STANS: Am Ende siegt die wahre Liebe

Die Uraufführung von «Lysistrata» im Kollegitheater gipfelte in einem fulminanten Ende. Das Stück stammt von Regisseurin Michela Gösken.

Marion Wannemacher
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Die Frauen zetteln einen Aufstand an. (Bild Corinne Glanzmann)

Die Frauen zetteln einen Aufstand an. (Bild Corinne Glanzmann)

Eigentlich wollte sie «Asterix» auf die Bühne bringen. Das scheiterte an den Rechten. Dann fiel die Wahl auf die Komödie «Lysistrata» von Aristophanes – «zu obszön» befand Michela Gösken. Also entschloss sich die Regisseurin, die im vergangenen Jahr am Kollegitheater «Herr der Fliegen» mit so grossem Erfolg inszenierte, selbst eine «Lysistrata» zu schreiben. Das Stück wird voraussichtlich in einem Theaterverlag herausgegeben. Am Freitag reüssierten Gösken und ihr junges Ensemble mit der Uraufführung am Kollegitheater.

Zwischen Komik und Satire

«Es ist zwischen ‹Monty Python› und ‹Asterix› mit simplicistischen Witzen», ordnet Michela Gösken ihr Werk selbst ein. Und tatsächlich, schon die Namen klingen nach Asterix: Athens Kriegshelden heissen «Haudrauflos» (Ivan Lehni), «Luftikos» (Benjamin Ott), «Le­thargos» (Leandro Minutella), «Wutknochos» (Raffael Truttmann) und «Trauerklos» (Florian Pfister).

Doch von wegen Helden: Es ist eine armselige, unmotivierte Bande, die schon lange keine Lust mehr hat, im Krieg die Knochen hinzuhalten. Der Herold (Diona Durrer) befördert ihre Liebesgrüsse nach Athen. Die Vorfreude ist gross: «Am Freitag gehts nach Hause, dann gibt es eine Sause», singen die «Helden» im Chor.

Was sie nicht wissen – ihre Frauen haben unterdessen beschlossen, «der Krieg muss weg» (Michela Gösken wählt den Untertitel ihres Stücks in Anlehnung an das historische Zitat der Demonstranten in der ehemaligen DDR: «Die Mauer muss weg»). Die demografische Entwicklung in Athen ist bedenklich, klärt ein griechischer Chor alter Bräute auf (gespielt von Vera Arato, Alexandra Christen, Antonia Mau, Tara Riva, Elisa Minutella und Hedda Bölsterli als Kriegsgeisel). Die Störche fliegen nicht mehr, es gibt nur noch Tote zu beklagen, und alle männlichen Nachkommen sind Menschenmaterial für den verschleissenden Krieg.

Kein Sex mehr in Athen

Wie aber wollen die Frauen ihre Männer dazu bringen, aus diesem Wahnsinn auszusteigen und eine Befehlsverweigerung zu unterzeichnen? Lysistrata (Nadia Lischer) zettelt den Aufstand an. Während eines Kaffeekränzchens beschliessen die Athenerinnen (Leonie Kirchgessner, Alicia Baumann, Justine Schmid und Rahel Blättler), sich mit den Frauen des gegnerischen Sparta (repräsentiert von Lampito alias Hannah Abry) zu verbünden und ihren Männern jegliche Liebesdienste zu verweigern.

Die holde Weiblichkeit empfängt ihre Männer auf Fronturlaub im Streik auf der Akropolis. Die Männer sind ausgerüstet mit Morgenstern, Keule und Hammer (wie im Comic auf Pappe gemalt und dadurch komisch), die Frauen mit ihren «Waffen» im Negligé. Im Kampf der Geschlechter versuchen es die Männer erfolglos mit rhetorischer Überzeugungskraft, roher Gewalt, der Androhung von Entzug jeglicher finanzieller Unterstützung und gar mit einer Vertauschungsaktion der Babys.

«Die Störche sind zurück»

Zuletzt lassen die Männer ihr Herz sprechen und bringen ihren Angebeteten als Troubadoure Ständchen. Dieser wahren Liebe können sich Lysistrata, Kalonike, Myrrhine, Metaxa, Nike und die verlobten Drillinge (Salome Erdmann, Corina von Holzen und Nathalie Kaufmann) nicht verschliessen.

«Lysistrata» ist eine gelungene Schüleraufführung – frech, modern, temporeich und humorvoll. Kostümbildnerin Daniela Hohenberger holt die Spieler durch Petticoats und Pyjamas in unsere Zeit. Genial nimmt sich das Bühnenbild aus: das zum Guckkasten im Miniformat geschrumpfte Amphitheater, in dessen kleiner Welt die Frauen Kriegsrat halten. Das Dach ist bespielbar und dient als Akropolis, Wahrzeichen der antiken Welt.

Vielleicht hat «Lysistrata» vor der Pause Längen. Der dramaturgische Spannungsbogen steigt jedoch im zweiten Teil und gipfelt in einem fulminanten, herzbewegenden Ende. Im Triumphzug mit der Musikgruppe von Joseph Bachmann, der das Stück musikalisch gekonnt als blinder Akkordeonist begleitet, geht es durch den Zuschauersaal. Zum krönenden Schluss entdeckt die Seherin (Sina Käslin) schwarze Punkte am Himmel: «Die Störche sind zurück.»

Hinweis

Weitere Aufführungen: Freitag, 21. November, und Samstag, 22. November, jeweils 20 Uhr, Kollegi Stans; Infos und Vorverkauf unter www.kollegitheater.ch