Stans
An der Museumstagung wurde diskutiert: Wohin mit Nidwalden?

Die Werte sind erfreulich: 93 Prozent aller Zugezogenen fühlen sich in Nidwalden aufgenommen. Das zeigt eine Umfrage zur aktuellen Befindlichkeit der Bewohner. Trotzdem gibt es offene Fragen.

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Referat von Andrea Loetscher.

Referat von Andrea Loetscher.

Bild: PD

«So richtig einordnen lässt sich Nidwalden eigentlich nicht», stellte Stefan Zollinger, Vorsteher Amt für Kultur und Leiter des Nidwaldner Museums, in der Einleitung zur Museumstagung im Nidwaldner Museum fest. Stadt sei es nicht, Land auch nicht, dafür sei die Stadt zu schnell erreichbar. Und als Agglomeration sei Nidwalden zu eigenständig. Zudem würden die Begriffe je nach Fachgebiet unterschiedlich definiert. «Deshalb haben wir eine Umfrage lanciert, damit sich die Nidwaldnerinnen und Nidwaldner dazu äussern können, wie sie Nidwalden sehen und wie sie den Kanton erleben», heisst in der Mitteilung des Kantons Nidwalden. Die Tagung solle dazu beitragen, dass die Diskussion, was Nidwalden sei und sein wolle, präziser und sorgfältiger geführt wird.

Nidwaldner wünschen sich bezahlbares Wohneigentum

Die Umfrage, bei der 282 Personen teilgenommen hätten, zeige, dass 98 Prozent der Befragten sehr gerne oder gerne im Kanton wohnen. 93 Prozent der Zugezogenen würden sich laut Umfrage gut aufgenommen fühlen. Hingegen sind knapp 40 Prozent nicht glücklich darüber, dass Nidwalden so stark wächst. Nidwalden wird als ländlich, traditionell und sicher empfunden. Bei der Frage, was Nidwalden verbessern solle, wird als Erstes das bezahlbare Wohneigentum genannt, gefolgt von einer besseren Verkehrsanbindung und dem Erhalt der Natur.

Die Referentinnen und Referenten des Anlasses Lukas Arnold, Janine Schmutz, Paul Schneeberger, Andrea Loetscher (v. l.).

Die Referentinnen und Referenten des Anlasses Lukas Arnold, Janine Schmutz, Paul Schneeberger, Andrea Loetscher (v. l.).

Bild: PD

Die Attraktivität von Nidwalden machen gemäss Umfrage die Natur, die Steuern und das kulturelle Angebot aus. Paul Schneeberger, Historiker und Raumplaner, hielt fest, dass Nidwalden seit dem Bau der Achereggbrücke und des Seelisbergtunnels zu einem Kanton mit «Halt auf Verlangen» wurde. «Nidwalden ist ein integraler Teil der Agglomeration Luzern und des Metropolitanraums Zürich. Es ist eine Art durchgrünte Zwischenstadt, die sich zunehmend urbanisiert – auch wenn das Selbstbild ein anderes ist.» Oberhalb von 800 Metern über Meer sei Nidwalden ein facettenreicher Park, der über die Kantonsgrenzen hinausstrahle.

Die Herausforderungen für den Kanton Nidwalden seien der Verkehr, die Steuerpolitik sowie der Klimawandel, betonte Lukas Arnold, Unternehmer und Gemeindepräsident von Stans. In einer seiner Visionen knüpfte er mit Blick auf verschiedene Projekte wie Stanserhornbahn, Bannalpkraftwerk, Mobility und Pilatuswerke an Nidwaldens Tradition der Innovation an und kreierte dazu ein neues Wort: «Nidwalden könnte ein ‹NEWd-Walden› werden. Werden wir zum Klimavalley! Wir suchen Persönlichkeiten, Wissen und Unternehmen, um ein Cluster im Bereich der Klimatechnologie zu bilden. Bei diesem Thema ist ein riesiger Markt vorhanden. Viele Menschen könnten dafür hier arbeiten und Geld verdienen.»

Junge Menschen in den Fokus rücken

Der Mensch habe zwei wichtige Grundbedürfnisse: die Zugehörigkeit und die persönliche Entwicklungsmöglichkeit, erklärte Janine Schmutz, Kunsthistorikerin und Leiterin Kunstvermittlung Fondation Beyeler in Basel. In ihren Thesen stellte sie das kulturelle Angebot und die Vereine in den Vordergrund.

«Dieser kulturelle Boden hat Integrationspotenzial. Deshalb fühlen sich viele Zuzüger in Nidwalden wohl»,

meinte sie. Gerade im Vereinsleben zeichnen sich aber auch Nachwuchsprobleme ab. Es brauche darum auch neue Ideen, die willkommen geheissen werden. Sie denke dabei an Diversität im breitesten Sinne. Nidwalden könne in einen Knowledge Hub investieren, wo Wissensdiskurse stattfinden, damit das Wissen nicht in die universitären Zentren abwandere. Diese seien an Universitäten und Fachhochschulen von ausserhalb anzubinden. «Besonders am Herzen liegt mir aber, dass Nidwalden die jungen Menschen in den Fokus rückt», sagt sie.

Dafür brauche es passende Angebote und Strukturen. Die Bedürfnisse junger Menschen müssten ernst genommen und Orte geschaffen werden, wo innovative Ideen entstehen können. Damit Kultur gelinge, brauche es Diversität, betonte Andrea Loetscher, Konzertflötistin, Unternehmerin und Leiterin der Musikschule Ennetbürgen.

«Man muss die Grenzen sprengen, den Lopper nicht als Ende der Welt ansehen.»

Sie zählte die Klischees auf, mit denen Nidwalden behaftet ist. Wäre Nidwalden ein Mensch, dann hätte er bodenständige Werte, was ein guter Nährboden für die Kultur sei. Nidwalden habe kurze Wege, sei untereinander gut vernetzt, was vieles schnell ermögliche. «Warum nicht einen Salle Modulable in Nidwalden?», stellte sie provokativ in den Raum. Mit Toleranz, Freiheitssinn und einem Miteinander können neuartige Angebote geschaffen werden. Diese These unterstrich sie zusammen mit Musikerkolleginnen und -kollegen mit der Nidwaldner Hymne und dem Nidwaldner Tanzlied von Heinrich Leuthold, bei dem sie mit zwei abgeänderten Zeilen zu Offenheit gegenüber der Welt plädierte. In der Diskussion mit dem Publikum, unter der Leitung von Moderator Erich Aschwanden, kamen des Weiteren die Kinderbetreuungsmöglichkeiten, die kantonale Wohnungspolitik und die Chancen auch für Menschen mit Migrationshintergrund zur Sprache. (mah)