Stans

Bei ihnen dreht sich alles um die Rolle – mit WC-Papier ein gutes Werk tun

Seit Mai bieten vier Nidwaldner einen Heimlieferservice für WC- und Haushaltspapier an. Ihr Anspruch: Nachhaltigkeit und soziales Engagement.

Marion Wannemacher
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Antonietta D'Angelo steht in der Stiftung Weidli im Reinraum am Packtisch und packt WC-Papierrollen in einen Karton. Die Hergiswilerin macht ihre Arbeit gern: «Ich finde es interessant, es ist ein neuer Auftrag – wieder eine neue Arbeit», sagt sie gut gelaunt.

Antonietta D'Angelo verpackt an einem geschützten Arbeitsplatz in der Stiftung Weidli WC-Papier für das Projekt pressant.ch. Hinten im Bild Rita und Beat Barmettler, Mitinitianten des Projekts.

Antonietta D'Angelo verpackt an einem geschützten Arbeitsplatz in der Stiftung Weidli WC-Papier für das Projekt pressant.ch. Hinten im Bild Rita und Beat Barmettler, Mitinitianten des Projekts.

Bild: Marion Wannemacher, Stans, 1. Dezember 2020

Rita Barmettler, eine von vier Auftraggebern des Nidwaldner Unternehmens pressant.ch, zeigt ihr, wo sie das Werbematerial, einen kleinen Flyer und Erfrischungstüchlein, platzieren soll.

Antonietta D'Angelo arbeitet an einem geschützten Arbeitsplatz in der Stiftung. Auch Abteilungsleiter Reto Geser freut sich über die neuen Kunden: «Wir sind sehr froh um solche Anfragen», betont er. «Es wird immer schwieriger, sehr einfache Arbeiten zu bekommen. Viele Unternehmen machen heute selber ihre Post oder geben sie einer Druckerei.» Auch wenn das junge Projekt derzeit noch wenig Aufträge generiert, sind sporadisch an die sieben Mitarbeiter im Weidli darin involviert. Sie verpacken Toilettenpapier und Haushaltsrollen, bringen sie zur Post und in seltenen Fällen, wenn es sich um eine kleine Liefermenge handelt, die in Stans an die Frau oder den Mann soll, liefern sie sie auch mit dem Leiterwagen.

Bist du ein «Falter», «Chruggler» oder «Wickler-Typ»?

«Wir wollten mit einem nachhaltigen Projekt zum Klimaschutz beitragen», erzählt Beat Barmettler. Dahinter stehen er, seine Frau Rita und ein befreundetes Paar, Marie und Adrian Murer aus Beckenried. Gemeinsam machten sich die vier auf Ideensuche. «Womit kann ich einen Beitrag leisten», sei die Schlüsselfrage gewesen. «Die Antwort lag klar auf der Hand: Mit etwas, das jeder tagtäglich braucht, wenn es pressant ist, mit WC-Papier», erzählt der 58-jährige Stanser. Ausserdem bieten die Unternehmer auch Haushaltspapier an. «Als Zielgruppe kommt dafür jeder in Frage, weil es alle brauchen», schlussfolgert er.
Und rechnet vor: «Statistisch gesehen verbrauchen Frau und Herr Schweizer im Jahr 15 Kilo WC-Papier, je nachdem, ob derjenige ein ‹Falter›, ‹Chruggler› oder ‹Wickler-Typ› ist.»

Übrigens habe die Idee nichts mit dem Hamsterwahn mancher Käufer um den Lockdown zu tun. «Wir feilen seit eineinhalb Jahren an unserem Projekt», versichert Beat Barmettler, der als Informatiker bei einer grossen Versicherung arbeitet.

Die wichtigsten Ideen hinter dem Projekt pressant.ch: Lange Transportwege vermeiden und auf Plastikverpackungen verzichten. Ihr erstes Ziel hat das Kleinstunternehmen bereits erreicht. Das WC-Papier kommt vom offenbar einzigen Toilettenpapier-Hersteller der Schweiz, aus Solothurn. Verpackt wird das Papier zum Ausliefern in Kartons ab einer Menge von 36 Rollen, wovon die soziale Institution Stiftung Weidli profitiert.

Angebote auf der Homepage von pressant.ch

Angebote auf der Homepage von pressant.ch

Printscreen: pressant.ch

Allerdings gebe es noch Hürden zu meistern, ist sich Beat Barmettler bewusst. Denn wegen der noch geringen Margen bei den Bestellungen liefert der Solothurner Produzent sein Produkt in – Plastik. Auch hofft man, den Spendenanteil an die Klimaschutzorganisation My blue planet bei gesteigertem Marktanteil erhöhen zu können. Derzeit werden bei einer Menge von 36 Rollen vierlagigen Papiers für 39 Franken 2 Franken an diese weitergegeben. Den grossen Preisunterschied zu handelsüblichem WC-Papier rechtfertigt Barmettler mit folgendem Argument: «Grossisten wenden eine sparsamere Herstellung durch weniger Blätter auf der Papierrolle an. Wenn es sich um ein Angebot handelt, sind vielleicht 150 statt der 200 Blätter darauf. Auf den Jahresverbrauch würde die Differenz zu unserem Produkt für eine Familie nur 60 Franken mehr betragen», gibt er sich überzeugt.

Noch stammen die Kunden hauptsächlich aus dem Bekanntenkreis. Der nächste Schritt sei, den Bekanntheitsgrad zu steigern. «Vielleicht sind wir mit einer gesunden Portion Naivität gestartet. Mittlerweile wissen wir auch, dass allein ein Inserat nicht ausreicht», sagt Barmettler. Immerhin, wir haben sehr positive Reaktionen. «Es gibt verschiedene Kunden, die den Umwelt- und Sozialgedanken unterstützen und sich freuen, dass sie ihr WC-Papier nicht mehr heim schleppen müssen.»