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STANS: Ajay Mathur: «Heute redet mir niemand mehr drein»

Mit «Little Boat» bringt der Stanser Musiker Ajay Mathur in wenigen Tagen seine vierte CD auf den Markt. Eine abwechslungsreiche Scheibe mit Rocksongs, die sich um die Kunst drehen, im Leben immer wieder aufzustehen.
Philipp Unterschütz
Ajay Mathur in seiner Studio-Lounge in Stans. (Bild: Philipp Unterschütz (Stans, 14. Februar 2018))

Ajay Mathur in seiner Studio-Lounge in Stans. (Bild: Philipp Unterschütz (Stans, 14. Februar 2018))

Philipp Unterschütz

philipp.unterschuetz@nidwaldnerzeitung.ch

«Little Boat» ist eines dieser Werke, das man bei der Frage nach den Lieblings-CDs wohl vergisst, es aber doch öfter hört als die vermeintlichen Lieblinge. Das liegt wohl daran, dass auch die vierte Scheibe des Stanser Musikers Ajay Mathur, die am 2. März erscheint, einen vielfältigen Klangkosmos bietet, der sich erst nach und nach offenbart. Immer wieder hört man Neues, entdeckt unterschiedliche Stimmungen oder es blitzen Zitate aus der umfangreichen Rockgeschichte auf.

Beim Hören von «Little Boat» könnten bei älteren Semestern, die aufgewachsen sind mit der Rockmusik der späteren 1960-er Jahre bis in die frühen 80-er vielleicht auch plötzlich eigene Jugenderinnerungen vorbei ziehen. Da ist einiges vom Geist der damaligen Aufbruchstimmung und der psychedelischen Experimentierfreude zu spüren. Der Begriff «Psychedelic Americana» passt denn auch bestens zur Musik von Ajay Mathur, nicht zuletzt auch wegen der indischen Instrumente, die immer mal wieder aufklingen. «Das ist der Inder in mir», sagt Mathur, der in Indien in einer musikalischen Familie aufgewachsen ist. «Dass ich damals Rockmusik anstatt indische Musik spielen wollte, hatte schon mit Rebellion zu tun. Aber weil ich mit unserer traditionellen Musik aufgewachsen bin, sind ihre Instrumente eben doch selbstverständlich für mich.» Spielen könne er sie aber zu wenig gut. So kam es, dass der indischstämmige Mathur als Sitarspieler einen Zürcher als Gastmusiker engagierte. Mit der ­Musik von Ajay Mathur können aber nicht etwa nur «Oldies» ­etwas anfangen. «Über 40 Prozent meiner Fans sind unter 24 Jahre alt», erzählt Ajay in seiner Lounge mit eigenem Studio in Stans, wo er auch alle Songs aufgenommen hat. Diese Daten habe er von den Registrierungen auf seiner Website.

Der Prophet gilt wenig im eigenen Land

Die meisten seiner Fans kommen aus Amerika, Kanada, England und auch immer öfter aus Indien. Das Internet und die vielen Web-Radios seien wichtig für die Verbreitung seiner Musik in diesen Ländern. So war einer seiner Songs 2016 in den USA sogar für einen Grammy nominiert. Auch Ajay Mathur ist einer der Propheten, die im eigenen Land nicht so viel gelten wie anderswo. «Das liegt auch an den hiesigen Radio- und Fernsehstationen, die nur wenig kantige Musik ausserhalb des gängigen Mainstream bringen. In der Schweiz gibt es viele hervorragende Musiker, die kaum gespielt werden.» Wer nicht bei einer der grossen Schweizer Plattenfirmen unter Vertrag sei, habe es schwierig. «Würde ich mich nur auf den Schweizer Markt konzentrieren, könnte ich nicht von der Musik leben», sagt Ajay - und er muss es wissen. Lange arbeitete er mit dem international erfolgreichen Phil Carmen, und in den 1980-er Jahren schaffte er es mit seiner eigenen Band Mainstreet mit einigen Songs aus sechs Alben in die Schweizer Hitparade. «Dafür musste ich aber vieles zähneknirschend akzeptieren. Heute redet mir niemand mehr drein.»

Thematisch geht es auf «Little Boat» um Resilienz – ein Ausdruck aus der Psychologie, der psychische Widerstandsfähigkeit meint und die Fähigkeit, Krisen zu bewältigen. «Im Leben ist es oft eine Kunst, wieder aufzustehen – es ist das, was einen formt», sagt Ajay Mathur. Man müsse auch zugeben können, Fehler gemacht zu haben und als Mensch daran reifen.

«Nicht jede Idee ist eine gute Idee»

26 Songs hatte er für «Little Boat» zur Auswahl. «Beim Komponieren bin ich sehr selektiv. Nicht jede Idee ist eine gute Idee.» Songideen, die ihm nicht einige Tage nachlaufen würden, verwerfe er wieder. «Wenn es manche Songs schliesslich nicht aufs Album schafften, dann nicht wegen der Qualität, sondern nur weil sie nicht zur Atmosphäre passten. Ich bin ein Albumkünstler, und ich lege auch viel Wert auf die Reihenfolge der Titel.» Aber wenn er dann die Songs mal ausgewählt habe, fange die Arbeit erst richtig an. Dann werde noch länger daran gefeilt und nachträglich weitere Instrumente hinzugefügt.

Mit dem Abmischen des Albums in den weltberühmten Abbey Road Studios in London hat sich Mathur einen lang gehegten Traum erfüllt. «Die haben eine andere Arbeitstechnik als hiesige Studios, was im Ergebnis hörbar ist. Das brachte die Kohärenz, die mir beim letzten Album fehlte. Jetzt klingt alles wie aus einem Guss.» Nur schon dabei gewesen zu sein in den legendären Abbey Road Studios, wo Grössen wie die Beatles gearbeitet haben, sei fantastisch gewesen. «Ich erinnerte mich daran, wie ich die Beatles als 13-jähriger Reporter für ein Schülermagazin in Indien treffen durfte, als sie im Ashram des Maharishi zu Gast waren. Da hat sich nun ein Kreis geschlossen.»

Hinweis

CD-Taufe mit Konzert: 1. März 2018, Bar 59 Luzern. Weitere Konzertdaten und Infos unter: www.ajaymathur.com

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