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STANS: «Ein grosses Puzzle, das nie fertig wird»

Seit 1999 sammelt Toni Wigger Traueranzeigen und Nekrologe. Er vervollständigt seit Januar das Porträtarchiv der Zentralschweizer Familienforscher. Aus «Respekt vor den Toten», wie er sagt.
Marion Wannemacher
Toni Wigger in seinem Zuhause an der Arbeit am Archiv. Bild: Corinne Glanzmann (Stans, 11. Oktober 2016)

Toni Wigger in seinem Zuhause an der Arbeit am Archiv. Bild: Corinne Glanzmann (Stans, 11. Oktober 2016)

Am Anfang hätten Frau und Söhne über ihn gewitzelt, erzählt Toni Wigger. Seit 17 Jahren sammelt er Nekrologe, Traueranzeigen und Leidhelgeli. Jährlich füllte sich ein Ordner. Mitte ­Januar erzählte ihm eine seiner Schwestern vom Porträtarchiv der Zentralschweizer Familienforscher. «Jetzt kann ich all das brauchen, was ich immer schon gesammelt habe», sagt er. Seit Januar arbeitet der pensionierte Lehrer fleissig am Archiv mit.

Seither hat Wigger rund 700 Stunden ins Projekt investiert, etwa zwei bis drei Stunden pro Tag. Er scannt Porträts von Leidhelgeli ein und stellt die Personalien von Verstorbenen ins Porträtarchiv – bislang die Daten von insgesamt 600 Verstorbenen. Immer wieder bringen ihm Nidwaldner Totenhelgeli vorbei.

Übernamen helfen beim Identifizieren

«Am meisten Arbeit macht das Vernetzen», sagt Wigger und nennt das Beispiel von Kaspar Remigi aus Stans. Dieser lebte 1839 bis 1927. Eins seiner Kinder war Josef Niederberger-Zumbühl, ein Landessäckelmeister, der auch in Stans lebte. Die Linie lässt sich bis zu Josef Niederberger, genannt «Seppetoni», zurückverfolgen – Urgrosskind von Kaspar Remigi, der in Goldau bis im vergangenen Jahr lebte. «Übernamen können manchmal helfen», sagt Wigger, der seit 45 Jahren in Nidwalden lebt. Das Identifizieren gestaltet sich durch Namensänderungen infolge von Heirat oft als schwierig, in den Anzeigen fehlen zudem oft Strassen oder Hofbezeichnungen. Er sei aber gut im Finden, sagt Wigger.

Für seinen Heimatort Marbach konnte er fast alle Daten im Archiv lückenlos vernetzen. Spannende Geschichten offenbaren sich dabei teilweise. «Vielleicht eine harte Jugend oder schwierige Zeiten.» Das mache dankbar fürs eigene Leben, findet Wigger. Als Quellen helfen dem 68-Jährigen die Nidwaldner Stamm­bücher der Geschlechter Amstad, Achermann und Käslin, die Pfarrer Eduard Käslin in Buochs herausgegeben hat. Häufig trifft er sich mit älteren Einheimischen.

Eigenen Nachruf schon geschrieben

Die Arbeit am Stammbaum für Tote ist ein Wettlauf gegen die Zeit: «Immer mal wieder sterben ortskundige Leute, die noch hätten Auskunft geben können, oder sie werden dement.» Das Ganze sei «ein grosses Puzzle, das nie fertig wird». Was denkt er bei der Arbeit mit Toten und ihren Geschichten? «Ich bin getragen von Dankbarkeit und Respekt den Verstorbenen gegenüber.» Er habe die Menschen gern. Bei ihm seien alle gleich, «ob Mauerblümchen oder Ratsherr».

Von Kindheit auf wurde Toni Wigger mit dem Thema Tod konfrontiert: Die Mutter schrieb Nekrologe im Auftrag. Heute tut er es ihr nach. Wohlwollend müssten diese sein, ohne Lobhudelei. Seinen eigenen habe er auch schon geschrieben, bestätigt er. Und immer wieder überarbeitet. Wigger wuchs als Zweitjüngster in einer Bauernfamilie in Marbach auf. «Körperlich schwach, sportlich und handwerklich ein Nichts, aber immer Klassenerster», sagt er über sich selbst. Vielleicht sei er aber der Glücklichste unter den zehn Kindern gewesen. Mit 15 Jahren kam er ins Lehrerseminar. 40 Jahre war er in Beckenried Lehrer, auch Luzerns Stadtpräsident Beat Züsli ging bei ihm zur Schule.

Immer mal wieder geht Toni Wigger gern über einen Friedhof. Doch er freut sich auch über Lebende. «Begegnungen bedeuten Reichtum.» Bei Pro Senectute Nidwalden ist er Leiter von Exkursionen und organisiert Jass-Runden. Seine andere Leidenschaft gilt dem Theater. Über 30 Theaterstücke schrieb er früher für seine Schüler, zehn Jahre hat er im Theater Stans gespielt.

Hinweis

Toni Wigger würde sich freuen über Kontakte zu anderen Autoren, die für das Porträtarchiv schreiben. Interessierte melden sich unter: toni@wigger.li Mehr Informationen gibt es unter: portraitarchiv.genealogie-zentral.ch

Marion Wannemacher

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