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STANS: Der Friedhof ist viel älter als vermutet

Jetzt liegen die ersten Ergebnisse der Grabungen in der Nägeligasse vor. Und sie erstaunen selbst den Staatsarchivar: Der historische Friedhof reicht bis ins 8. Jahrhundert zurück. Mit Folgen für die Geschichtsschreibung.
Matthias Piazza
Eine Glockenguss-Grube wird vermessen. (Bild: KEYSTONE/URS FLUEELER)

Eine Glockenguss-Grube wird vermessen. (Bild: KEYSTONE/URS FLUEELER)

«Wir haben viele neue Erkenntnisse gewinnen können, welche für die Nidwaldner Geschichtsschreibung von sehr grosser Bedeutung sind», freut sich der Nidwaldner Staatsarchivar Emil Weber, der die Fachstelle für Archäologie leitet, über die ersten Ergebnisse der archäologischen Rettungsgrabung an der Nägeligasse in Stans. Auslöser für die historischen Ausgrabungen war die Entdeckung eines Teils des historischen Friedhofs im vergangenen Dezember.

Die archäologische Ausgrabung begann im Januar und wurde am 8. April termingerecht abgeschlossen, sodass das Gelände an der Nägeligasse wieder für Bauarbeiten freigegeben werden konnte. Ein zweiköpfiges Team begleitete anschliessend die Erstellung der Fernwärmeleitung, die von der Nägeligasse zur Kirche hinführt. Anschliessend wurden die Funde, insbesondere die menschlichen Skelette, im Staatsarchiv gereinigt und Proben für die physikalische Altersbestimmung entnommen.

Insgesamt liessen sich für das ausgegrabene Gebiet sechs Nutzungsphasen feststellen, deren älteste bis ins Frühmittelalter zurückreicht. Einige Befunde sind für Staatsarchivar Emil Weber besonders erwähnenswert: «So fanden sich am Rand der Grabungsflächen Reste eines Kalkbrennofens, der ins 7. und 8. Jahrhundert datiert werden kann. Der in diesem Ofen produzierte Brennkalk dürfte bei der Errichtung der ältesten Kirche in Stans verwendet worden sein.»

Das sei für die Frühgeschichte von Nidwalden sehr bedeutend. «So wissen wir erstmals mit grosser Bestimmtheit, dass die ursprüngliche Pfarrkirche aus dem 8. Jahrhundert stammt, weil wir jetzt auch einen Friedhof aus dieser Zeit nachweisen können.» Diese 8,75 mal 6 Meter kleine Kirche wurde bei den 1984/85 durchgeführten Ausgrabungen in der Pfarrkirche St. Peter und Paul entdeckt, ihr Alter konnte aber nur geschätzt werden.

Alemannen brachten das Christentum

Man könne verschiedene weitere Schlüsse ziehen: «Die Alemannen bevölkerten in dieser Zeit Nidwalden, das wissen wir bereits aus Orts- und Flurnamenforschung. Gleichzeit gibt es eine erste Kirche im Kanton, das wissen wir jetzt. So liegt die Vermutung nahe, dass die alemannische Bevölkerung auch das Christentum nach Nidwalden brachte.» Die Bewohner von Stans nutzten das Gebiet demnach gleichzeitig mit der Errichtung der Kirche ab dem 8. Jahrhundert auch als Friedhof.

Sie wurden wohl Opfer der Pest

Als Besonderheit der aktuellen Ausgrabungen erwähnt Emil Weber die Grabgruben, in denen jeweils bis zu 20 Tote gleichzeitig oder in kurzer Zeit dicht nebeneinander bestattet wurden – ganz unterschiedlichen Alters und beiderlei Geschlechts. Sie datieren aus der Zeit zwischen Mitte des 15. und des 17. Jahrhunderts. «Es muss mit einem oder mehreren Ereignissen in diesem Zeitraum gerechnet werden, die mehrere Todesopfer gleichzeitig forderten», folgert Emil Weber. «Naheliegend ist, dass es sich hier um Opfer der Pest handelt, welche in Nidwalden in mehreren Wellen zwischen 1493 und 1629 grassierte. Das belegen Schriftquellen. Dass diese Menschen durch Gewalteinwirkungen wie Kriege zu Tode kamen, können wir ausschliessen, das hätte man den Skeletten angesehen.»

Folgeuntersuchung an der Uni Bern

Eine erste Folgeuntersuchung ist bereits aufgegleist. Das Institut für Rechtsmedizin der Universität Bern, das in die Ausgrabung der Skelette involviert war, will in einem eigenen Projekt Proben aus den Mehrfachbestattungen weiterführenden genetischen Untersuchungen unterziehen. So sollen Erklärungen über die Ursachen dieser grossen Anzahl von Todesfällen innert kurzer Zeit gefunden werden.

Hinweis

Am Montag, 14. November, findet in der Kollegi-Aula Stans im Rahmen der Herbstversammlung des Historischen Vereins Nidwalden ein öffentlicher Vortrag zu den archäologischen Grabungen im Dorfkern von Stans statt (Beginn 20 Uhr, Eintritt frei).

Matthias Piazza

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