Stans
«Corona ver-rückt die Welt»: Ein Pandemie-Theater der Künstlerin Carmen Annen in 17 Bildern

Die Stansstader Künstlerin Carmen Annen hat die Coronapandemie in 17 Bildern dokumentiert. Diese sind nun im Schnyderpark in Stans ausgestellt.

Rafael Schneuwly
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Zuerst dominierten die Bilder aus China: Menschenleere, abgeriegelte Metropolen, in Panik geratene Behörden, Reiseverbote in andere Regionen und Länder. Für die Europäer war das anfänglich weit entfernt, doch spätestens, als in Städten wie Luzern die ausländischen Touristen ausblieben, wurde auch die Schweiz ein Teil der Pandemie-Welt. Am 11. März 2020 wurden in Nidwalden die ersten Coronafälle registriert und einen Monat später musste der erste Coronatodesfall im Kanton verzeichnet werden.

Die bekannte Stansstader Künstlerin Carmen Annen beobachtete die Pandemie von Beginn weg als Chronistin, denn das war für sie die einzige Möglichkeit, die Schrecken von Covid-19 zu akzeptieren. Entstanden ist eine Vielzahl von Filzstift-Zeichnungen im Format von 20 x 14 Zentimeter; 17 von ihnen werden vom 23. April bis zum 28. Mai im Schnyder-Park in Stans ausgestellt und zeigen in Nidwalden wohl zum ersten Mal in dieser dichten künstlerischen Form die Folgen der tödlichen Krankheit.

Dramatische Szenen

Die Zeichnungen zeigen grosses Theater: farbenfrohe Bilder, wildbewegte Szenen voller Leben, bis auf den letzten Quadratzentimeter gefüllt mit Menschen, verzerrte, lustige, angsterfüllte Gesichter mit grossen Augen und weit geöffneten Mündern, die aus dem dunkeln Hintergrund heraus expressiv den Kontakt mit der Ausserwelt suchen. Die Technik und die Bildsprache erinnern an Comics, und an Comics erinnern auch die Wortfetzen, die auf vielen Zeichnungen in leuchtend weisser Farbe aufgetragen sind: «Corona blüht»; «Stille, Ruhe»; «Die Kronen fallen»; «Abstand!»; «Virus adee!», «The End», «Au-a!», «Lockerung» und immer wieder «Stop!», «Halt!», begleitet von riesigen, demonstrativ ausgestreckten Händen. Es wäre eine reizvolle Aufgabe, nur die eingefügten Wörter und die Begleittexte in der gedruckten Coronachronik zu lesen und so die Abfolge der Bilder zu bestimmen.

Die Ausstellung von Carmen Annen Bonati läuft vom 23. April bis 28. Mai.

Die Ausstellung von Carmen Annen Bonati läuft vom 23. April bis 28. Mai.

Bild: PD

Im virtuellen Theater breitet sich die Pandemie rasend schnell aus, der Lockdown bringt am Anfang willkommene Ruhe, aber nichts geht mehr, die Grenzen sind geschlossen, die Flugzeuge bleiben am Boden. Im Mai 2020 kehrt die Normalität zurück, im Sommer wird das Virus zerdrückt, es darf wieder gefeiert werden, doch Covid-19 schlägt im Herbst mit der zweiten Welle zurück. Nun, im Jahr 2021, setzen die Menschen, die bereits wieder zu feiern beginnen, auf die Impfung und schöpfen neue Hoffnung. Im dritten Bild, das die Lage im März 2020 zeigt, wird die Hauptdarstellerin des Dramas gezeigt: Corona, die Krone, dargestellt als schöne, gefährliche Frau, geschmückt mit dem tödlichen Virus, schleierhaft getarnt hinter einer porösen Maske.

Mit Poesie zurück in eine coronafreie Welt

«Corona ver-rückt die Welt» lautet der Titel dieser Ausstellung. Doch in einer verrückten Welt voller Disharmonie, Zweifel und Angst möchte die Künstlerin die Besucher nicht zurücklassen. In der Einladung betont Carmen Annen ihr persönliches Bedürfnis, die Tragik der Pandemie mit grafischen Zeichnungen, Ironie und leuchtenden Farben zu dämpfen. Zum seelischen Wohlbefinden sollen auch die poetischen Blumen- und Streifenbilder beitragen, die sich im Treppenhaus und in den oberen Stockwerken des Schnyderparks in Stans befinden. Es sind um die 25 farbenfrohe Werke in verschiedenen Formaten, die auch einmal dekorativ, wenn nicht gar kitschig, sein dürfen, hergestellt in der ganz speziellen Carmen-Annen-Technik auf Textil. Als Paradebeispiel mag das Rosenbild beim Eingang zur Ausstellung dienen, das aus nicht weniger als 3600 kleinen Rosen aus Leinen besteht.

«Corona ver-rückt die Welt». Mit Blumen-Poesie

Vernissage: Freitag, 23. April 2021. 18.00 Uhr. Laudator Rafael Schneuwly

Finissage mit Apéro: Freitag, 28. Mai 2021. 18.00–20.00 Uhr

Öffnungszeiten: Montag–Freitag, 9.00–11.30 Uhr, 14.00 Uhr–17.00 Uhr; samstags 9.00–14.00 Uhr; an Sonn- und Feiertagen geschlossen.

Carmen Annen Bonati ist an folgenden Tagen anwesend: 24. April, 1. Mai, 8. Mai, 15. Mai (oder nach tel. Vereinbarung/ 078 926 23 28)

Ein Teil des Verkaufs geht an das Hilfswerk Hison.