzeit betreuen 30 Fachkräfte vom Entlastungsdienst 25 Kunden in Ob- und Nidwalden. Sie beschäftigen diese, gehen mit ihnen spazieren, einkaufen, kochen oder spielen mit ihnen, üben keine grundpflegerische Leistungen aus, bieten aber im Bedarfsfall diesbezüglich Hilfe an. In diesem Jahr leisteten sie bislang gesamthaft rund 6000 Stunden Einsätze. «Wir hätten noch Kapazitäten», erklärt Andrea Michel.

Doch Angehörige täten sich häufig schwer, Hilfe von aussen zuzulassen. Dabei sei genau die so wichtig, findet die Fachfrau. «Sehr viele Pflegende geben sich selbst auf, das ist extrem schade. Ich verstehe, dass es einen grossen Leidensdruck braucht, bis man Hilfe annehmen kann», sagt Andrea Michel. «Dabei bringt es den Betroffenen gar nichts, wenn die Angehörigen nicht zu sich selbst schauen», ist sie überzeugt. Im Gegenteil: Wer sich nicht auch um sich selbst kümmere, riskiere einen Totalausfall oder dass er schlussendlich sogar mehr Entlastung beanspruchen müsse. «Für die mentale Stärke ist es einfach wichtig, dass man einen Ausgleich hat.»

Andrea Michel, Leiterin Entlastungsdienst SRK Unterwalden.

Andrea Michel, Leiterin Entlastungsdienst SRK Unterwalden.

Die Realität sehe häufig leider anders aus. Vielfach seien die pflegenden Angehörigen isoliert und fühlten sich auch körperlich überfordert. Dies betreffe meist die Generation der jetzigen Hochbetagten. Es ist eine Generation, die gelernt hat, eigene Bedürfnisse zurückzustellen, manchmal schonungslos sich selbst gegenüber. Dazu komme bei vielen auch der Druck des schlechten Gewissens. «Beispielsweise, dass ein Mann es als Pflicht empfindet, seine Frau zu pflegen, nachdem sie ihr ganzes Leben lang immer für ihn und die Kinder da war und nun Hilfe braucht», nennt Andrea Michel ein Beispiel.

Sie nutzte ihre Auszeit zum Arbeiten

Aber auch das gibt es: Vorzeigebeispiele von pflegenden Angehörigen, die dem sicheren Gefühl folgen, wenn es Zeit ist, fremde Hilfe zu beanspruchen, um das eigene Leben nicht zu vernachlässigen. Zum Beispiel Rosmarie Wagner aus Stans. Erst vor sehr kurzem hat sie ihren Mann Franz beerdigt. Mit ihrer jungen Art, der flotten Kurzhaarfrisur und modernen Kleidung wirkt die 82-Jährige sehr viel jünger. Seit mehreren Jahren pflegte sie ihren Mann, der unter schweren Rückenproblemen und einer Demenzform litt. Bereits seit zwei bis drei Jahren konnte Rosmarie Wagner nur noch für kurze Zeit aus dem Haus, beispielsweise, um im Dorf einzukaufen. Vor allem ihre Tochter, aber auch ihr Sohn halfen ihr, ihre Arbeit als Bewegungstherapeutin aufrechtzuerhalten.

Rosmarie Wagner.

Rosmarie Wagner.

Sie gibt Kurse nach der Franklin-Methode, einer alternativmedizinischen Bewegungslehre im Kloster St. Klara. Im Spätsommer verschlechterte sich der Zustand von Franz Wagner zusehends. Er wurde in seiner Bewegung eingeschränkt, schliesslich bettlägerig und konnte nicht mehr allein bleiben. «Zunächst forderte ich die Spitex für Grundpflege an», erzählt Rosmarie Wagner. «Damit hatte ich zuerst Mühe, lernte aber auch, dass sie eine echte Hilfe waren.» Auf Empfehlung von Bekannten forderte sie schliesslich den Entlastungsdienst des SRK Unterwalden an, um an zwei Tagen in der Woche weiter zur Arbeit gehen zu können. «Für mich war es sehr wichtig, dass ich weiter arbeiten konnte. Meine Arbeit ist meine zweite Heimat, mein Ein und Alles, ich bin glücklich beim Arbeiten», erzählt sie.

Ihn in die Hände der Betreuungspersonen des SRK loszulassen, fiel ihr nicht schwer: «Die haben das gelernt, die können das. Und Franz nahm ihre Hilfe gerne an», weiss sie. Sie selbst sei beim Heimkommen immer mit einem Strahlen begrüsst worden. Ein Zeichen, dass es ihm gut ging. Mit ihrem Schicksal hat Rosmarie Wagner nie gehadert. «In all der Zeit bin ich nie überfordert gewesen», lautet ihr Fazit. «Ich würde es wieder so machen.»

Entlastungsdienst schafft «nötige Distanz»

37 Jahre lang betreut Ursi Zumstein bereits ihre Tochter Andrea. Diese litt von Kindheit an unter einem Angiom, einer tumorartigen Gefässfehlbildung, die durch sporadische Hirnblutungen zu Hirnverletzungen und später inoperablen Lähmungen führte. «Andrea ist sehr intelligent, sie war eine gute Schülerin», erzählt ihre Mutter. In einem geschützten Rahmen hatte sie ihre Büro-Lehre abschliessen können. «Am Tag der Diplomfeier erlitt sie eine erneute Hirnblutung, durch die ein Einsatz im Erwerbsleben komplett unmöglich wurde», berichtet sie.

Entlastungsdienst schafft nötige Distanz

Heute wohnt Andrea als 47-Jährige in einem separaten Hausteil auf dem Hof ihrer Eltern in Sarnen. Dennoch muss Ursi Zumstein ständig in der Nähe ihrer Tochter sein. Keine einfache Situation für beide. Die 72-Jährige kommt an ihre Grenzen. Am Morgen kommt die Spitex für Grundpflegedienste, seit etwa sechs Jahren kommt der Entlastungsdienst des SRK zweimal in der Woche für vier Stunden. Für Mutter und Tochter eine wertvolle Zeit: Ursi Zumstein kann in dieser Zeit «entweder richtig arbeiten», wie sie sagt, einkaufen oder auch mal mit ihrem Mann Josef etwas unternehmen. «Wir sind froh über den Entlastungsdienst», sagt sie, «er schafft hie und da die notwendige Distanz.» Andrea selbst schätzt die Abwechslung. Die Fachkräfte vom Entlastungsdienst gehen mit ihr ins Dorf einkaufen oder mal einen Kaffee trinken, spielen oder lösen Rätsel mit ihr.«Es sind nette Frauen, die zu mir kommen», sagt sie.

Über die Einsatzbereitschaft und Freude am Beruf der Fachkräfte in ihrem Team sagt die Leiterin des Entlastungsdienstes, Andrea Michel: «Es muss eine Passion sein, nicht ein Job.» Und für die pflegenden Angehörigen hat sie einen wichtigen Tipp parat: «Nicht zu spät anrufen».

Telefon 041 500 10 80, mehr Infos

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