Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

STANS: Der letzte Nachtwächter lebt in seinem Herzen weiter

Ein Held? Ein Offizier oder ein Politiker? Nein, ein einfacher Nachtwächter prangt an der Hausfassade von Alois Imboden – aus gutem Grund.
Adrian Venetz
Alois Imboden vor seiner Nachtwächter-Figur. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue NZ)

Alois Imboden vor seiner Nachtwächter-Figur. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue NZ)

Es waren einsame Stunden und oft bitterkalte Nächte. Seine abendliche Runde begann bei der Klostermatte oberhalb Stans. Von dieser Anhöhe aus blickte Niklaus Lussi über das Dorf. Seine Laterne leuchtete ihm den Weg Richtung Winkelried-Denkmal und Pfarrkirche. Weiter ging es durch den Dorfkern. Die Route war von der Gemeinde genau vorgegeben. Mit dabei hatte er stets seine Stechuhr, einen Beutel Pfeifentabak und ein Brandhorn. Von 1876 bis 1908 stand Lussi, wegen seines roten Barts auch «Rot-Chlais» genannt, im Dienst der Gemeinde. Er war deren letzter Nachtwächter.

25 Franken Lohn – pro Monat

In den Geschichtsbüchern über Stans tauchen viele Namen auf – angesehene Politiker, tüchtige Händler, tapfere Kämpfer. Lussi gehört nicht dazu. Mit dem Beruf des Nachtwächters waren weder Ruhm noch Ehre zu holen. 25 Franken Gehalt pro Monat waren auch für damalige Verhältnisse schon sehr bescheiden. Bereits als junger Mann verlor er bei einem Kanonenunfall an einer Fronleichnamsprozession seinen linken Unterarm. 1908, als sein Dienst in Stans abgeschafft wurde, schrieb Lussi einen herzzerreissenden Brief an den Gemeinderat mit der Bitte, man möge ihm auf die alten Tage hin eine kleine Rente gewähren. 100 Franken kriegte er dann jährlich – aber nicht für lange. 1910 starb der Nachtwächter an Krebs. Niklaus Lussi war kein Held, das Leben überschüttete ihn nicht mit Glück und Wohlstand. Trotzdem – oder gerade deshalb – ist der Stanser Alois Imboden (68) fasziniert vom Nachtwächter, dem «Rot-Chlais». Weder verwandt noch verschwägert sind sie. Aber er wohnt in seinem Haus. Und darauf ist Alois Imboden mächtig stolz.

Brandhorn im Privatmuseum

«1943 kaufte mein Vater dieses Haus an der Schmiedgasse 44», erzählt Imboden. Dass hier früher einmal der Nachtwächter Lussi gewohnt hatte, war der Familie bekannt, es interessierte damals aber niemanden gross. Erst in den 90er-Jahren ging der gelernte Möbelschreiner Imboden – er erbte das Haus vom Vater – auf Spurensuche. «Die alten Zeiten faszinieren mich einfach», sagt er. Vom Museum und von der Gemeinde erhielt Imboden einige alte Dokumente – darunter den besagten Bittbrief des Nachtwächters – und ein Brandhorn, mit dem der Nachtwächter Alarm schlug, wenn er auf seinem nächtlichen Rundgang ein Feuer entdeckte. Die Dokumente und Utensilien bewahrt Imboden nun in schmucken Glasvitrinen in seinem Haus auf. «Mein kleines Nachtwächter-Privatmuseum», nennt Imboden die Sammlung liebevoll. Wer Alois Imboden kennen lernt, lernt immer auch den letzten Stanser Nachtwächter kennen.

Damit nicht genug: 1993 hat sich Imboden entschlossen, dem «Rot-Chlais» auch einen Platz an seiner Hausfassade zu geben. Aus wetterfestem Sperrholz sägte er eine lebensgrosse Figur des Nachtwächters und bemalte diese. Eine darunter liegende Messingtafel erklärt Passanten und Besuchern der Schmiedgasse, um wen es sich handelt. «Bei Dorfführungen kommen die Gruppen immer auch bei meinem Haus vorbei», sagt Alois Imboden.

Dass die Figur dieser Tage wie neu ausschaut, hat einen guten Grund: «Ich habe sie gerade bei einem Malergeschäft komplett restaurieren lassen. Die Farben waren nach 23 Jahren schon etwas verblasst.» Imboden, in zweiter Ehe verheiratet und kinderlos, kümmert sich gern um seinen Nachtwächter.

Nachtwächter-Urkunde

Wer nun glaubt, Imboden habe es mit dieser lebensgrossen Reminiszenz an den letzten Stanser Nachtwächter bewenden lassen, wird bei einem Besuch bei ihm gleich eines Besseren belehrt. Stolz zeigt er eine Urkunde, die er vergangenes Jahr erhalten hat. Darauf der Dank an Alois Imboden für 20 Jahre Einsatz als Nachtwächter. Wie bitte? Imboden lacht. «Ja, ich bin selbst auch manchmal als Nachtwächter unterwegs», sagt er. Immer im Advent schlüpft er für ein Wochenende in seine historische Nachtwächteruniform und flaniert damit durch den Stanser Weihnachtsmarkt.

Adrian Venetz

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.