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STANS: Begegnung zweier Künstlerinnen

Kunst im Rohbau» heisst eine heute startende Ausstellung. Wie viele Parallelen die verstorbene Gertrud Guyer Wyrsch und die Stanser Künstlerin Mireille Tscholitsch in ihrem Schaffen verbindet, überraschte sogar Ausstellungsmacher Urs Sibler.
Marion Wannemacher
Mireille Tscholitsch vor ihren Bildern mit Kois, hinten Werke von Gertrud Guyer Wyrsch. (Bild: Marion Wannemacher (Stans, 8. März 2018))

Mireille Tscholitsch vor ihren Bildern mit Kois, hinten Werke von Gertrud Guyer Wyrsch. (Bild: Marion Wannemacher (Stans, 8. März 2018))

Marion Wannemacher

marion.wannemacher@nidwaldnerzeitung.ch

Der Gewerberaum an der Engelbergerstrasse 31 ist im Rohbau: Unter der Decke verlaufen Heizungs-, Wasser- und Lüftungsrohre aus Plastik, Wände und Böden sind unverputzt. Momentan ist der Raum noch nicht verpachtet und für Ausstellungsmacher Urs Sibler ein idealer Ort für Kunst: «Ich liebe Räume mit Ausstrahlung. Die gibt es hier im Betonbau mit seinen Stützen und Säulen. Man kann Bezüge zu den ausgestellten Werken schaffen», schwärmt er.

Auch der Besitzer des momentan leer stehenden Lokals, Hans Büchel, freut sich über die Ausstellung: «Schön, ist es genutzt mit etwas, das mir Freude macht.» Die vor viereinhalb Jahren verstorbene Künstlerin Gertrud Guyer Wyrsch kannte er selbst. Vor dem Gebäude steht eine ihrer Stelen, die zum Haus gehört. «Einmal half ich ihr für ein Atelier eine Werkstatt mit Bandsäge und Schleifmaschine einzurichten», erinnert er sich.

Künstlerin war über sieben Jahrzehnte produktiv

Unprätentiös und unkonventionell, wie Gertrud Guyer Wyrsch gewesen sein muss, kommen auch die Ausstellungswände aus Spanplatten, die später noch für Schreinerarbeiten weiter verwendet werden sollen sowie die einfachen Neonleuchten daher. Ana Holenstein, ihre Tochter, gab den Anstoss zur Ausstellung. Sie verwaltet den Nachlass der äussert produktiven und in der Zentralschweiz und im Raum Bern anerkannten Künstlerin. Deren künstlerische Tätigkeit umfasst sieben Jahrzehnte. Sie arbeitete mit der Säge, schliff, leimte, bohrte und entfaltete sich bis ins hohe Alter. Urs Sibler liess es aber nicht dabei bewenden, Werke aus verschiedenen Lebens- und Schaffensphasen zugänglich zu machen, sondern er lud Mireille Tscholitsch ein, mit ihr auszustellen. «Sie ist in Stans daheim und hat mit Gertrud Guyer Wyrsch einen Austausch gepflegt. Als sie zusagte, dachte ich, ‹das wird sicher spannend.›»

Schaffensreise nach Japan zusammen mit Lebensreise

Und Mireille Tscholitsch? «Ich habe mich gefreut, meine Gedanken zwischen ihre setzen zu dürfen», sagt sie. Sie entschied sich, eine Werkgruppe zu zeigen, die aufgrund einer «Schaffensreise» vor zwölf Jahren nach Japan entstanden ist. Das passe gut zu Gertruds Werken aus ihrer «Lebensreise», wie Tscholitsch sagt.

Viele Parallelen zwischen den beiden Künstlerinnen kristallisierten sich erst jetzt heraus, sagt Urs Sibler. So etwa Gertrud Guyers künstlerische Perspektive ihres Familienferienorts Caldetas in der Nähe von Barcelona, wo sie der nahe gelegene Steinbruch faszinierte, oder Mireille Tscholitschs spezielle Sichtweise des japanischen Kirschblütenfestes. Sie fotografierte dafür nicht die Kirschbäume mit den daruntersitzenden Menschen, sondern die von Kirschblütenblättern über­säten Planen von Tagen danach. Oder sie zeigt die fotografierenden Japaner auf gestickten Rundbildern mit Schatteneffekten an der Wand. Die Vergänglichkeit der Zeit, der Kontrast von Sichtbarem und Nichtsichtbarem, Stofflichkeit und Nichtstofflichkeit mit dem Phänomen des Lichts sind wiederkehrende Themen der 46-Jährigen, die Textildesignerin studiert hat. Immer wieder haben ihre Werke auch mit Natur zu tun, genau wie bei Gertrud Guyer. Deren kristalline Kugeln aus Holz greifen die Schatten-Bilder von Blättern auf ihrer Hausfassade auf. Türme, gelochte, geschlitzte, durchbrochene Säulen stellte Guyer mit Vorliebe in Zusammenhang mit ihren Tüchern aus. So ist es auch in der Ausstellung «Kunst im Rohbau». Ihre Leintücher mit abstrakten Linienrhythmen nannte sie «Hudel». Am 12. März wäre die Künstlerin 98 Jahre alt geworden. Die Familie feiert den Geburtstag mit Künstlern und Freunden in der Ausstellung.

Hinweis

Vernissage heute, Engelbergerstrasse 31, Stans, um 17.30 Uhr. Öffnungszeiten: täglich Montag bis Freitag 16 bis 20 Uhr. Samstag 10 bis 16 Uhr, Sonntag 10 bis 18 Uhr. Dienstag, 13. März: Lesung mit Res Brandenberger, 19.30 Uhr. Samstag, 17. März, 10.30 Uhr Mireille Tscholitsch führt durch ihre Werke.

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