STANS: Der See-Mystik auf der Spur

Fotograf Armin Grässl aus Seelisberg tauschte die Modeszene New Yorks mit dem Vierwaldstättersee. Nun stellt er seine Bilder aus.

Otto Odermatt
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Sonne, Wolken, Wind, Himmel und Berge haben es ihm angetan: Zwei der ausgestellten besonderen Blicke des Fotografen über den Vierwaldstättersee. (Bilder Armin Grässl)

Sonne, Wolken, Wind, Himmel und Berge haben es ihm angetan: Zwei der ausgestellten besonderen Blicke des Fotografen über den Vierwaldstättersee. (Bilder Armin Grässl)

Die Stanser Logo-Galerie ist bekannt für ihre ungewöhnlichen Ausstellungen. Die neue zeigt Postkarten des Seelisberger Fotografen Armin Grässl mit speziellen Ansichten des Vierwaldstättersees. Armin Grässl besuchte 1978 die Fotoschule in Vevey. Er träumte wie jeder junge Fotograf von grossen Aufträgen für die Mode. Schöne Frauen in schönen Kleidern konnte er in New York, Paris und Wien ablichten. Er fotografierte für die Glanzhefte «Vogue», «Basta», «Wiener und Wienerin». In New York war er regelmässiger Gast in der Factory von Andy Warhol.

Adieu aufgesetztes Lächeln

Doch mit der Zeit wurden ihm die starren Bewegungen und das aufgesetzte Lächeln der Models zu viel. In der Factory von Andy Warhol erfuhr er, wie Kunst künstlich gemacht werden kann, wie Kunst vermarktet werden kann. Er erfuhr, wie das Kunstwerk durch den Preis qualifiziert wird. Grässl verliess die Factory von Warhol. Er verliess das künstliche Lächeln der Models, die prächtigen Kleider und die unnatürliche Welt der Kunst und der Mode.

Er zog nach Peru und drehte dort den Film «Die andere Seite der Sonne». Das künstliche Licht der Studios wurde durch die Sonne ersetzt. Er entdeckte Landschaften voller Wunder. Das Fest der Eingeborenen war nur für sie gedacht. Es war keine Show. In Gstaad führte ihn die Lebensweise der High­society zu den Bergen, Feldern und Blumen, und daraus entstand das Buch «Gstaad Saanenland».

Unerschöpfliche Natur

Der Vierwaldstättersee war Armin Grässls nächstes Atelier. Er verbrachte sieben Jahre lang Tage und Nächte auf dem See, erlebte Stürme und wundervoll heitere Tage, wartete und staunte über die vollendete Kunst der Natur, wie sie modellierte, wie sie aquarellierte, wie sie prächtig malte, und er drückte bei den für ihn schönsten Momenten den Auslöser seiner Kamera, und so entstand das prächtige Buch «Der See».

Seit Grässl in Seelisberg wohnt, geht er weiter in seiner Arbeit. Die Natur ist unerschöpflich. Was da mit Wasser, Sonne, Wolken, Wind, Himmel und Bergen alles geschieht, ist unglaublich. Grässl wartet überaus geduldig auf das einmalige Zusammenspiel all dieser Elemente und drückt bei einmalig schönen Augenblicken den Auslöser.

Aus diesen hat er 32 Postkarten geschaffen. Der Künstler will, dass alle Menschen mit ihm die Freude am See teilen und dessen Mystik erfahren. Eine Frage bleibt noch: «Können Postkarten überhaupt Kunstwerke sein?» Picasso hat einmal gesagt: «Der gute Künstler kopiert. Der grosse Künstler stiehlt.» Grässl ist ein hervorragender Dieb. Er hat mit seiner Kamera wunderschöne Momente der Natur «gestohlen».

Hinweis

Die Ausstellung in der Logo-Galerie, Engelbergstrasse 10, ist jeweils am Mittwoch und am Freitag während des ganzen Tages offen. Sie dauert bis zum 1. Dezember. Übrige Tage nach telefonischer Vereinbarung: 079 373 62 14.