STANS: Beim Siegerprojekt «ist Herzblut spürbar»

Der Regierungsrat hat sich bei der Klosterzukunft für ein Projekt einer St. Galler Firma entschieden. Die hohen Investitionen und die tiefe Rendite werfen Fragen auf.

Interview Oliver Mattmann
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Eine Neue Nutzungsidee für viel Raum - denn das bietet das ehemalige Klostergebäude in Stans. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue NZ)

Eine Neue Nutzungsidee für viel Raum - denn das bietet das ehemalige Klostergebäude in Stans. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue NZ)

Interview Oliver Mattmann

Unter dem Titel «Das kulinarische Erbe der Alpen» soll 2017 mit Ausbildungen und Vermarktungsplattformen rund ums Thema regionale Ernährung wieder Leben ins Kapuzinerkloster Stans einkehren (siehe Ausgabe von gestern). Hinter dem Projekt steht die St. Galler Firma Senn Ressources. Im Interview verrät Baudirektor Hans Wicki, was die Regierung macht, wenn das Vorhaben vor dem Landrat scheitert, und ob die Stossrichtung der Initianten sich nicht mit bereits bestehenden Angeboten in der Region konkurrenziert.

Das Siegerprojekt stammt von einer Firma aus St. Gallen. Haben Sie nicht Bedenken, dass es bei der Umsetzung an genügend «Herzblut» fehlen wird?

Hans Wicki: Nein. Der Regierungsrat hat sich ein umfassendes Bild zu den drei Projekten in der engeren Auswahl, darunter auch von heimischen Bewerbern, gemacht. Dazu haben auch Präsentationen gehört. Es ist bei allen Herzblut spürbar gewesen. Am Ende mussten wir zwischen drei sehr guten und wirtschaftlich tragfähigen Projekten entscheiden. Dies ist uns nicht leicht gefallen.

Die Firma Senn Ressources hat angetönt, für die Realisierung rund 6 bis 7 Millionen Franken in den Umbau und die Renovation des Klosters zu investieren. Das ist eine grosse Stange Geld, wenn man bedenkt, dass die Rendite gemäss eigenen Berechnungen nur gering ausfallen wird.

Wicki: Dem ist so. Auch das von uns beauftragte Büro hat das Projekt auf Herz und Nieren geprüft und ist zum Schluss gekommen, dass eine gewisse Wirtschaftlichkeit gegeben ist, wenn auch nicht in grossem Umfang. Aber offenbar gibt sich der Investor zufrieden damit. Er hat sich ja bereits dahin gehend geäussert, dass das Kloster für seine Firma vor allem ein Prestigeprojekt ist. Wenn die Räume nach der Renovation aber speditiv vermietet werden können, dürfte der Plan der Initianten aufgehen. Andernfalls kann ich mir vorstellen, dass Anpassungen am Konzept notwendig sein werden.

Ist in der Investitionssumme auch die längst fällige und lang ersehnte Renovation der sanierungsbedürftigen Räumlichkeiten enthalten?

Wicki: Dies war bereits ein Kriterium bei der Ausschreibung des Objekts. Und gemäss den Plänen soll die Renovation erfolgen, bevor das Kloster Ende 2016 oder 2017 geöffnet wird. Laut den Initianten sehen sie einen sanften Eingriff vor. Es wird nur so viel gemacht wie nötig, um den Charakter des Gebäudes zu erhalten. Dies ist in unserem und sicherlich auch im Sinne der früheren Kapuziner.

Trotzdem: Eine Erfolgsgarantie gibt es nicht. An wen geht das Kloster im Fall eines Scheiterns?

Wicki: Dann kommt es zum Heimfall, sprich das Kloster ginge zurück in den Besitz des Kantons. Dies werden wir im Baurechtsvertrag entsprechend regeln.

Sehen Sie ein Absturzrisiko, wenn der Baurechtsvertrag in den Landrat kommt?

Wicki: Ganz auszuschliessen ist dies natürlich nicht, auch später bei den ordentlichen Bewilligungsverfahren nicht. Doch ich sehe diesen Entscheiden zuversichtlich entgegen, schliesslich hat auch die breit abgestützte Jury mit Vertretern aller politischen Fraktionen, der Gemeinde Stans und der Interessengemeinschaft Kapuzinerkloster Stans das auserwählte Projekt zur Weiterbearbeitung empfohlen.

Und wenn doch schlimmstenfalls der Vertrag abgelehnt wird?

Wicki: Das würden wir natürlich bedauern. Ich gehe davon aus, dass wir dann die vier anderen Bewerber kontaktieren würden, ob sie nach wie vor Interesse am Objekt haben. Aber auch eine komplett neue Ausschreibung wäre denkbar.

Der Regierungsrat sieht im Siegerprojekt auch Chancen für den Tourismus. Inwiefern?

Wicki: Der Umgang mit einer gesunden Ernährung ist ein Zeitgeist unserer Gesellschaft. Ich bin überzeugt, dass nicht nur Berufsleute zu Ausbildungszwecken den Weg nach Stans finden werden, sondern das Ernährungskompetenzzentrum generell auf Interesse stossen wird. Das Kloster soll zu einem Begegnungsort für alle Menschen werden, die sich für Ernährung mit regionalen Produkten und die Natur interessieren. Wir gehen daher davon aus, dass dies auch Logiernächte und Umsätze für nachgelagerte Tourismus- und Gastgewerbebetriebe abwerfen wird.

Kochkurse, Rezepte mit einheimischen Zutaten, Angebote von Landfrauen, all dies gibt es bereits. Werden mit dem Projekt nicht Anbieter aus dem eigenen Kanton konkurrenziert?

Wicki: Nein, diese Ansicht teile ich nicht. Vielmehr sehe ich die Chance dieser Anbieter, sich und ihre Produkte innerhalb professioneller Strukturen an einem zentralen Ort präsentieren zu können. Das Projekt will ja eben gerade regionale Produzenten in der Vermarktung unterstützen. Ein Beispiel: Ein Zürcher absolviert in Stans einen Kurs über heimischen Käse und staunt, wo dieser bei der Essenszubereitung überall eingesetzt werden kann. Wie es am Ende schmeckt, probiert er beispielsweise bei einer Landfrau, die für ihn kocht, bevor er das Produkt hier kauft und zu Hause selber nach diesem Rezept vorgeht. Ich glaube, dass es für regionale Produzenten einige solcher Möglichkeiten geben wird, auf diesen Zug aufzuspringen.