STANS: «Das Stanserhorn ist unser Berg»

Die «Eisheiligen» vom Stanserhorn sind kein Wetterphänomen. Das Grüppchen von Pensionierten fährt fast täglich zusammen auf den Berg.

Richard Greuter
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Die vier Eisheiligen bei ihrem Rundgang: Walter Waser, Hermann Hess, Alois Christen und Melk Joller (von links). (Bild Richard Greuter)

Die vier Eisheiligen bei ihrem Rundgang: Walter Waser, Hermann Hess, Alois Christen und Melk Joller (von links). (Bild Richard Greuter)

Wer kennt sie nicht, die Eisheiligen Mamertus, Pankratius, Servatius, Bonifatius und die kalte Sophie, die jeweils vom 11. bis 15. Mai den Kalender prägen. Bauern und Gärtner schauen jeweils darauf, bevor sie ihre Aussaat beginnen. Viele warten, bis die Eisheiligen vorbei sind, ehe sie ihre Geranien hinaushängen.

Doch es gibt noch andere «Eisheilige», nämlich auf dem Stanshorn. Allerdings haben Walter Waser, Alois Christen, Hermann Hess und Melk Joller, die sich regelmässig auf dem Stanserhorn treffen, mit dem Wetter nichts zu tun. Im Gegenteil, das Wetter, und sei es noch so frostig, kann den «Eisheiligen vom Stanserhorn» nichts anhaben.

Woher haben sie eigentlich den Namen Eisheilige? «Den haben wir ihnen gegeben», sagt Fabienne Huber, Marketingleiterin der Stanserhorn-Bahn. Während der Sommermonate treffen sich die fünf bis sechs Pensionierten jeweils am Morgen bei der Talstation und fahren gemeinsam mit der ersten Bahn auf «ihren» Berg. Sie gehören zu den treusten Stammgästen und müssen ihre Billette längt nicht mehr vorweisen.

Rekord mit 200 Besuchen

Den Rekord mit 200 Besuchen innert einer Saison erzielte der 78-jährige Alois Christen vor einigen Jahren. Manchmal sind auch Robert Odermatt und Hans Walser dabei. Doch die beiden sind an jenem Tag anderweitig beschäftigt.

Das Ritual der Pensionierten ist immer etwa gleich. Bereits in der Luftseilbahn halten sie Ausschau nach Wild. Allerdings hat es auf dieser Seite kaum Gämsen. «Vielleicht mal ein Reh», berichtet Melk Joller. Auch auf dem Rundgang will sich keine Gämse zeigen. Doch plötzlich heisst es: «Still!» Scheinbar hat sich doch ein Tier hervorgetan. Und tatsächlich sind drei bis vier Gämsen mit dem Feldstecher zu erkennen – immerhin, der Tag ist gerettet. Allerdings waren es auch schon deutlich mehr. Walter Waser sprach von mehr als zwanzig Gämsen, die zu sehen waren.

Nicht immer das Gleiche

Doch was macht die Faszination des Stanserhorns aus? «Das Stanserhorn ist halt unser Berg», meint Hermann Hess, der früher in den Pilatus-Flugzeugwerken tätig war. «Es ist besser, aufs Stanserhorn zu gehen, als in einer Wirtschaft zu sitzen», ergänzt Alois Christen. Es sei auch nicht immer das Gleiche, wie man meinen könnte, so Walter Waser. Dabei verwies der ehemalige Spitalfahrer auf die reichhaltige Flora und präzisiert: «Man muss nur das Auge dafür haben.» Joller, der früher bei der Swisscom arbeitete, erwähnt die grossartige Rundsicht von 360 Grad. An diesem Tag ist sie leicht trüb. Aber alle freuen sich auf einen goldenen Herbst, wo die Rundsicht noch klarer ist.

Und eines haben alle gemeinsam: «Wir gehen gerne aufs Stanserhorn, weil uns das Personal immer freundlich begrüsst.» Nach einem gemütlichen Kaffee geht es bereits um 10 Uhr wieder hinunter ins Tal.