Stans
Das alte Pfarrhaus erhält nun Büro- und Arbeitsplätze

Im Stanser Pfarrhaus sollen im Sommer die Pfarreileitung und das Seelsorgeteam einziehen.

Richard Greuter
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Das katholische Pfarrhaus von Stans. Nun will es der Kirchenrat umnutzen.

Das katholische Pfarrhaus von Stans. Nun will es der Kirchenrat umnutzen.

Bild: Richard Greuter
(20. Januar 2021)

An einer ausserordentlichen Kirchgemeindeversammlung entscheiden die Mitglieder der katholischen Kirchgemeinde über die künftige Nutzung ihres Pfarrhauses. Mit einem Gesamtbetrag von 405'000 Franken möchte der Kirchenrat anstelle der Pfarrwohnung und den Gästezimmern zehn Büroräume mit insgesamt 13 Arbeitsplätzen einrichten. Dabei möchte er die Projektarbeiten so gestalten, dass jederzeit wieder eine Wohnung eingerichtet werden kann, hält Bauchef Max Leuthold fest.

Stimmt die Kirchgemeindeversammlung dem Vorhaben kommende Woche zu, soll gemäss Kirchmeier Matthias Bünter im kommenden Frühjahr mit den Arbeiten begonnen werden, die bis zu den Sommerferien abgeschlossen sein sollen. «Wir möchten, dass die Mitarbeiter während der Sommerferien umziehen können», sagt Bünter.

Sämtliche Arbeitsplätze unter einem Dach vereint

Bereits an der Budgetversammlung vom vergangenen November berichtete Bünter über die Neuorganisation der Pfarreileitung, die sich nach dem Tod des beliebten Pfarrers David Blunschi aufgedrängt hatte. Wie diese Zeitung bereits berichtete, wird die Pfarrei neu durch das Dreierteam Melchior Betschart, Marino Bosoppi und Religionspädagogin Daniela Bühlmann geleitet. Sechs weitere Personen sind im Seelsorgeteam tätig. Ihre Arbeitsplätze befinden sich derzeit im Sigristen- und im Pfarrhaus verteilt.

Um effizient arbeiten zu können, entstand der Wunsch, sämtliche Arbeitsplätze unter einem Dach zu vereinen. Da die Platzverhältnisse im Sigristenhaus für einen Zusammenschluss nicht ausreichen, entschieden sich der Kirchenrat und das Seelsorgeteam für einen Umzug ins verwaiste Pfarrhaus. Da der Pfarradministrator Melchior Betschart und der priesterliche Mitarbeiter Bede Nwadinobi ausserhalb des Pfarrhauses wohnen, stand diesem Vorhaben nichts im Wege.

Denkmalgeschützte Kassettendecke wird renoviert

Laut Bauchef Max Leuthold besteht das viergeschossige Pfarrhaus aus dem Keller, dem Erdgeschoss, dem ersten Ober- sowie dem Dachgeschoss. Im Erdgeschoss sind das Sekretariat und das Büro des Pfarreiadministrators sowie Sitzungs- und Besprechungsräume untergebracht. Dies wird so bleiben. Aus der ehemaligen 4,5-Zimmer-Wohnung im ersten Obergeschoss entstehen drei Büroräume mit sechs Arbeitsplätzen. Im Dachgeschoss sind drei Gästezimmer mit Dusche und Bad sowie eine Gästestube mit Kochnische integriert. Aus diesen Räumen entstehen fünf Büroräume mit fünf Arbeitsplätzen.

Im ersten Ober- sowie im Dachgeschoss werden nicht benötigte Nasszellen aufgehoben. Zusätzlich sind die Reparatur der denkmalgeschützten Kassettendecke im Erdgeschoss, der Ersatz einiger Bodenbeläge und verschiedene Malerarbeiten vorgesehen. Da das Pfarrhaus zudem seit einigen Jahren an einen Wärmeverbund angeschlossen und keine interne Heizung mehr installiert ist, steht der Kamin als Schacht für die Netzinfrastruktur zur Verfügung. Der Dachkamin wird entfernt.

Das Sigristenhaus wurde in den 1970er-Jahren bereits einmal umfassend renoviert. Sind die Büroräumlichkeiten, die in einer ehemaligen Therapie untergebracht sind, geräumt, soll in einem späteren Projekt eine grosszügige 5-Zimmer-Wohnung entstehen. Der Treffpunkt «Corazon» im Erdgeschoss bleibt zudem bestehen.

Ein «habeliges» Haus für den Herrn Pfarrer

Das Pfarrhaus an der Ecke Nägeligasse/Knirigasse hat eine bewegte Geschichte. Nachdem in den Jahren 1641 bis 1647 die Pfarrkirche Stans neu erstellt wurde, wollte man dem Pfarrer ein «habeliges» Haus zur Verfügung stellen, berichtet Kirchmeier Matthias Bünter. Früher stand dem Pfarrer ein einfaches geschindeltes Holzhaus aus dem 14. Jahrhundert – ein sogenanntes Tätschhaus – zur Verfügung. Um das Pfarrhaus aufzustocken, riss man das Dach weg, baute ein neues Stockwerk darauf und deckte dieses mit einem etwas steileren Dach neu ab.

Erweitert wurde das Haus in einer Art Frondienst. Damals war es üblich, dass die Kirchgenossen und Bürger den Bau einer Kirche oder eines Pfarrhauses mit Spenden, Arbeit oder Zurverfügungstellung von Pferden und Transportwagen unterstützten. «Holz war damals Mangelware», berichtete Matthias Bünter. Verschiedenes Baumaterial, darunter eben auch Holz, hatten die Kirchgenossen zu liefern. Der Holzbau wurde vom Dorfbrand 1713 und auch beim Franzosenüberfall 1798 verschont. (R.G.)

Hinweis
Die ausserordentliche Stanser Kirchgemeindeversammlung findet am Freitag, 29. Januar, um 19.30 Uhr in der Pfarrkirche Stans statt.