STANS: Ein Leben für das wichtigste Lebensmittel

Seit 1973 sorgte Thedy Christen weitherum für sauberes Trinkwasser. Nun geht er nach 40 Jahren in Pension.

Richard Greuter
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Der nun pensionierte Brunnenmeister Thedy Christen im Pumpwerk Zugweid. (Bild Richard Greuter)

Der nun pensionierte Brunnenmeister Thedy Christen im Pumpwerk Zugweid. (Bild Richard Greuter)

Bereits im Mittelalter war der Brunnenmeister ein angesehener Beruf. Seine Aufgaben bestanden darin, die öffentlichen Brunnen einer Stadt in gutem Zustand zu halten und dafür zu sorgen, dass jeder Bürger sauberes Wasser hatte. Eine grosse Verantwortung, die sich bis heute wenig geändert hat. Und das mit gutem Grund, meinte Thedy Christen von der Wasserversorgung Stans: «Das Wasser ist das wichtigste Lebensmittel.» Während 40 Jahren wachte der gelernte Maschinenschlosser als Brunnenmeister über das Wasser rund um den Hauptort Stans.

15 bis 20 Unterbrüche pro Jahr

Heute, wo praktisch jeder Haushalt ans Trinkwassernetz angeschlossen ist, werde der Brunnenmeister erst richtig wahrgenommen, wenn mit dem Trinkwasser etwas nicht stimmt oder wenn irgendwo als Folge eines Leitungsbruchs grössere Wassermengen austreten. Dies komme im Jahr zwischen 15 und 20 Mal vor und sei eine Routineangelegenheit, meint Thedy Christen.

10 000 Personen ohne Wasser

Dies war auch beim schlimmsten Ereignis seiner Karriere vor etwa zehn Jahren der Fall. Ein Bauunternehmer hatte bei Grabarbeiten eine Hauptleitung erwischt und landete damit einen «Volltreffer». Als Thedy Christen vor dem Ausrücken noch etwas Wasser trinken wollte, stellte er fest, dass das gesamte Versorgungsgebiet kein Trinkwasser mehr hatte – für ihn ein Worst Case. «Mit dem Schliessen von zwei Schiebern hatten die rund 10 000 Einwohner wieder Wasser», erzählt der 65-jährige Brunnenmeister.

Steuerung per Mausklick

Doch der Umfang seiner Tätigkeit ging weit über die Arbeit als Brunnenmeister hinaus. In kleineren Gemeinden, wo der Brunnenmeister meistens im Nebenamt angestellt ist, wird die Planung von Leitungsnetzen in der Regel durch Ingenieurbüros wahrgenommen. Anders bei der Wasserversorgung Stans. Der Betriebsleiter Wasserversorgung ist auch für Planung, Unterhalt und Weiterentwicklung des Wasserleitungsnetzes zuständig. Dieses Netz ist innerhalb vier Jahrzehnten von 50 auf 120 Kilometer angewachsen. Kein Neubau, wo nicht ein Plan über seinen Schreibtisch geht.

«Für die Wasserversorgung Stans ist dies ein Vorteil», betont Christen. Denn als Brunnenmeister kenne man nicht nur das Leitungsnetz, sondern auch die Topografie des Geländes, und wisse, wo vielleicht mal gebaut werde. Rund zehn Prozent seiner Arbeit beanspruchte die Qualitätssicherung. Den Rest widmete er sich dem Leitungsnetz. Die Steuerung der gesamten Anlage ist schon längst per Mausklick machbar.

Wie ein eigener Betrieb

Angesprochen auf das schönste Erlebnis, muss Thedy Christen lange studieren, dann meint er: «Ich hatte viele schöne Erlebnisse, aber am meisten freut es mich, dass mit Christoph Scheuber ein guter Nachfolger gefunden wurde.»

Jetzt, wo er noch ein paar restliche Arbeiten erledige, sei schon etwas Bauchweh dabei. «Die Wasserversorgung war für mich wie ein eigener Betrieb. Ich war praktisch 365 Tage im Jahr auf Pikett», erzählt der scheidende Brunnenmeister, meint aber mit Blick in die Zukunft: «Nun habe ich Zeit, mein Haus umzubauen und auch mal eine Bergtour zu machen. Vielleicht schaffe ich mir wieder mal einen Hund an.»