Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

STANS: Dächer sind für sie ein Übungsgerät

Es sieht gefährlich aus. Dabei haben sich die vier Parkour-Sportler bei ihren Sprüngen noch nie verletzt. Ihre Leidenschaft führt sie aber durchaus an ihre Grenzen.
Matthias Piazza
Der Vereinsmitglieder von Parkour Stans auf einem Dach beim Berufsschulhaus (von links): Tobias Barmettler, Nino Sollberger, Dario Da Silva und Joel Odermatt. (Bild Corinne Glanzmann)

Der Vereinsmitglieder von Parkour Stans auf einem Dach beim Berufsschulhaus (von links): Tobias Barmettler, Nino Sollberger, Dario Da Silva und Joel Odermatt. (Bild Corinne Glanzmann)

Matthias Piazza

Dario Da Silva (15) holt aus, springt vom Parkplatzdach und landet einige Meter weiter auf dem Asphaltboden – unverletzt und auf beiden Beinen. Seine Kollegen Tobias Barmettler, Nino Sollberger und Joel Odermatt (alle 18) tun es ihm nach. Waghalsige Sprünge, Saltos und Rollen folgen Schlag auf Schlag. Als Zuschauer bleibt einem der Atem weg. Doch die Befürchtungen sind umsonst. Die akrobatischen Einlagen bei der Stanser Berufsschule bringen die vier jungen Stanser ohne einen einzigen Kratzer über die Bühne – wie immer, wie Nino Sollberger bestätigt. «Wir hatten uns bisher noch nie ernsthaft verletzt.»

Ein besonderer Kick

Auch wenn die Sprünge von Dächern und über Mauern brandgefährlich aussehen, von einem Risiko will Nino Sollberger nicht sprechen. «Ich springe erst, wenn ich mir zu mehr als 90 Prozent sicher bin, dass ich die Figur beherrsche. Und dafür üben wir ja in der Turnhalle die Sprünge ein.» Auf Knie- oder Armschoner oder auch auf Helme wird verzichtet. Diese wären nur hinderlich. «Turnschuhe und Sportkleider reichen.»

Als ehemaliger Geräteturner kenne er seine Grenzen gut. Das sei wichtig. Sollberger hebt den besonderen Kick dieser Sportart hervor. «Die Anspannung weicht nach dem Sprung einer Erleichterung und Zufriedenheit. Ich habe den Sprung geschafft. Solche Gefühle habe ich beim Fussball nicht.»

Die ursprüngliche Idee von Parkour ist, den kürzesten Weg zu nehmen. Dafür sei Stans aber eher weniger geeignet. Auch gehe es ihnen nicht darum, irgendwelche Gebäude zu erobern oder sich sonst in illegale Bereiche zu begeben.

Kopf und Körper sind gefragt

Joel Odermatt erwähnt die Herausforderung der Balance. «Ich muss mit dem Kopf hundertprozentig bei der Sache sein, damit mir mein Körper gehorcht.»

Die vier betreiben die Sportart seit rund drei Jahren, klettern über Mauern und springen von Dächern – und das gewissermassen professionell. Parkour nennt sich das aussergewöhnliche Hobby. «Das Faszinierende daran ist das Ausloten der eigenen Grenzen und die Kontrolle über den Körper», erzählt Tobias Barmettler, der über Youtube-Videos zum Parkour kam.

Mit Nino Sollberger traf er einen Gleichgesinnten. Im Parkour-Verein Luzern konnten sie ihr Hobby ausleben, sich mit Gleichgesinnten austauschen und in geeigneten Hallen Sprungtechniken üben und verfeinern. Doch bald schon war der Wunsch da, die Sportart auch in Nidwalden populär zu machen. Sie gründeten zusammen mit Dario Da Silva und Joel Odermatt einen eigenen Verein in Stans. Das war vor drei Jahren.

Immer neue Sprünge

Seither perfektionieren sie ihre Sportart, üben neue Sprünge ein, lassen sich von Spots aus der Szene inspirieren. Die Berufsschule mit ihren Mäuerchen, Dächern und Treppen dient dabei als eine von mehreren geeigneten Übungsanlagen. Ihre ausgefallenen «Stunts» hätten ihnen auch schon den einen oder anderen Rüffel eines Hausabwartes oder Anwohners eingebracht, geben sie kleinlaut zu. Man finde aber immer den Rank miteinander.

Der eigentliche Durchbruch im Verein war im vergangenen Sommer. Mit dem Erreichen der Volljährigkeit durften Tobias und Joel nun auch als Leiter auftreten. Seither lernen die Mitglieder dienstags in der Tellenmatthalle in Einführungs- und Grundkursen mit Trampolin und Matten die Grundlagen des Parkour – unter der Anleitung der Profis. «Richtig landen und abrollen sind besonders wichtig für die Sprünge», erklärt Hauptleiter Nino Sollberger. Auf 15 Mitglieder ist der Verein mittlerweile angewachsen. Der Jüngste ist 12 Jahre alt, die Ältesten sind 18, die meisten kommen aus Stans. Auch in Schulen wird um Neumitglieder geworben. Noch habe es freie Plätze.

Das Quartett ist sich einig, dass sie ohne Parkour nicht mehr leben könnten. «Mir würden die Leidenschaft und der Zusammenhalt unter uns fehlen. Bei diesem Sport fühle ich mich frei, ohne Strukturen eines Mannschaftssportes», meint etwa Tobias Barmettler. «Parkour beansprucht den ganzen Körper, das gibt mir einen Ausgleich zum Alltag», ergänzt Nino Sollberger.

Auf dem kürzesten Weg

Parkour ist eine relativ junge Sportart, die sich vom Begriff Parcours ableitet. Der Sportler versucht dabei, unter Überwindung sämtlicher Hindernisse den kürzesten oder effizientesten Weg von A zum selbst gewählten Ziel B zu nehmen. Parkour kann sowohl in natürlichem als auch in urbanem Umfeld praktiziert werden. Das Spektrum reicht dabei vom Klettern über Mauern bis hin zu spektakulären Sprüngen von Dächern.

Hinweis

Internet: www.parkourstans.ch

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.