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STANS: «Das Haus ist der letzte echte Bauzeuge»

Das Baugesuch für ­einen Neubau am Stanser Dorfplatz wurde sistiert. Ist das Haus schützenswert? Amtsleiter Stefan Zollinger ­verteidigt das lange Verfahren.
Interview Kurt Liembd
Dorfplatz 4/5 in Stans: Dem Pächter der Pizzeria mit Laden und den Mietern wurde wegen des heiklen Gebäudezustands gekündigt. (Bild Corinne Glanzmann)

Dorfplatz 4/5 in Stans: Dem Pächter der Pizzeria mit Laden und den Mietern wurde wegen des heiklen Gebäudezustands gekündigt. (Bild Corinne Glanzmann)

Interview Kurt Liembd

In Stans ist es ein offenes Geheimnis. Die beiden Eigentümer der Liegenschaft am Dorfplatz 4/5 sind ziemlich verärgert darüber, dass ihre Liegenschaft unter Schutz gestellt werden soll (siehe Ausgabe vom 30. Mai). Es sind dies die beiden Stanser Unternehmer Erich Amstutz von der Amstutz Holzbau AG und Herbert Würsch von der Wyss Haustechnik AG. Sollte ihr Haus unter Schutz gestellt werden, gibt es keine Abbruchbewilligung. Stefan Zollinger, Leiter des kantonalen Amtes für Kultur, will die Diskussion versachlichen und erklärt die Hintergründe.

Die Denkmalpflege hat bei Betroffenen oft einen schlechten Ruf. Woher kommt das?

Stefan Zollinger: Die kantonale Denkmalpflege macht nichts anderes, als einen demokratischen Auftrag der Nidwaldner Regierung zu erfüllen. Bei diesem klar definierten Auftrag, welcher auf dem Denkmalschutzgesetz und der Denkmalschutzverordnung basiert, gibt es klare und transparente Spielregeln und keinen Raum für Willkür.

Denkmalpfleger werden oft als «Bürokraten» und gar Verhinderer wahrgenommen.

Zollinger: Bürokratie wird ja nicht gemacht, um die Bürger zu ärgern, vielmehr entsteht sie dann, wenn viele ­verschiedene Ansprüche eingebunden werden müssen. Die Grundlage sind aber immer die Gesetze, und die macht der Landrat, der demokratisch vom Volk gewählt wird.

Auf das konkrete Projekt am Dorfplatz bezogen: Weshalb dauert das so lange? Das Baugesuch wurde ja schon vor einem Jahr eingereicht?

Zollinger: Es kann keine Rede von einem langatmigen Verfahren sein. Man muss bedenken, dass die Abläufe genau vorgeschrieben sind und die Rechtslage in diesem Fall komplex ist. Entsprechend müssen zahlreiche Abklärungen vorgenommen werden – bautechnisch wie historisch. Anschliessend müssen verschiedene Gutachten und Stellungnahmen eingeholt werden, und letztlich ist es eine komplexe Güterabwägung zwischen widerstrebenden Interessen. Das Ziel dabei ist es, eine Lösung zu finden, die der Allgemeinheit dient. Die kantonale Denkmalpflege darf durchaus selbstbewusst in Anspruch nehmen, sich für übergeordnete Interessen der Allgemeinheit wie den Schutz von Ortsbildern und Baudenkmälern starkzumachen und einen Kontrapunkt zu Partikularinteressen zu setzen. Ich bin deshalb kein Verfechter des verkürzten Weges.

Was glauben Sie persönlich: Wird dieses Gebäude unter Schutz gestellt?

Zollinger: Das kann ich beim besten Willen nicht sagen, denn ich bin weder Spezialist in der Sache, noch bin ich Mitglied der Denkmalpflegekommission. Die Entscheidung liegt beim Regierungsrat. Was ich aber sagen kann: In diesem Verfahren läuft alles planmässig und korrekt. Denn wie gesagt, die Rechtslage hier ist komplex, es gibt einen Regierungsratsbeschluss von 1963, der den Dorfplatz und alle angrenzenden Häuser unter Schutz stellt. Die Bauherrschaft war also in Kenntnis, dass das Gebäude unter dem Vorbehalt einer Unterschutzstellung steht, als sie die Liegenschaft erworben hat. Das ist ein zentraler Punkt.

Was ist Ihre Aufgabe als Leiter des Amtes für Kultur in dieser Angelegenheit?

Zollinger: In meiner Funktion ist es nicht meine Aufgabe, Pro oder Kontra zu vertreten. Vielmehr muss ich dafür sorgen und garantieren, dass die Abläufe der Verwaltung korrekt und rechtsstaatlich ablaufen. Es ist überhaupt nicht so, dass hier ein Konflikt «zwischen Bürokratie und innovativer Bauherrschaft besteht», wie von gewissen Kreisen zu skizzieren versucht wurde. Im Gegenteil: Wir sorgen dafür, dass die Bauherrschaft ein faires Verfahren erhält. Die ­Gemeinde organisierte dazu sogar einen runden Tisch. In einem fairen Verfahren müssen eben auch die Einsprachenrechte gewährleistet sein.

Ist dieses Haus ein Sonderfall betreffend seine Schutzwürdigkeit?

Zollinger: Wie gesagt, es gibt eine Unterschutzstellung von 1963, diese muss überprüft werden. Eine Unterschutzstellung muss aber nicht das Aus für eine weitere Nutzung bedeuten. Denken Sie an die Bürgerhäuser am Rathausplatz. Im Kanton Nidwalden gibt es rund 200 denkmalgeschützte Häuser. Alle sind bewohnt oder anderweitig genutzt.

Das Haus ist baulich in ganz schlechtem Zustand. Rechtfertigt sich da überhaupt eine Schutzwürdigkeit?

Zollinger: Ich will ja nicht vorgreifen, aber genau hier liegt doch der springende Punkt. Das Haus stammt aus der Zeit direkt nach dem Dorfbrand, und seit 1958, also seit bald 60 Jahren, wurde an diesem Haus nichts mehr gemacht. Ein solches Objekt ist aus denkmalpflegerischer Sicht viel interessanter als eines, das schon ­x-mal umgebaut und renoviert wurde, wie andere Gebäude am Dorfplatz.

Passt ein deutsches Typenhaus überhaupt auf den Stanser Dorfplatz?

Zollinger: Es ist nicht meine Aufgabe, das zu beurteilen. Ich kann nur sagen, dass Untersuchungen der Denkmalpflege Nidwalden gezeigt haben, dass dieses Haus ein originaler Zeuge des Wiederaufbaus des Stanser Dorfplatzes nach dem Brand von 1713 ist. Das Haus ist – ich betone dies – der letzte gebliebene und echte Bauzeuge seit der Unterschutzstellung des Dorfplatzes im Jahre 1963.

Wie geht es weiter?

Zollinger: Im Moment läuft das ­sogenannte Feststellungsverfahren. Wenn alle Stellungnahmen und Gutachten vorliegen, wird der Regierungsrat voraussichtlich im Herbst über die Schutzwürdigkeit entscheiden. Aufgrund dieses Entscheides kann danach das Baubewilligungsverfahren durch den Gemeinderat wieder aufgenommen werden.

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