STANS: «Christentum ist mehr als nur Religion»

Fabian Pfaff hat für seine Maturaarbeit den Luzerner Religionspreis erhalten. Theologie studieren will er aber trotzdem nicht.

Philipp Unterschütz
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Fabian Pfaff hat die göttliche Dreifaltigkeit zum Thema seiner Maturaarbeit gemacht. (Bild: pd)

Fabian Pfaff hat die göttliche Dreifaltigkeit zum Thema seiner Maturaarbeit gemacht. (Bild: pd)

«Die Note 6 ist das Ziel für meine Maturaarbeit», sagte der Stanser Fabian Pfaff nach Abgabe seiner Arbeit zum Geschichtslehrer. Auf dessen Bemerkung, dass er dann ja kein weiteres Ziel mehr habe, scherzte Fabian Pfaff: «Doch, den Religionspreis.» Trotzdem war es für den Schüler der Kantonsschule Alpenquai in Luzern eine grosse Überraschung, dass seine Arbeit – «Eine Untersuchung des Stellenwertes der Trinität und ihrer Vermittlung in der Praxis von Seelsorgenden und Theologen» – mit dem Luzerner Religionspreis 2014 ausgezeichnet wurde. «Ich war auch erstaunt, weil ich die Arbeit erst im letzten Moment vor Abgabetermin fertiggestellt habe.»

Denkanstösse für Fachleute

Für seine Maturaarbeit hat sich Fabian Pfaff ein schwieriges Thema ausgesucht. Die göttliche Dreifaltigkeit, oder eben Trinität, ist zwar ein zentrales Dogma des Christentums, aber auch ein äusserst komplexes. Im Mittelpunkt der Arbeit stehen neun Interviews mit Personen im Dienst der katholischen Kirche, Frauen und Männer, Priester und Laien, Religionspädagogen und Pastoralassistenten. Dabei setzte er den Fokus auf die lebenspraktische Bedeutung der Trinität. Für die Jury von der Theologischen Fakultät der Universität Luzern hat sich Fabian Pfaff eigenständig und kundig mit dem schwierigen Thema auseinandergesetzt. «Die Arbeit zeugt von einer frischen, neugierigen Herangehensweise an ein Thema, das für heutige junge Menschen nicht gerade auf der Hand liegt. Die Ergebnisse seiner Arbeit dürften Fachleuten viel Anlass auch zum selbstkritischen Weiterdenken geben», begründet die Jury die Auszeichnung mit dem Luzerner Religionspreis, der mit 500 Franken dotiert ist.

Kultureller Aspekt ist sehr wichtig

Fabian Pfaff erzählt, dass er von Lehrern vor der Komplexität gewarnt worden sei. «Weil das Trinitätsdogma für mich das interessanteste zentrale Dogma der katholischen Kirche darstellt, war es nur konsequent, dieses Thema zu wählen. Das Christentum ist mehr als nur Religion.» Er sei überzeugt, dass es notwendig sei, Religionen mit ihren Glaubensgrundsätzen zu verstehen. Der kulturelle Aspekt sei sehr wichtig. «Zur kulturellen Identität der Schweiz gehört das Christentum und somit auch die Trinität.» Über 300 Stunden hat er in seine Arbeit investiert. «Zum Glück hatte ich die grosse Motivationskrise erst ganz am Schluss, als es keinen Weg zurück gab», sagt Fabian Pfaff lachend.

Gemeinsame Position fehlt

Für den Preisträger selbst ist das Ergebnis seiner Arbeit beunruhigend. Während für die Gläubigen die Trinität ausserhalb von Brauchtum und Ritualen wenig Bedeutung habe, scheine der Stellenwert des Dogmas auch für die Mitarbeiter der Kirche wegen fehlender gemeinsamer Positionen künftig weiter zu sinken. Die Jury kommt in ihrer Begründung der Preisvergabe zum Schluss: «Sein Ergebnis zeigt, dass Individualisierung und religiöse Pluralität bei den katholischen Berufstheologen heute selbstverständlich geworden sind. In der pastoralen Praxis gibt es nicht das eine Verständnis von Trinität. Das Profil einer Religionsgemeinschaft kann, so konstatiert der Autor richtig, in dieser Pluralität verschwimmen, Vermittlung wird angesichts der mangelnden Eindeutigkeit schwieriger.»

Mit zwei Kulturen aufgewachsen

Fabian Pfaff ist wohl gläubiger als viele seiner Altersgenossen. Er geht jeden Sonntag in die Kirche und ist Firmbegleiter in der Pfarrei Bruder Klaus in Kriens. Keine Selbstverständlichkeit für einen jungen Mann, der als Kind eines Schweizers und einer Thailänderin bis zum 6. Lebensjahr in Thailand lebte und zwischen Christentum und Buddhismus aufwuchs. «Die asiatische, buddhistische Denkweise ist ganz anders als unsere christliche und ist mir weniger zugänglich.» Mit seiner Arbeit wollte Fabian Pfaff denn auch theologisch weniger versierten Personen einen Einblick und ein besseres Verständnis der eigenen Kultur ermöglichen.

Letztlich kommt er zum Schluss, dass er auch nach der aufwendigen Arbeit nicht viel mehr über die Trinität wisse. Und im Verlauf der Arbeit änderte er auch seine Studienpläne. «Nach dem Lesen von vier Büchern zum Thema Trinität, in denen von jedem Theologen neue Sprechweisen eingeführt werden, erkannte ich, dass ein Theologiestudium für mich nicht mehr in Frage kommt.» Es sei aber keineswegs so, dass ihn die Arbeit von der Religion entfernt hätte. Aber das Christentum sei für ihn ein praktischer Glaube, den man leben und verstehen müsse. In seiner Arbeit schreibt Fabian Pfaff zum Schluss: «Meiner Ansicht nach wird es nicht besser, wenn man versucht, ein Geheimnis des Glaubens mit philosophischen Konstrukten zu rechtfertigen. Muss man denn alles rational erklären können? Sollte man sich nicht zur Unwissenheit bekennen?»