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STANS: Er hat einen lernfähigen Klee entdeckt

Werner Bürglers Hobby kann anderen Glück bringen. Durchaus möglich, dass man vom Pensionär einen vierblättrigen Klee erhält.
Philipp Unterschütz
Werner Bürgler findet immer wieder seltene Kleeblätter – wie etwa das «doppelstöckige» Exemplar (Bild links). (Bild Corinne Glanzmann)

Werner Bürgler findet immer wieder seltene Kleeblätter – wie etwa das «doppelstöckige» Exemplar (Bild links). (Bild Corinne Glanzmann)

Philipp Unterschütz

«Es ist doch gescheiter zu sagen, sie bringen Glück, als dass sie gut im Salat sind», schmunzelt Werner Bürgler. Der 75-jährige Stanser spricht von vierblättrigem Klee. Genauer gesagt vom kriechenden Klee oder, wie er fachmännisch lateinisch hinzufügt, vom Trifolium repens. Und es kann schon mal vorkommen, dass er Wanderern oder Spaziergängern ein gefundenes vierblättriges Kleeblatt gibt und Glück wünscht. Das macht er seit Jahren so, wenn er eines der seltenen Exemplare findet, und er freut sich über die erstaunten Reaktionen. Selber nimmt er den alten Volksglauben, vierblättriger Klee sei ein Glücksbringer, zwar nicht für bare Münze. «Aber ich kann sie ja nicht alle behalten. Da mache ich doch besser jemandem eine Freude», meint Werner Bürgler. Er begutachtet die Pflanzen schliesslich auch aus anderen Gründen: Botanik ist sein liebstes Steckenpferd.

Lieblingsziel Stanserhorn

Bis zur Pensionierung im Jahr 2005 leitete Werner Bürgler das didaktische Zentrum in Stans. Zuvor war er bis in die 90er-Jahre als Lehrer für Naturwissenschaften an der Stanser Sekundarschule tätig, unterrichtete aber auch Schwimmen, Turnen und weitere Fächer. Mittlerweile ist das Stanserhorn sein beliebtestes Ziel. «Diesen Sommer war ich 81 Mal oben, bei jedem Wetter und zu jeder Tageszeit. Die Pflanzenwelt dort ist einfach einmalig schön.»

«Dann wird fotografiert wie wild»

Doch es ist nicht so, dass Werner Bürgler nur mit gebeugtem Nacken auf den Boden starrend durch die Weltgeschichte laufen würde und nach interessanten botanischen Entdeckungen sucht. Auch das Panorama und die Tierwelt haben es ihm angetan. «Aber Pflanzenkunde ist mir doch lieber als Tierkunde. Pflanzen können nicht wegrennen», meint er lächelnd. «Doch auch die Pflanzen ‹verseckeln› einen oft. Da meint man etwas Spezielles gefunden zu haben, und bei genauerem Hinschauen entdeckt man, dass es nur so aussieht, weil eine Nachbarpflanze ganz nah gewachsen ist.» Man müsse schon genau hinsehen und sich Zeit nehmen. Viele Leute sähen aber nicht einmal die schönsten Orchideen am Wegrand, deshalb mache er bei Begegnungen manchmal auf solche Schönheiten aufmerksam. «Dann wird aber fotografiert wie wild.»

Das heisse Wetter wirkte sich aus

Dieses Jahr ist Werner Bürgler der Einfluss des heissen, trockenen Wetters auf die Pflanzenwelt besonders aufgefallen. «Alles ist kleiner und kürzer, auch die Blüten. Dafür sind die Farben intensiver.» Und wegen des warmen Herbstwetters hätten jetzt Pflanzen geblüht, die eigentlich erst im April blühen sollten. Grundsätzlich sind das für ihn aber nur kurze Ausschläge. Trotz viel zitiertem Klimawandel oder Umweltverschmutzung hat er über die Jahre auf dem Horn keine Veränderungen festgestellt. «Dort ist die Pflanzenwelt absolut in Ordnung.» Über eine Entdeckung freut er sich besonders – und schon sind wir wieder beim Klee. Extrem seltene Exemplare mit fünf oder sechs Blättchen hat er letztes Jahr am Stanserhorn gefunden. Im Gegensatz zu anderen Pflanzen, die er nach Hause nimmt, konserviert, beschreibt und seiner umfangreichen Fotosammlung hinzufügt, hat er den sechsblättrigen Klee wie die vierblättrigen Exemplare verschenkt.

Der Klee passt sich an

Konserviert hat er jedoch ein besonderes vierblättriges Kleeblatt, das er kürzlich auf einem Rasenstück nahe des Stanser Dorfkerns gefunden hat. «Lernfähiger Klee», sagt Werner Bürgler. Das Besondere daran: Die Blättchen dieser Mutation waren nicht wie üblich um einen Mittelpunkt angeordnet, sondern je ein Paar der Blättchen wuchs aus dem Anfangs- und aus dem Endpunkt des verlängerten Blattstiels hervor (siehe Bild). Und alle vier Blättchen waren gegen die Sonne ausgerichtet.

«Weil Klee häufig unter grösseren Pflanzenarten mit vermindertem Lichteinfall wächst und sich zudem selber überlappt, ist dieses Exemplar so gewachsen, dass es mehr Licht für die Fotosynthese erhält.» Seine Botanikkollegen hätten ebenso wie er gestaunt und so etwas auch noch nicht gesehen. «Das zeigt, wie sich Pflanzen ihrer Umwelt anpassen. Ich könnte mir vorstellen, dass es irgendwann solchen ‹zweistöckigen› Klee gibt. Die Evolution ist eben nie abgeschlossen.»

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