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STANS: Die Tracht aus einer neuen Perspektive

Trachten sind ein Stück Schweizer Volkskultur, haben aber für viele ein verstaubtes Image. Mit der Modeschau «Heimatgwand», für die Dunja Rutschmann alltagstaugliche Mode mit Elementen von Trachten kombiniert, betritt der Trachtenverein Stans Neuland.
Philipp Unterschütz
Dunja Rutschmann in ihrem Atelier im Trachtestübli mit einem der Modelle, die sie für die Modeschau Heimatgwand entworfen hat. Bild: Corinne Glanzmann (Stans, 25. Oktober 2016)

Dunja Rutschmann in ihrem Atelier im Trachtestübli mit einem der Modelle, die sie für die Modeschau Heimatgwand entworfen hat. Bild: Corinne Glanzmann (Stans, 25. Oktober 2016)

«Wir lehnen uns aus dem Fenster.» Elena Kaiser, Präsidentin von Trachten Stans, und Bekleidungsgestalterin Dunja Rutschmann sind sich bewusst, dass sie mit der Organisation der Modeschau «Heimatgwand» Neuland betreten und möglicherweise auch kritisiert werden. Die Diskussionen zwischen Puristen und Modernisten werden im Umfeld von volkstümlichen Bräuchen besonders gern geführt. Darf man Traditionen ändern, sie modernisieren?

Auch in den Statuten des Trachtenvereins Stans steht die Bewahrung und Förderung der Nidwaldner Trachten weit oben. Doch Präsidentin Elena Kaiser betont, dass man für «Heimatgwand» keine neuen Trachten schaffe, sondern einzig Elemente daraus verwende, um etwas ganz Neues zu kreieren. «Ich mache alltagstaugliche Mode für moderne Frauen und Männer», sagt Dunja Rutschmann, die mit ihren drei Mitarbeiterinnen seit Anfang Jahr in ihrem Trachtenstübli auf dem Dorfplatz Stans auf Hochtouren an den Kleidern für die Modeschau arbeitet. «Sie werden ganz anders aussehen, als die Leute wohl erwarten, und haben nichts mit Hüttengaudi zu tun.» Zwar gibt es in Deutschland und Österreich bereits seit einiger Zeit Trachten- und Landmode, die dort trendy und erfolgreich ist. Doch in der Schweiz haben die Dirndl unserer Nachbarn nur wenig kommerziellen Erfolg. Ausser an den importierten Oktoberfesten, wo sich sogar junge urbane Herren in fesche Lederhosen stürzen, wird diese Mode hierzulande kaum getragen – und ist eher eine Verkleidung als ein modisches Statement. Doch das Bedürfnis nach einer ähnlichen Moderichtung schweizerischer Prägung besteht und lässt Dunja Rutschmann durchaus auch auf kommerziellen Erfolg hoffen. «Die ersten Reaktionen waren durchwegs positiv.»

Die Kollektion soll die Weiblichkeit betonen

«Der Trend nimmt tatsächlich zu», sagt Dunja Rutschmann, die seit 22 Jahren selbstständig ist und seit 8 Jahren das Trachten­stübli auf dem Dorfplatz führt. Neben Artikeln aus der Schneiderei und der Boutique verkauft sie jährlich zwei bis drei komplette Nidwaldner Sonntagstrachten, etwa fünf Werktagstrachten, zehn Hirtenhemden und Nidwaldner Senner, viele Einzelteile, und sie macht etliche Reparaturen an Trachten. Tendenz steigend. «Das hat mit der zunehmenden Globalisierung zu tun. Man definiert seine Herkunft wieder vermehrt über Kleider. Und Handgemachtes ist in. Man ist sich der Wertigkeit wieder viel stärker bewusst.» Doch für viele Leute bestehen Hürden, sich eine Tracht anzuschaffen. Da ist zum einen der Preis von bis zu 12 000 Franken (je nach Stoff und Schmuck) für eine Sonntagstracht, was eine Tracht zu einer Investition fürs Leben macht. Dann sind da die geschriebenen und ungeschriebenen Reglemente, wer, wann, wo, welche Tracht tragen kann. Und schliesslich sind Trachten für viele Leute ganz einfach nicht alltagstauglich und haben ein verstaubtes Image. «Dass es für die traditionellen Trachten klare, historisch bedingte Definitionen gibt, finde ich absolut in Ordnung», sagt Elena Kaiser. «Aber es darf dazu eine Alternative geben, es muss auch eine Entwicklung stattfinden.» Die alltagstauglichen Kleider, die Dunja Rutschmann entworfen hat, beinhalten verschiedene Elemente von Nidwaldner Trachten – teilweise ganz subtil wie eine Faltenlegung, teilweise offensichtlich erkennbare Stickereien. «Momentan ist die Damenmode sehr androgyn, sehr männlich. Mir fehlt die Weiblichkeit, die in den Trachten zur Geltung kommt. Meine Mode soll Kurven betonen», erklärt Dunja Rutschmann und sagt lachend: «Ein Brett kann man beim Schreiner kaufen.»

Migranten präsentieren Trachten aus ihrer Heimat

Aufgebaut ist die rund zweistündige Modeschau in drei Teilen. Im ersten zeigen die Mitglieder von Trachten Stans die Nidwaldner Tracht – von der Unterwäsche bis zu den verschiedenen Sonntags- und Werktagsgewändern der Frauen und Männer. Models, vorwiegend aus Nid- und Obwalden, zeigen 14 von Dunja Rutschmann angefertigte traditionelle Sonntagstrachten. Im zweiten Teil «Spielraum» werden die 35 neuen Stücke mit Elementen aus der Trachtenmode präsentiert. Diese werden bei Bestellungen für Kunden massgefertigt. Als Schlussbouquet folgt der Teil «Kontrast», für den mit Café Maitri, einem Verein zur Integration von Asylantinnen, zusammengearbeitet wurde. Migranten aus zwölf Ländern präsentieren ihre einheimischen Trachten. Dazwischen singt und jodelt der Trachtenverein Stans. Die Formation LectrØ untermalt das Schaulaufen mit traditioneller bis experimenteller Volksmusik.

Hinweis

Heimatgwand: 18. und 19. November, 20 Uhr, Kollegium St. Fidelis, Eintritt 25/20 Franken, Vorverkauf: Trachtenstübli, Dorfplatz 8, Stans.

Philipp Unterschütz

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