STANS: Aus «Nichts» wird nun wirklich nichts

Kein Kollegitheater in diesem Jahr. Die Schulleitung vermutet zu viel Prüfungsdruck. Und prüft Varianten, um das Interesse bei den Schülern wieder zu wecken.

Marion Wannemacher
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Dieses Jahr bleibt der Vorhang zu im Kollegitheater Stans. Im Bild eine Szene aus dem Stück «Lysistrata» von 2014. (Bild Corinne Glanzmann)

Dieses Jahr bleibt der Vorhang zu im Kollegitheater Stans. Im Bild eine Szene aus dem Stück «Lysistrata» von 2014. (Bild Corinne Glanzmann)

Marion Wannemacher

Auf der Website des Kollegitheaters Stans ist die Premiere für das diesjährige Stück noch für den 21. Oktober angegeben. Doch es wird in diesem Jahr keine Produktion geben. Unter 500 Schülern fanden sich nicht einmal acht Spieler.

Michela Gösken, die als Regisseurin die letzten drei Produktionen am Kollegitheater Stans inszenierte, hatte das «Nichts. Was im Leben wichtig ist» von Janne Teller zur Aufführung bringen wollen. Aus dem «Nichts» werde nun leider tatsächlich nichts, bemerkte sie gegenüber unserer Zeitung.

Kollision mit Prüfungen

Zu den Gründen äussert sich Rektor Patrik Eigenmann vorsichtig. «Es ist schwierig zu sagen. Die Maturaarbeit im fünften und sechsten Schuljahr hat einen so hohen Stellenwert, dass sich die älteren Schüler sehr gut überlegen, ob sie noch etwas anderes machen», führt er an. Zudem kollidierten die Aufführungen jeweils mit einer intensiven Phase in der Schule, in der es viele Prüfungen gebe. Von Seiten der Schulleitung sei man bereits daran, Varianten zum bisherigen Modell zu prüfen. «Wir könnten zum Beispiel das Theaterspielen als Wahlpflichtfach anbieten», schildert Eigenmann die Überlegungen der Schulleitung. Auch habe man in diesem Jahr Proben und Premiere vorverlegen sowie die intensiven Probephasen auf Sommer- und Herbstferien verschieben wollen, erklärt der Rektor. Dazu sei es nun aber gar nicht erst gekommen. «Vielleicht ist diese Information nicht angekommen, oder die Schüler finden es nicht so attraktiv», mutmasst er.

So kommt es nun zu einer Zäsur im sonst fast lückenlos bis 1985 zurückreichenden Archiv von Theateraufführungen, welche die Schule auf ihrer Website auflistet. Zwei, die das Gesicht des Kollegitheaters Stans prägten, sind Kollegilehrer Dominik Wyss und der mittlerweile verstorbene Regisseur Johannes Peyer.

Viele weitere halfen hinter der Bühne in all den Jahren mit. Namen wie Bühnenbauer Fredy Bernasconi, Antonia Kiser und Irene Maisano für Kostüme sind untrennbar mit dem Kollegitheater verbunden.

Von Klassiker bis Musical

Die Palette der Inszenierungen der vergangenen 30 Jahre reichte von Klassikern wie «Faust» oder «Sommernachtstraum» bis hin zur Literatur des 20. Jahrhunderts von Thornton Wilder oder Friedrich Dürrenmatt. Auch einige Musicals kamen zur Aufführung. Allein von 1985 bis 2012 haben über 1600 Schüler mitgewirkt. Von 2007 bis 2012 lag die Regie in den Händen von Franziska Schmid. Ab 2013 übernahm Theaterregisseurin Michela Gösken die Produktionen. Sie begeisterte mit einer Inszenierung von «Herr der Fliegen» und inszenierte in den Jahren darauf zwei Stücke, die sie selbst verfasst und veröffentlicht hatte: «Lysistrata – Der Krieg muss weg» sowie «Wie’s euch gefällt – Liebeschaos im Bollywood».

Interne Lösung fürs Theater

Unterdessen hat sich die Schulleitung in der Theaterszene umgeschaut, so auch im Kollegitheater Sarnen. «Möglicherweise müssten wir auch jemanden im Haus haben, der sich für das Theater einsetzt», überlegt Patrik Eigenmann. «Wir sind jedenfalls ergebnisoffen und werden über eine Lösung nachdenken.» Auf jeden Fall gehöre das Theater zum Kollegium St. Fidelis. «Es ist ein wichtiger Teil, und das soll auch so bleiben», sagt Patrik Eigenmann.