STANS: Die Masten kommen per Luftfracht

Um Betriebsausfällen vorzubeugen, ersetzt die Zentralbahn alte Fahrleitungen. Ein Helikopter flog am Samstag im Minutentakt 160 Masten und Ausleger auf die Baustellen.

Philipp Unterschütz
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In weniger als einer Minute wird der vom Heli transportierte Fahrleitungsmast montiert. (Bild Philipp Unterschütz)

In weniger als einer Minute wird der vom Heli transportierte Fahrleitungsmast montiert. (Bild Philipp Unterschütz)

Fein säuberlich sortiert liegen die Fahrleitungsmasten und Ausleger auf einem Platz hinter dem Länderpark bereit. Im Abstand von wenigen Minuten fliegt der Helikopter diese abwechslungsweise zu zwei Montageplätzen zwischen Stans und Stansstad. Für rund 1,7 Millionen Franken ersetzen die Zentralbahn ZB die Fahrleitungen auf der 2,6 Kilometer langen Strecke und bringen die mechanischen Anlagen auf den neusten technischen Stand. Die Fahrleitungen sind vor über 30 Jahren gebaut worden, Witterung und Abnützung machten nun den Ersatz nötig. «Es würde immer schwieriger, einen sicheren Betrieb aufrechtzuerhalten, der Aufwand für den Unterhalt wird sonst zu gross und zu teuer», erklärt Daniel Gavin, Leiter elektrotechnische Anlagen bei der ZB auf einem der beiden Installationsplätze.

Die Logistik ist entscheidend

Auch für den Ingenieur ist es kein alltägliches Projekt. «Wir setzen zum ersten Mal einen Helikopter für Arbeiten an der Fahrleitung ein. Das geht viel schneller, und wir können ein bis zwei Wochenenden einsparen, müssen also weniger Bahnersatzbusse führen. Unter dem Strich ist das für uns günstiger.»

Gavin freut sich deshalb auch, dass das Wetter nach anfänglich schlechten Prognosen an diesem Samstag schliesslich doch noch mitgespielt hat und keine Verschiebung nötig war. «Wir fliegen nur heute. Insgesamt stellen wir 80 Masten mit 80 Auslegern, es sind also 160 Flugrotationen nötig.» Erneut fliegt der Transport-Heli an, drei Mitarbeiter setzen einen Mast auf das vorbereitete Fundament. Nicht einmal eine Minute dauert es, bis der Mast angeschraubt ist und der Heli wieder abdreht. Die Perfektion des Piloten ist insbesondere dort gefragt, wo in unmittelbarer Nähe der Bahnlinie Wohnhäuser stehen. «Das bedeutet schon eine gewisse Anspannung, es muss alles genaustens klappen», sagt Daniel Gavin und betont: «Wir sind absolut im Zeitplan, der hier in Minuten getaktet ist. Die Logistik in einem engen Zeitrahmen ist eine der grössten Herausforderungen bei diesem Projekt.»

Am 4. Mai wird eingeschaltet

Auch die Vorbereitungen hätten bestens geklappt, meint Gavin. Insgesamt 92 Fundamente seien in den letzten Wochen während verlängerter Nachtsperren gebaut worden. «25 davon sind 20 Meter tiefe Pfahlfundamente. Dies war wegen des Grundwassers nötig. Dafür holten wir vorgängig ein geologisches Gutachten ein.»

Die am Samstag aufgestellten Masten und Ausleger wurden am Sonntag justiert und eingestellt, und der Erddraht wurde eingezogen. Das nächste Wochenende werde dann das intensivste, erklärt Daniel Gavin. «Dann werden wir die alten Ausleger demontieren, die neue Fahrleitung spannen und mit Messfahrten testen. Am Montag, 4. Mai, um 4.30 Uhr nehmen wir die neue Fahrleitung in Betrieb.» Die Messungen seien ganz wichtig. Alle Abstände müssen genaustens stimmen und auch das Zick-Zack-Spiel auf den Stromabnehmern der Züge, damit es keine Beschädigungen oder übermässige Abnützungen gebe. Ein weiteres Wochenende wird dann noch benötigt, um die ausgedienten Masten und Fundamente rückzubauen.

Bahnersatzbusse

Weil die ZB zugleich auch den Bahnhof Engelberg erneuert, verkehren zwischen Engelberg und Dallenwil bis am 22. Mai Bahnersatzbusse. Wegen den Fahrleitungsarbeiten und der Anpassung der Personenunterführung bei Stans fahren die Ersatzbusse an den Wochenenden vom 2./3./9./10./16./17. Mai von Engelberg bis nach Stansstad.
 

Philipp Unterschütz