STANS: Archäologen finden Glockengiesserei

Hinter der Pfarrkirche sind die Archäologen erneut fündig geworden. Sie legten Reste einer Glockengussform frei. Auch die Bestattungs­stätte wird weiter untersucht.

Philipp Unterschütz
Drucken
Teilen
Die inzwischen freigelegte Fundstelle mit Ausgräber Robert Mader, Grabungsleiterin Kathrin Rüedi und Archäologe Robert Arndt (von links). (Bild: Keystone/Urs Flüeler)

Die inzwischen freigelegte Fundstelle mit Ausgräber Robert Mader, Grabungsleiterin Kathrin Rüedi und Archäologe Robert Arndt (von links). (Bild: Keystone/Urs Flüeler)

Philipp Unterschütz

Heiss glühendes Metall floss vor langer Zeit zwischen Pfarrkirche und Pfarrhelferhaus in Stans in eine grosse Tonform, nachdem zuvor das Wachs des ursprünglichen Modells durch Befeuerung von unten herausgeschmolzen und die Form damit gebrannt worden war. Als die früheren Handwerker nach dem Auskühlen die Form zerschlugen, kam eine tonnenschwere Kirchenglocke mit einem Durchmesser von rund 1,4 Metern zum Vorschein. Und falls der Guss geglückt war, läutete die Glocke bald im Turm der Pfarrkirche. Wann das war und ob es sich wirklich so zugetragen hat, muss vorerst offenbleiben. Auf jeden Fall haben die Archäologen eine Stelle entdeckt, wo der Guss mindestens einer grossen Glocke stattgefunden hat. Die Fundstelle im Gebiet der Bauarbeiten für das neue Abwassersystem liegt zwischen den beiden künftigen Rückhaltebecken an der Knirigasse.

Im Januar hatte die Regierung beschlossen, dass der historisch interessante Bereich hinter der Pfarrkirche bei den Bauarbeiten genauer untersucht werden soll. Der Kanton beteiligt sich mit rund 175 000 Franken aus dem Denkmalpflegefonds an den Kosten. Weitere 50 000 Franken übernimmt der Bund (Ausgabe vom 15. Januar).

Fundstelle ist gut erhalten

«Es war durchaus üblich, dass Glocken in der Nähe der Kirche gegossen wurden. Geklappt hat das aber nicht immer», erklärt Emil Weber, Nidwaldner Staatsarchivar und Leiter der Fachstelle Archäologie. Valentin Homberger, Projektleiter der Grabung, und Grabungsleiterin Kathrin Rüedi bestätigen, dass der Fund nicht aussergewöhnlich sei. Interessant sei er aber allemal. «Und die Fundstelle ist sehr schön erhalten», meint Valentin Homberger. Der Aufbau des Giessortes wird nun genau dokumentiert, erhalten bleibt er nicht. «Die Fundstelle wird quasi kontrolliert zerstört, bevor die Bauarbeiten losgehen», beschreibt Kathrin Rüedi das Vorgehen.

Um welche Glocke handelt es sich?

Ob die gegossene Glocke heute noch im Turm der Stanser Pfarrkirche hängt, muss bis nach den detaillierten Untersuchungen offenbleiben. Fest steht laut Emil Weber einzig, dass die Glocken 1903 neu gegossen wurden. «Es ist nur noch eine alte Glocke erhalten, sie ist im Jahr 1531 von einem Zürcher Glockengiesser hergestellt worden.» Angesichts des Gewichts und der damaligen Transportmöglichkeiten könnte es möglich sein, dass der Zürcher Giesser nach Stans kam und die Glocke in der Nähe der Kirche goss, mutmassen die Archäologen. Vielleicht aber handelt es sich um eine andere Glocke, die längst wieder aus dem Turm verschwunden ist. «Die ersten Abklärungen lassen vermuten, dass in der Grube wohl nicht nur eine, sondern möglicherweise drei Glocken nacheinander gegossen worden sind», ergänzt Homberger. Ziemlich sicher ist aber, dass der Gussort aus einer früheren Zeit stammt als die Bestattungen unmittelbar darum herum.

Es war wohl ein Friedhof

Seit Fasnachtsende sind die Archäologen nach den Sondierungen im Dezember wieder mit Hochdruck an der Arbeit. Die Grabungen bei der Bestattungsstätte, die im Dezember entdeckt worden war, wurden mittlerweile auf eine Fläche von 5 mal 14 Metern ausgedehnt. Man rechne damit, dass man auf rund 90 Skelette stosse, sagt Valentin Homberger. Bisher sind 26 Gebeine im Staatsarchiv für die späteren Untersuchungen eingelagert. Noch hat man deren Alter nicht genau untersucht. «Wir sind mittlerweile aber ziemlich sicher, dass es sich um einen Friedhof handelt, der über längere Zeit genutzt worden ist, und nicht um ein Massengrab», sagt Grabungsleiterin Kathrin Rüedi. Bei den Ausgrabungen kamen bisher auch einige kleinere Funde wie Medaillons oder Rosenkränze bei den Gebeinen zum Vorschein.

Zuerst bergen, dann untersuchen

Die Archäologen stehen unter Zeitdruck. Die Zusammenarbeit mit Bauleuten und Behörden sei sehr gut, bestätigen sie. «Das Zeitfenster dauert bis Anfang April, die Ausgrabungen müssen sich dem Zeitplan der Bauarbeiten anpassen», erklärt Emil Weber. Deshalb werde jetzt zuerst geborgen, die detaillierten Untersuchungen erfolgten dann später. Die Arbeit der Archäologen erfolgt baubegleitend. Da, wo der Untergrund anschliessend durch die Bauarbeiten zerstört wird, sondieren zuerst die Wissenschaftler. «Nur falls ein absoluter Sensationsfund zu Tage käme, müsste man sich eine Planungsänderung überlegen», sagt Weber. Gemeinderat Walter Odermatt bestätigt, dass man im engen Zeitplan liege. «Die Ausgrabungsarbeiten sind einkalkuliert. Bauarbeiten und Ausgrabungen werden laufend miteinander abgeglichen.»