Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

STANS: Beim Arbeiten sieht er halb Nidwalden

Die Alp Chalcherli ist das Reich von Sepp Odermatt – seit 16 Jahren. Doch die Odermatts bewirtschaften die Alp schon viel länger.
Matthias Piazza
Sepp Odermatt beim Heuen auf der Chalcherli-Alp.seiner Alp am Stanserhorn. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue NZ)

Sepp Odermatt beim Heuen auf der Chalcherli-Alp.seiner Alp am Stanserhorn. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue NZ)

Matthias Piazza

Nach einer steilen, kurvenreichen Bergfahrt an der Nordflanke des Stanserhorns ist Schluss mit der Autofahrt. Das allerletzte Wegstück muss man zu Fuss zurücklegen. Doch die Mühe lohnt sich. Der Ausblick von der Alp Chalcherli auf 1161 Meter über Meer ist atemberaubend – besonders an diesem wolkenlosen Tag. Über den Vierwaldstättersee, den Nidwaldner Talkessel bis zur Rigi und die Mythen schweift der Blick. Wir sind im Reich von Sepp Odermatt. Hier arbeitet der 57-Jährige. Als Pächter bewirtschaftet er die Alp, die im Besitz der Genossenkorporation Stans ist und vom Tal unten als grüner Flecken in der sonst so stark bewaldeten Flanke zu erkennen ist.

Arbeit gibts genug. So schaut er zu den 21 Rindern, die Bauern ihm gegen ein Taggeld anvertrauen. Da die Rinder die ganze Zeit auf der Weide verbringen, kommen auch Verletzungen vor. So ist er auch ein bisschen Tierdoktor, behandelt etwa ein verletztes Bein, bei schwerwiegenderen Fällen kommt der Tierarzt. Unkraut jäten, heuen, damit die Rinder auch bei schlechtem Wetter zu fressen haben, Zäune aufstellen oder reparieren und Brennholz vorbereiten, gehören zu seinen weiteren Pflichten. Unterstützt wird er von seiner Familie. Seit 2001 verbringt er Sommer für Sommer viel Zeit als Älpler. Von Ende April bis Ende September fährt er fast jeden Abend nach seiner Arbeit als Zimmermann mit dem Töff von seinem Wohnort in der Kniri auf die Alp und kehrt beim Eindunkeln zurück. Am Wochenende und während seiner Ferien übernachtet er auch hier oben. So einsam, wie man meinen könnte, ist es nicht. «Immer wieder ergibt sich mit vorbeikommenden Wanderern ein Schwatz. Einige wollen auch wissen, wie ich hier oben lebe und arbeite», erzählt er.

«Kann Arbeit selbst einteilen»

Obwohl viel Körpereinsatz gefragt ist – in den steilen Hängen kommt beim Mähen nur die Sense zum Einsatz –, schätzt er seinen Job. «Ich bin in der freien Natur, habe eine tolle Aussicht, bin um Tiere herum und kann meine Arbeit selbst einteilen», zählt er die Vorzüge eines Chalcherli-Älp­lers auf. Bei Regenwetter mache die Arbeit natürlich etwas weniger Spass, gesteht er ein.

Doch mit dem Wetter habe er leben gelernt. In fünfzehn Jahren hat er diesbezüglich schon einiges erlebt. Als er Ende Mai 2006 fünf Tage auf der Alp war, begann es zu schneien, die Rinder mussten im Stall bleiben und mit Heu versorgt werden. Von grossen Unglücken seien er und seine Herde aber bisher verschont geblieben. An einen ernsten Zwischenfall kann er sich allerdings noch gut erinnern. Ein Rind wurde von einem Stein erschlagen.

Die Frage, ob er hier oben nichts vermisse, verneint er. «Als Mitglied der Stanser Seilzieher bin ich dank der Teilnahme an Europa- und Weltmeisterschaften in der ganzen Welt herumgekommen», erklärt er.

Bereits als Kind auf der Alp

Die Liebe zur Chalcherli-Alp wurde ihm sozusagen in die Wiege gelegt. Denn die Odermatt-Dynastie begann hier oben schon vor fast fünfzig Jahren. 1967 übernahm sein Vater Josef den Alpbetrieb. So verbrachte die ganze achtköpfige Familie die Sommerferien jeweils auf der Alp, die für Odermatt mit zahlreichen Kindheitserinnerungen verbunden ist. «Wir fällten kleine Tannen und machten daraus mehrere 1.-August-Feuer, die wohl sogar vom Tal aus sichtbar waren», erzählt er lachend.

Auch der bescheidene Komfort der Alphütte tat der Freude keinen Abbruch. «Wir sechs Geschwister schliefen auf einem strohbedeckten Brett, das der Vater für uns gezimmert hatte.» Unvergessen bleiben ihm die halbstündigen Fussmärsche von der Bluematt. Dort endete früher die mittlere Sektion der Stanserhorn-Bahn. Erst viel später wurde der Weg befahrbar.

Auch nach 16 Jahren ist ihm das Älplerleben noch nicht verleidet. Bereits hat er sich bei der Korporation Stans für fünf weitere Jahre verpflichtet. Und danach? «Wer weiss, das kommt ganz darauf an, wie gesund ich dann noch bin.» Gut möglich, dass sein Sohn, der ihn bereits jetzt schon unterstütze, dereinst in seine Fussstapfen trete und damit als dritte Odermatt-Generation auf der Chalcherli-Alp zum Rechten schaue.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.