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STANS: «Das ist ein gigantisches Erlebnis»

Mythos Jungfrau-­Marathon: Heute stehen in Interlaken 4500 Sportler am Start. Unter ihnen ist auch der Stanser Hobbysportler Norbert Kuster.
Kurt Liembd
Jungfrau-Marathon-Teilnehmer Norbert Kuster in der Gärtnerei Kuster in Stans. (Bild Corinne Glanzmann)

Jungfrau-Marathon-Teilnehmer Norbert Kuster in der Gärtnerei Kuster in Stans. (Bild Corinne Glanzmann)

Kurt Liembd

In welcher Sportart können sich Hobbysportler am gleichen Wettkampf mit Weltklasse-Athleten messen? Am Jungfrau-Marathon von heute ist dies wiederum der Fall. Unter den 55 Nid- und Obwaldnern startet auch Norbert Kuster (49), Mitinhaber des Gartencenters Kuster und ehemaliger Handballspieler in der Nationalliga A.

Norbert Kuster, Sie starten bereits zum 7. Mal am Jungfrau-Marathon. Woher nehmen Sie mit bald 50 Jahren Ihre Motivation dafür?

Kuster: Meine Motivation besteht darin, ein greifbares Ziel vor Augen zu haben. Dieses Ziel im wörtlichen Sinne zu erreichen, ist die grosse Herausforderung. Wer im Ziel auf der Kleinen Scheidegg einläuft, wird übermannt von unbeschreiblichen Glücksgefühlen.

Sie sind beim BSV Stans seit Jahren ein ausgeprägter Team-Sportler. Als Marathonläufer aber kämpfen Sie sich ganz alleine den Berg hoch. Wie geht das zusammen?

Kuster: Das ergänzt sich wunderbar. Am Berg ist es ein einsamer Kampf gegen sich selber, als Handballer kämpft man im Team gegen ein anderes Team. Ganz so einsam ist man als Läufer aber nicht, denn man sieht sich vor dem Rennen, manchmal auch unterwegs und im Ziel. Und vor allem freut man sich, wenn es auch den andern gut läuft.

Wie und wie lange haben Sie sich auf dieses Rennen vorbereitet?

Kuster: Ich machte keine spezifische Vorbereitung wie ein ambitionierter Leistungssportler. Etwa ein halbes Dutzend Mal bin ich aufs Stanserhorn gerannt und habe am Rugghubellauf teilgenommen. Zu meinem Training in Sachen Fitness gehört auch, dass ich beim BSV mehrmals pro Woche trainiere und jeden Tag körperlich arbeite.

Brauchten Sie nebst dem sportlichen Training auch eine mentale Vorbereitung?

Kuster: Andere machen vielleicht Höhentrainings oder Yoga. Ich war dafür die ganze letzte Woche in Norwegen und habe nach Dorsch und Seelachs gefischt. Das beruhigt unheimlich und ist deshalb auch eine psychische Vorbereitung für den Jungfrau-Marathon.

Würden Sie auch Ihren Freunden empfehlen, an diesem Wettkampf teilzunehmen?

Kuster: Ja, aber nur und wirklich nur unter der Bedingung, dass sich jemand gezielt und intensiv vorbereitet. Man darf nicht aus einer Laune heraus teilnehmen. Der Aufstieg von Lauterbrunnen nach Wengen und danach auf die Wengernalp ist kein Ponyhof. Man muss körperlich und geistig fit sein, sonst tut man sich ganz sicher keinen Gefallen.

Letztes Jahr mussten Sie das Rennen aufgeben. Weshalb?

Kuster: Ja, das war ganz schlimm, und zwar nach 28 Kilometern, kurz vor Wengen. Grund war, dass ich mich wenige Tage vor dem Wettkampf beim Handball verletzt habe und danach leicht Fieber hatte. Am Tag des Rennens war das Fieber zwar weg, aber ich war dennoch geschwächt. Die Rennaufgabe war ein Akt der Vernunft, auch wenn ich brutal enttäuscht war.

Und jetzt wollen Sie es nochmals wissen?

Kuster: Genau. Es geht mir dabei nicht darum, unbedingt meine Zeit vor zwei Jahren von 5:15 Stundn zu unterbieten, sondern darum, das Ziel gesund zu erreichen. Den Dudelsackbläser will ich einfach wieder erleben . . . (Anm. der Redaktion: Der Dudelsackbläser spielt auf dem höchsten Punkt der Gletschermoräne, rund einen Kilometer vor dem Ziel).

