STANS: Ausgrabung soll Klarheit bringen

Die Bestattungsstätte hinter der Kirche wird genauer untersucht. Das hat die Regierung beschlossen. Der Bau des Abwassersystems wird nur marginal verzögert.

Philipp Unterschütz
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Die Regierung lässt hinter der Pfarrkirche nach ersten Sondierungen (Bild) nun archäologische Ausgrabungen machen. (Bild Philipp Unterschütz)

Die Regierung lässt hinter der Pfarrkirche nach ersten Sondierungen (Bild) nun archäologische Ausgrabungen machen. (Bild Philipp Unterschütz)

Philipp Unterschütz

Eigentlich hätten an der Stanser Nägeligasse hinter der Pfarrkirche am 11. Januar die Bauarbeiten für das neue Abwasser-Trennsystem starten sollen. Weil es sich um ein archäologisch bedeutendes Gebiet handelt, entschied sich die Gemeinde in Zusammenarbeit mit der kantonalen archäologischen Fachstelle für eine Sondierung. Und tatsächlich stiess man auf mehrere Gebeine (wir berichteten). Mittlerweile hat der Regierungsrat aufgrund der dabei zusammengetragenen Fakten und eines Antrags der Kommission für Denkmalpflege das weitere Vorgehen festgelegt. «Die Regierung hat beschlossen, dass der Bereich hinter der Pfarrkirche, wo das Rückhaltebecken für das neue Abwasser-Trennsystem geplant ist, genauer untersucht werden soll», sagt Bildungsdirektor Res Schmid.

Weitere Funde sind möglich

Der Grabungsperimeter umfasst laut Emil Weber, Staatsarchivar und Leiter der Fachstelle Archäologie, den Knotenpunkt der Kreuzung Nägeligasse/Knirigasse. «Die Baugrube für die Abwasseranlagen wird rund 4 Meter tief, die Archäologen werden aber nur so tief untersuchen, bis die Kulturschichten aufhören.» Als Archäologe sei er froh und dankbar, dass die Regierung den Beschluss zur Ausgrabung gefasst habe. «Wir sind hier im zentralen Siedlungsgebiet von Stans und wissen, dass dieses Gebiet seit dem 2. Jahrhundert vor Christus besiedelt war. Es ist gut möglich, dass wir ausser der Bestattungsstätte noch andere Funde machen.»

Historisches Interesse und Pietät

«Für die Regierung war es undiskutabel klar, dass die Aufwendungen für eine Ausgrabung gerechtfertigt sind», erklärt Res Schmid und betont ebenfalls, dass der ganze Bereich rund um den geschützten Dorfplatz von grossem historischem und archäologischem Interesse sei. «Und im Fall dieser Bestattungsstätte sind wir nur schon aus Pietätsgründen verpflichtet, der Sache in Würde nachzugehen, da kann man nicht einfach mit einem Bagger durchfahren», sagt Res Schmid und meint, dass man auch noch nicht wisse, ob der Begriff «Massengrab» wirklich zutreffe oder ob es sich um eine Bestattungsstätte handle, die über längere Zeit genutzt worden sei. «Unter anderem auch darüber sollen nun die weiteren Untersuchungen Klarheit geben.» Der Entscheid der Regierung ist laut Res Schmid im Einvernehmen mit der Gemeinde und der Denkmalpflege gefallen.

Staatsrechnung nicht belastet

Die Kosten für die archäologischen Untersuchungen werden vom Kanton übernommen, belasten aber die Staatsrechnung nicht. «Die Gesamtkosten werden auf rund 225 000 Franken geschätzt», sagt der Bildungsdirektor. «Davon wird ein Teil vom Bund zurückerstattet, sodass für den Kanton noch rund 175 000 Franken verbleiben. Dieses Geld wird aus dem Denkmalpflegefonds entnommen, der vom Lotteriefonds gespiesen wird.»

Keine lange Bauverzögerung

Die Bauarbeiten könnten laut Emil Weber bis zu zwei Monate länger dauern, weil die menschlichen Überreste in jedem Fall geborgen werden müssen – auch wenn es nicht zu einer archäologischen Grabung käme. Walter Odermatt, Vorsteher des Ressorts Tiefbau im Stanser Gemeinderat, sagt, dass das Projekt Abwasser-Trennsystem auch unkritische Orte beinhalte, die von den Untersuchungen nicht betroffen sind. «Ich rechne nicht mit einer viel längeren Verzögerung als etwa einem Monat.» So haben in der Knirigasse die Bauarbeiten bereits begonnen. Insbesondere lobt er den schnellen Entscheid der Regierung, der dank der kurzen Wege und der engen Zusammenarbeit aller Beteiligten möglich gewesen sei. Laut Emil Weber werden bereits in den nächsten Tagen hinter der Kirche, wo im Dezember sondiert worden war, die Ausgrabungen weitergeführt. Nach der Fasnacht starten die Untersuchungen an der Kreuzung Knirigasse/Nägeligasse.