Es ist ein harter Wettkampf über 42,2 km Länge und eine Höhendifferenz von fast 2000 Metern. Was fasziniert Sie daran?

Kuster: Die Natur, das Panorama mit dem Dreigestirn Eiger, Mönch und Jungfrau, die Internationale Ambiance und die begeisterte Stimmung in den Dörfern und Bergen. Persönlich fasziniert es mich, die eigenen körperlichen und psychischen Grenzen auszuloten. Das alles zusammen ist ein gigantisches Erlebnis.

Mit welchen Gefühlen werden Sie am Samstag an den Start gehen?

Kuster: Nach der grossen Enttäuschung letztes Jahr mit sehr viel Respekt, aber auch mit riesiger Vorfreude. Es gibt im Leben nur wenige Momente, in denen man vorbehaltlos glücklich ist. Der Jungfrau-Marathon zählt für mich dazu.

Wie stark berührt oder belastet Sie der Vorfall vom letzten Sonntag am Halbmarathon in Sarnen, als ein Läufer nach dem Ziel tot zusammengebrochen ist?

Kuster: Das darf einen nicht belasten, obwohl es für die Betroffenen extrem schlimm ist. Aber man darf wegen dieser extrem kleinen Wahrscheinlichkeit doch nicht den ganzen Sport in Frage stellen. Das wäre unverhältnismässig, sonst könnte man im Leben ja fast nichts mehr machen.

Wie werden Sie sich nach dem Rennen erholen?

Kuster: Mit Physiotherapie und einem Psychologen . . . ! Nein im Ernst: Natürlich werde ich am andern Tag etwas schwere Knochen haben. Aber da ich mich gesund fühle und nur Hobbysportler bin, mache ich nur eine Sportpause und nichts Spezielles. Am Sonntag freue ich mich schon auf das erste Heimspiel der 1. Mannschaft des BSV Stans gegen Muotathal.

Laufsport kam nach Handball

Nobert Kuster (49, verheiratet, 2 Kinder) ist in Stans aufgewachsen und machte eine Lehre als Topfpflanzengärtner. Zusammen mit seinen Brüdern Josef und Marcel führt er heute das Gartenunternehmen Kuster in Stans, welches rund 50 Leute, darunter 13 Lehrlinge, beschäftigt. Zum Laufsport kam er nach Abschluss seiner Karriere als Handballer des BSV Stans. Während 18 Jahren spielte er in der 1. Mannschaft, davon mehrere Jahre auch in der Nationalliga A. Während zehn Jahren war er danach Juniorentrainer der U 17. Heute amtet er als Assistenz-Trainer der 1. Mannschaft.

55 aus Ob- und Nidwalden laufen mit

Am Samstag findet zum 24. Mal der Jungfrau-Marathon, einer der bekanntesten Bergmarathons der Welt, statt. Die Teilnehmerzahl ist aus Logistik- und Umweltgründen auf 4500 beschränkt, entsprechend ist der Lauf schon Monate zuvor restlos ausgebucht. Die Läufer und Läuferinnen stammen aus allen 26 Kantonen, aus über 50 Ländern und allen Kontinenten. Am Start stehen auch 33 Läufer aus Nidwalden und 22 aus Obwalden. Unter den 55 Teilnehmern aus Ob- und Nidwalden findet man auch bekannte Namen wie etwa Christoph Knoblauch (53) und Alexander Kerber (47), beide Ärzte am Kantonsspital Stans, oder Jürg Spieler (45), Präsident des BSV Stans. Erstmals dabei dieses Jahr ist die Spitzenläuferin Lucia Mayer (37) aus Ennetbürgen, ehemalige Siegerin des Lucerne Marathon. Die ältesten Teilnehmer aus Ob- und Nidwalden sind Fränzi Niederberger (65) aus Ennetmoos und Dieter Schorno (65) aus Sarnen. Der Start erfolgt um 9 Uhr in Interlaken und endet auf der Kleinen Scheidegg vor dem Dreigestirn Eiger, Mönch und Jungfrau. Dabei sind 42,2 Kilometer und fast 2000 Höhenmeter zu bewältigen. Nach einer 3-km-Schleife um Interlaken führt die Strecke nach Bönigen am Brienzersee, weiter nach Wilderswil, Gsteigwiler, Zweilütschinen, Lauterbrunnen, Wengen, Wengernalp, Haneggschuss und über die Moräne des Eigergletschers auf die Kleine Scheidegg.
www.jungfrau-marathon.ch

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